Dienstag, 22. Juni 2021

Vielleicht sollten wir uns einen kleinen Rückblick auf die vergangene Woche gönnen, bevor wir in die fünfte Lebenswoche der Jabberwockys starten.

Außerhalb unseres kleinen Habitats waren es vor allem die schweren Gewitter, die dieser Woche ihren Stempel aufdrückten, aber von uns nur wenig Notiz nahmen. Am Dienstag gestalteten wir unseren Garten mithilfe einiger ausbruchssicherer (?) Gitter zum Raubierkäfig um und bestückten ihn mit ein paar Spielgeräten, damit Leben im TransitLeben im Transitdie Insassen nicht gleich merken, dass es nun in Vagen eine Außenstelle von Guantanamo gibt. Die Hitze ließ aber nur eine räumlich sehr begrenzte Nutzung des von uns als Paradies bezeichneten Gefängnisses zu. Am Mittwoch begannen wir gezielt mit Heddas Befreiung von ihren lästigen Milchegeln am Bauch. Außerdem inszenierten wir einen unspektakulären Dog-Walk zum Zwecke einer Halbzeit-Fotosession. Der Freitag stand im Zeichen des Transits und dessen Vereinnahmung, die sich mit wachsendem Erfolg bis zum Sonntag hinzog. Am Ende der vierten Woche konnten sich die Zwerge schon gar nicht mehr erinnern, wie überhaupt ein Leben ohne Transit möglich war. Ab Sonntag blieb die Schlummerkiste nachts offen, und die Jays machen seither keinen Gebrauch mehr von ihr, es sei denn als kuscheliges Familienklo 🤦‍♂️. Im Laufe der Fütterungen wurde der universelle Futterruf Matze-Matze-Matze etabliert, der die Beinsicherheit und Geschwindigkeit der Kinder schon aus ernährungstechnischen Gründen dermaßen beschleunigte, dass aus urkomischen Rollatoren flitzeflinke Boxautos, auch Scooter genannt, wurden, die alles aus dem Weg räumen, was ihnen im Weg steht. Die Zwerge selbst haben sich martialisch bewaffnet und versäumen keine Gelegenheit, sich mit den Einsatzmöglichkeiten ihres neu erstandenen Arsenals vertraut zu machen. Und zwei haben sich so schamlos an unsere Besucher angewanzt, dass sie bereits jetzt ihre zukünftige Anschrift kennen.

Dann können wir uns nun in neue Abenteuer stürzen. Doch in dieser Hinsicht sieht es heute ziemlich mau aus; was soll sich schon ereignen an einem Tag, der noch nicht einmal dem hundertjährigen Bauern eine Erwähnung wert ist. In solchen Momenten kann man sich über die kleinsten Nichtigkeiten freuen, vor allem aber werden sie, die man sonst vermutlich übersehen würde, sichtbar.

Janitschek staunt, wie Jule Joschi flachlegtJanitschek staunt, wie Jule Joschi flachlegtEine Erwähnung wert ist das nachgewittrig nasse Gras im Garten, als die verschlafenen Held(inn)en des Blues morgens in die Freiheit entlassen werden. Es ist das erste Mal, dass sie nasses Gras unter den Fußpolstern spüren, aber das stört sie nicht. Sie sind nicht einmal verwirrt, sie latschen einfach herum, erledigen ihre Morgentoilette, sehen sich um, ob noch alles in alter Ordnung ist, schlagen und vertragen sich und warten auf der Terrasse die Lieferung des Frühstücks ab.

Bevor wir uns der Hauptattraktion des Tages widmen, werfen wir einen Blick auf die Gewichte. Nach dem guten Kilo, das sie sich alle zusammen gestern gegönnt haben, lassen sie es heute etwas geruhsamer angehen – mit einer Ausnahme. Immer ein wenig als Bruder Leichtfuß eingestuft zu werden, scheint Janitschek doch haarscharf an den Tatsachen vorbei argumentiert zu sein, denn natürlich ist er ein gewichtiger Teil der Jays und möchte dies nun auch auf der Waage manifestiert wissen, und 260 g sind eine echte Ansage, vor allem, wenn es alle zusammen nur auf 840 g bringen. Und damit rückt er, zumindest vorerst, auf den dritten Platz vor. Also jetzt der Reihe nach:

Jazz 2760 (+80), Joschi 2690 (+190), Janitschek 2640 (+260), Jackl 2620 (+100), Jeannie 2240 (+100), Judica 2240 (+20), Jasna 2160 (+100) und Jule 1920 (+80). Das ergibt ein Durchschnittsgewicht von 2408,75 g.

Im Zentrum des heutigen Tages steht die Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Bei dieser Zwischenbeschau geht es darum, generelle Fortschritte oder Veränderungen im Erscheinungsbild (z.B. die An Judicas Zahnstellung ist nichts zu bemängelnAn Judicas Zahnstellung ist nichts zu bemängelnMarken) zu dokumentieren und vor allem jene, die bei der Erstabnahme noch gar nicht sichtbar waren, wie etwa Nabelbrüche oder die Zahnstellung. Vor allem Rückbisse sind keine Kleinigkeit, aber aus nachvollziehbaren Gründen bei der Erstabnahme nicht zu erkennen. Das gilt selbstverständlich auch für Jules Fehlauge, das nunmehr offiziell dokumentiert ist. Um die geneigten Leser nicht auf die Folter zu spannen: Die Jays haben keine Nabelbrüche und durchwegs korrekte Zahnstellungen, auch Rutenanomalien haben sie seit ihrer Geburt nicht nachgeliefert. Und, so jedenfalls die Sicht des Züchters, sie sind generell noch viel schöner geworden (was im Protokoll leider nicht vermerkt ist); Zuchtwarte sind bei der Ausübung ihres Amtes normalerweise nicht ästhetik- sondern vorwiegend faktengetrieben. Aber für den emotionalen Blickwinkel gibt es ja die rosagold-beseelten Züchter. Die Zwerge lassen die Fleisch- und Nabelschau nahezu unbeteiligt über sich Jasna lernt schreibenJasna kontrolliert die Eintragungenergehen, haben offenbar keine größeren Einwände, dass auch mal jemand, anders als wir oder die aufdringlichen Kaufaspiranten, an ihnen herumfummelt und lassen sich sogar lammfromm ins neuerstandene Waffenarsenal blicken. Sind sie nicht zauberhaft schlicht, diese Mäuschen? Können kein Wässerchen trüben, nur unsere Küche können sie mit ihren Wässerchen trüben, aber den Schoß einer Zuchtwartin nass zu trüben, auf die Idee kommen sie nie und nimmer. Möglicherweise haben diese Überlebenskünstler schon nach vier Wochen das Credo aller Duckmäuser verinnerlicht: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Daran ist vor allem im Fall unserer Zuchtwartin Annemarie nicht zu zweifeln, einen ordentlichen Knuff und Kniff hätte sie trotzdem verdient und vertragen. So endet dieses Treffen in einer dem Chronisten wesensfremden Harmonie, nicht zuletzt, weil Attacken und Widersetzlichkeiten Schreib- und Lesestoff liefern, Zuträglichkeiten aber nicht einmal fürs literarische Niveau der Apotheken-Umschau reichen. Mal sehen, ob wir die Knirpse vor der Endabnahme ein wenig scharfmachen…

Weil sie so artig waren, belohnen wir die Knirpse abends mit einem Pfund püriertem Hühnchen mit Kartoffelflocken, was sie wie das gewohnte Kopffleisch abräumen, ohne uns einen Dank für die neue Geschmacksnote auszusprechen; nicht gemault ist bekanntlich gelobt genug. Aber der Speiseplan ist um eine Variante erweitert, und darauf kommt es an.

Dann verabschiedet sich der Tag wieder mit heftigen Gewittern und schwerem Hagel, die sich allerdings abermals nur bis an die Außengrenzen von Vagen wagen. Derzeit ist Vagen das kleine keltische Dorf mit zwei Druiden, die Hagelfliegix und Magihagelix heißen.

 

Mittwoch, 23. Juni 2021

Der Morgen trägt noch viele nachgewittrige Wolken, kann sich aber von seinem dampfig schweren Erbe nicht freimachen. Es will einfach nicht luftiger werden, allen nächtlichen Gewalttaten zum Trotz; um 5:30 Uhr messen wir noch immer 18 °C. 

Dann tun wir eben im Schweiß unseres Angesichts das, was getan werden muss und den Namen Putzen und Wiegen trägt, wobei vor allem das Erste die Luftfeuchte weiter hochtreibt. Also wird erst gewogen, dann geputzt und den Rest regeln die Flegel.

Bevor wir das Kalorienprotokoll veröffentlichen, versichern wir hier und an Eides Statt, dass wir uns gestern nicht im Regal vergriffen und eine größere Portion Schweinshaxen verfüttert haben. Mangfalltaler Hühner haben aber einen ähnlichen Nährwert. Das muss vorab gesagt werden, denn das heutige Ergebnis gibt Anlass, unsere Futteraussagen in Zweifel zu ziehen.

JJazzJazzazz 3070 (+310, damit knackt sie die Drei-Kilo-Marke), Joschi 2880 (+190), Jackl 2860 (+240), Janitschek 2770 (+130), Judica 2520 (+280), Jasna 2450 (+290), Jeannie 2370 (+130) und Jule 2030 (+110). Da ist in der Reihenfolge doch einiges in Bewegung gekommen. Falls jetzt gerade kein Handy oder Taschenrechner bereitliegen sollte, übernehmen wir gerne die Rechnung und verlautbaren einen Tagesgewinn von 1680 g und ein Durchschnittsgewicht von 2618,75 g.

An Tagen wie diesen, von denen man nicht weiß, ob man sie ins schwarze oder goldene Buch eintragen soll, muss man sich Bedenkzeit gönnen, am besten mit putzen. Das schwarze Buch käme etwa in Betracht, wenn man das Jahr 2016 heranzöge, an dessen 23. Juni 51,9 % der Briten meinten, dem alten Europa den Rücken kehren zu müssen, um ein noch älteres Empire wiedererstehen zu lassen. Einen kleinen Eintrag ins goldene Buch verdient eventuell der 23. Juni 1966, an dem die Beatles zu ihrer ersten Deutschlandtour starteten. Wenn jemand etwas Gewichtigeres anzumelden hat…, kann sich eh kaum noch eine(r) daran erinnern, die meisten haben sich damals, in musikalisch grauer Vorzeit, noch in ihren Windeln herumgeflegelt, wie die Chefin, um sich ein paar Jahre später einreden zu lassen, dass Moden Talking etwas mit Musik zu tun hat.

JacklSchönen Tag zusammen, ich bin der liebe JacklTempi passati! Und Schwamm drüber, Schrubber und Wasserschlauch raus: Die Terrasse ist fällig, weil diese Prinzen und Prinzessinnen keinen Respekt vor gar nichts haben und ihnen noch nicht einmal ihre und unsere Terrasse heilig ist, und deshalb möfft‘s da draußen wie in einem Pissoir auf der Wiesn.

Aber dann schwingt sich dieser Tag ohne Eigenschaften doch noch zu einem dramaturgischen Höhenflug auf, dem wir die belächelte Langeweile vorgezogen hätten. Es ist, wie so oft, ein Augenblick der Ablenkung, der die Geschicke wendet. Vor wenigen Minuten eingetroffene Besucher haben unseren Damen etwas zum Knabbern mitgebracht, was diese in einen schlitzäugigen Ruhemodus ins Gras bringt. Wir bringen derweil das Welpenfutter in den zwei Futterringen in den Garten und stellen es einige Meter von unseren Mädels ab, rufen die Kinder zur Tafel, sammeln säumige Irrläufer zusammen – und in diesem Moment nähert sich einer von denen, Janitschek, tolpatschig seiner knabbernden Oma und will sehen, was die Feines hat. Oma zieht die Joschi tröstet JanitschekJoschi tröstet JanitschekLefzen, der Enkel hat keine Ahnung, was Lefzen sind und was sie zu bedeuten haben, wenn sie die Zahnreihe für einen Moment freigeben und insistiert auf Information bezüglich der Leckerei. Wir sind beschäftigt, haben die beiden nicht im Auge, und da rappelt es: Fianna erteilt Janitschek eine Lektion in Gehorsam. Der plärrt auf und rennt mit blutender Nase davon. Irgendwie hat sie ihn grob und stumpf erwischt, ein Zahn ist jedenfalls nicht im Spiel. Jeder, zumindest alle, die schon mal Nasenbluten hatten, wissen, wie gut Nasen durchblutet sind, als sie sich oft genug erfolglos abmühten, den Blutstrom zu stoppen. Janitschek kommt in warme Arme, Mama Hedda ist mit seinem Aufschrei augenblicklich zur Stelle, weiß genau, dass das Kind nicht nur irgendwie zornig herummault, sondern tatsächlich unter die Räder gekommen ist. Janitschek wird mit einer größeren Portion Taschentücher gepflegt und getröstet, wobei das Letztere schlechter funktioniert; der Schani hat Schmerzen und ist untröstlich. Nach einigen Minuten lassen wir ihn wieder zu seinen Geschwistern, die sein Leid kaltherzig ignoriert hatten, und er versucht sich wieder einzugliedern, was aber an der immer noch träufelnden Nase scheitert. Man weiß, wie eine blutende Nase erst tropft und dann verstopft, angenehm ist das nicht. Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, wie gerne behauptet wird, aber sie lässt Körper und Seele langsam wieder zueinanderfinden, und so kommt auch Jani wieder zur Ruhe. Die Oma hat dafür einen ordentlichen Anschiss bekommen, der ihr wahrscheinlich ähnlich an die Seele geht wie Janitschek seine blutende Nase; so etwas kennt sie nicht von uns. Aber das muss jetzt sein. Wir können nachvollziehen, dass sie mit der Erfahrung von dreißig Welpen weiß, was sie zu tun hat und was sie tun darf, aber für die Erziehung ihrer Kinder ist Hedda JuleBeinahe hätte die Piratin Jule einen Komplizen bekommenzuständig. Die kennt sich damit noch nicht so richtig aus, und deshalb entsteht ein Vakuum, in das der bedauernswerte Jani gesaugt wurde. Das passiert nicht noch einmal, deswegen die knackige Ansage an Fianna. Nun ist die Stimmung beim Blues etwa so abgründig wie die der Remainer im Gespaltenen Königreich vor fünf Jahren. Janitschek zieht sich zurück, wir lassen ihn nicht mehr aus den Augen. Mit der Zeit kommt er auch zur Ruhe und sucht seinen Frieden im Schlaf.

Den Schlaf finden wir irgendwann auch, aber Frieden haben wir mit der Situation noch lange nicht geschlossen. Gut ist nur, dass Janitschek außer einer dicken Nase keine körperlichen Schäden davongetragen hat. Was, wenn Fianna mit ihrem Zahn ein Auge getroffen hätte? Dann könnten wir heute schon ein kleines Piratenschiff zu Wasser lassen.      

 

Donnerstag, 24. Juni 2021

Um 0:30 Uhr will Hedda zu ihren Kindern, kann aber nicht, weil wir die Türen im Erdgeschoss und im ersten Stock geschlossen halten. Sie besteht darauf und ist lästig, vielleicht muss sie ja mal nach ihrem malträtierten Jani sehen. Die Chefin erbarmt sich und steigt mit ihr in die Niederungen des Blues. Dort werden sie freudig begrüßt, und Hedda legt sich zu ihren Kindern. Acht fette Fellmaden rangeln sich um fast versiegte Zapfstellen. Wozu das? Das Ergebnis ist vorhersehbar: Die Mutter bricht die Übung schnell wieder ab und die Plagen plärren. Ende des Zwischenspiels.

4:00 Uhr: Die Kinder verlangen nach ihrer Mutter und machen ein solches Spektakel, dass wir sie sogar im Dachstudio nicht überhören würden. Die Mutter überhört, die Oma gibt vor, nichts mehr zu hören und dem Personal vergeht das Hören und Sehen so sehr, dass es nach einigem Hin- und Herwälzen und erfolglosen Fluchtversuchen unter die Decke die Nacht für beendet erklärt.

Willkommen neuer Tag, welcher der Geburtstag von Johannes, dem Täufer sein soll. Prima: Vom mitternächtlichen Regen in die morgendliche Traufe und jetzt auch noch getauft. Komme es, wie es wolle, wir sind längst mit vielen Wassern gewaschen. Doch aufgemerkt: Der Name des Täufers beginnt mit einem J, könnte also auch mehrfach unter unseren Schutzbefohlenen vergeben werden, etwa Johannes, der Erste, Johannes, der Zweite, Johanna, die Erste, und so weiter. Und welchen Vorteil hätten wir davon? Nun, jener Täufer, namens Johannes, wurde auf Bitten einer gewissen Salome, Tochter des Herodes Antipas, seines Hauptes entledigt und als Belohnung für einen sehr fragwürdigen Tanz jener Stangentänzerin Salome auf einem Silbertablett serviert. Ob sie ihn mit Blattgold überziehen ließ oder wie einen Schweinskopf verspeiste oder einfach nur entsorgen ließ, ist nicht überliefert. In uns aber reift nach dieser Nacht der Wunsch, uns acht kleine Johanna- und Johannesköpfe servieren und wie Jagdtrophäen an die Wand nageln zu lassen. Was ein Glück, dass von denen da keine(r) Johann* heißt. Gerade nochmal davon gekommen.

Lassen wir sie am Leben und zur Waage. Ist doch egal, wodurch man sein seelisches Gleichgewicht wiederfindet und sein Schlafdefizit abarbeitet.

Jule chilltJule chilltJazz 3160 (+90), Jackl 3030 (+170, Sechspfünder), Joschi 3020 (+140, Sechspfünder), Janitschek 2800 (+30, ihm ist gestern Abend mutmaßlich der Appetit vergangen), Judica 2620 (+100), Jeannie 2540 (+170), Jasna 2530 (+80) und Jule 2210 (+180), ergibt einen Fett- und Muskelzuwachs von 960 g bei einem Durchschnittsgewicht von 2738,75 g.        

Die Donnerstage sind die Komplextage im Leben des Blues, weil die Chefin fast zwölf Stunden außer Haus ist und der Assi den 32-beinigen Tatzelwurm allein an der Backe hat. Das geht natürlich, aber darüber hinaus geht nichts; ein eventuell vorhandenes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) sollte an solchen Tagen unter Kontrolle sein. Wenn das Wetter, wie heute: Sonne, Wind und Wolken, keinen Schabernack treibt, läuft der JeannieJeannieLaden fast von allein: Die Kinder tummeln sich im Paradies oder schlafen, schauen, wenn der Transit geöffnet ist, einmal in der Guten Stube vorbei, fordern ihre regelmäßigen Mahlzeiten ein und belasten das Zeitkontingent des Wachhabenden vorwiegend dadurch, dass sie ihn mit ihren Aktivitäten an die Kamera zwingen, anstatt allfällige Arbeiten, wie etwa diese Chronik, abzuarbeiten. Es gibt schlimmere Schicksale. 

Dass heute die ganze Aufmerksamkeit des Assis dem unglücklichen Janitschek gehört, versteht sich von selbst. So richtig ist er noch nicht in der Mitte des Zwergenlebens und auch seiner eigenen angekommen, noch ist er auf der Suche nach seinem seelischen Gleichgewicht, scheint aber auf einem vielversprechenden Weg zu sein. Sein entscheidender Show-Stopper JanitschekJani macht noch immer auf dicke Naseist wohl seine Nase, die von Fiannas Stüber eine Form zwischen Airdale Terrier und Seeelefant angenommen hat. Zudem hat er von den dicken Backen nur noch Augenschlitze. Statt auf dicke Hose zu machen, was sowieso nicht seine Paradedisziplin ist, macht er heute auf dicke Nase. Von dieser Verunstaltung seines sonst so wohlgeschnittenen Antlitzes abgesehen, geht er mit dieser Nase klugerweise allen Rempeleien aus dem Weg, denn die scheint noch ziemlich empfindlich zu sein. Dumm ist er nicht, der Schani, aber dadurch macht er den Eindruck, als ob er ein wenig dasig oder damisch wäre. Wie es aussieht, ist er aber nur ein sehr weiser Naseweis. Immerhin: Am Appetit mangelt es ihm nicht, aber er hält sich auch in dieser Situation ein wenig zurück, sodass wir für morgen keinen Gewichtshöhenflug von Jani erwarten.

JasnaLeckfinderin JasnaUnd noch jemand lässt kein Nachlassen der Aufmerksamkeit zu. Es ist das Amazonenpärchen Jazz und Jasna, denen Insiderkreise inzwischen jede Kleinteufelei zutrauen. Die beiden sind, wenn sie nicht schlafen, unermüdlich im Garten unterwegs, lassen kein Fitzelchen ihres Paradieses ununtersucht, drehen quasi sprichwörtlich jeden Stein und jedes Blatt um, graben Löcher, wo es der Boden zulässt, erzupfen sich die gesamte Flora Blättchen für Blatt, sind überall und nirgends, wobei besonders im letzteren Fall beim Assi die Alarmglocken schrillen, man kann ja nie sicher sein, dass wir das Paradies ausbruchsicher gestaltet haben, wovon wir zwar überzeugt sind, uns jedoch lieber nicht von den Leckfindern eines Schlechteren belehren lassen wollen. Bisher haben sie kein Leck entdeckt, aber passieren JazzJazz auf Erkundungstourkann das jetzt, genau in diesem Augenblick, da der Chronist klammheimlich triumphiert und seinen Triumph notiert.   

Wie sehr die Jays immer mehr mit ihrer Umwelt verwachsen, vor allem, indem sie wirklich ständig Neues zu- und einzuordnen versuchen, zeigt Jasna, die auf der Terrasse sitzt, während ihre Geschwister chillen, als sich im Nachbargarten etwas tut, was in unserem ausgeschlossen ist: Die Oma schaukelt ihren Enkel in einer Hängeschaukel, was Fianna nie in den Sinn käme, und plaudert mit ihm, der Enkel jauchzt auf, die Oma sagt nette Worte, so, wie das halt läuft, wenn Oma und Enkel miteinander spielen – und Jasna sitzt und peilt die Richtung, kann nicht sehen, woher das kommt, weil wir zu viel Grünzeug dazwischen gepflanzt haben, dreht den Kopf und ist ganz Ohr – und knüpft einen neuen Knoten in ihr neuronales Netzwerk. Sie weiß noch immer nicht, was sich dort drüben abspielt, aber sie hat ein weiteres Erfahrungsmuster abgespeichert, das irgendwann genutzt werden wird.

IJudicaJudica mimmt auch Fingern einer Sache haben sie schon so viele Verknüpfungen angelegt, dass das dazugehörige Verhaltensmuster, wie bereits mehrmals angesprochen, schon in die Nähe der Meisterschaft reicht: Die Biester haben es nun wirklich massiv auf unsere Zehen und Fersen abgesehen. Was bislang nur ein zärtliches Kneifen war, wird nun ein Zugriff. Und inzwischen macht es auch keinen Sinn mehr, Haupt- und Nebendarsteller auszuweisen; wenn dir fünf Zahnwale an der Hacke hängen, willst du gar nicht mehr wissen, wie sie heißen. Von wegen: Sie sind sooo süüüß!

Um 18:30 Uhr ist der Arbeitstag der Chefin endlich Vergangenheit, und sie lässt es sich nicht nehmen, mit Fianna und Hedda einen erholsamen Abendspaziergang zu machen. Der nimmt dann eine unerwartete Wendung, will es plötzlich wie aus Eimern schüttet und die drei pitschepatschenass zuhause ankommen. Vielleicht hatte Bob Dylan ein ähnliches Erlebnis, als ihm Rainy Day Women einfiel. Oder auch nicht, egal. Während sich die Chefin aus ihren nassen Klamotten windet und der Assi im Vorraum die Mädels frottiert, steht plötzlich Jasna zwischen ihnen und tut, als ob das die natürlichste Sache der Welt sei. Hat sie jetzt einen Höhenflug und fühlt sich dem Nazarener ebenbürtig, der ja einst zu Protokoll gab: „Wo zwei oder drei von euch versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“? Wir finden diese Anmaßung nur begrenzt lustig und wollen auch gar nicht abwarten, ob sie demnächst versuchen wird, übers Wasser zu gehen. Wir bringen sie zurück, wohin sie gehört und stellen fest, dass der Anschluss des Flurgitters an die Wand nur lausig sicher ist. Also schieben wir es prophylaktisch wieder zu, setzen die Ausbrecherin zurück und die Behandlung der Wet-T-Shirt-Ladies im Vorraum fort. Und schon ist sie wieder da, die mit dem gelben Kainsmal zwischen den Schulterblättern, triumphierend und mit Ohrfeigengesicht. Zefix, die will es wirklich wissen! Doch diesmal hat sie auch noch ihre Geschwister eingeladen, ihrem Ausbruch das nötige Publikum zu stellen. Jetzt wissen alle Bescheid! Der Assi holt aus dem Keller einen granitenen Pflasterstein und legt ihn vor das Gitter, damit die Komödie ein Ende hat. Und schon macht sich Janitschek an die Arbeit, dem Beispiel seiner Schwester zu folgen. Doch er scheitert; der Stein hält stand. Oh, wie süüüß, diese Bande…

Zur Strafe bekommen sie am frühen Abend gleich noch den ersten Teil der zweiten Entwurmungsrunde mit Panacur. Aber das ist für die immer noch keine Strafe; sie schlucken es runter und machen sich wieder auf zu neuen Taten. Komische Gesellschaft.

Zum Schluss gibt es eine ordentliche Portion Kopffleisch mit Kartoffelbrei und Karottensuppe, und dann haben wir genug von diese Tag, der Assi, weil er heute keine Welpen mehr sehen kann und die Chefin, weil sie den üblichen Thursday Overload Blues hat.

 

Freitag, 25. Juni 2021

Um 2 Uhr treibt Hedda Psychoterror im Schlafzimmer, macht Spektakel, jumst und summst, weil sie zu ihren Kindern will. Das schlafdurstige und schlaftrunkene Personal macht die Rechnung, welche Reaktion auf schnellstem Weg wieder in den Schlaf führt; die Chefin kommt zu dem Schluss: Nachgeben und mitgehen. Also taumeln Hedda und die Chefin ins Erdgeschoss und finden ein Ausbrecherquartett fröhlich flitzend und unseren Eingangsbereich inspizierend. Ist halt doch ein gutes Mädchen, unsere Hedda, der schnell klar war, dass da unten irgendetwas schwer aus dem Ruder läuft. Diejenigen, die da aus dem Ruder gelaufen sind, sind keine guten Mädchen und kommen auch bestimmt nicht in den Himmel: Jazz, Jasna (natürlich die beiden), Judica und Jeannie. Hedda nimmt sich die vier buchstäblich zur Brust, lädt auch die anderen zum Nachtgelage, und dann ist wieder Frieden, wenigstens was die Kinder angeht; wir finden ihn mehr schlecht als recht, weil unsere Sperre immer noch nicht ausbruchssicher, der Pflasterstein offenbar nicht schwer genug ist. Bis kurz vor 6 Uhr kehrt dann Ruhe ein, ein Ohr immer in Bereitschaft.

Eine Flasche zur SicherheitEine Wasserflasche soll's richtenWährend die Chefin morgens ihren First Level Support in der Küche verrichtet, bricht die Viererbande wieder aus. Und jetzt wird auch klar, wie durchtrieben diese Hosenscheißer schon sind. Zu viert, mehr über- als neben- oder hintereinander drängen sie in die Nahtstelle zwischen Gitter und Wand, quetschen dann die Schultern dazwischen und bringen auf diese Weise den Stein in Bewegung. Dabei sind wir so stolz auf unsere Ideale wie „Gemeinsam sind wir stark“ oder „Einer für alle, alle für einen“. Dieser Kraftakt gehört eher in die Kategorie „Marmor, Stein und Eisen bricht unter unserem Kampfgewicht“. Wir ersetzen den kampfschwachen Stein durch eine schwerere Flasche mit destilliertem Wasser – jedenfalls, bis uns etwas Besseres einfällt. Vorschläge, wie Löcher in die Wand zu bohren und das Gitter daran zu befestigen, lehnen wir kategorisch ab!    

Vormittags hat die Chefin einen Arzttermin. Im Feldlager ist alles ruhig. Auch das Weiberquartett schläft. Wie er so drüber nachdenkt, hätte der Chronist jetzt beinahe Triumvirat geschrieben, was gleich doppelt falsch gewesen wäre, weil Trium für drei steht und Virat für Männer. Wie würde man denn ein solches Geschwader aus vier Frauen nennen? Jetzt alle bitte Notizbuch hervorholen und aufschreiben (man weiß nie, wofür es noch gut sein kann): Quattuormulierat! Damit es geläufiger über die Lippen geht, könnten wir uns eventuell auch auf Quattromulierat einigen. Also: Auch die Quattromulis ruhen, was den Assi auf den Gedanken bringt, schnell in die Dusche zu springen; die Gelegenheit ist günstig. Doch kaum hat er sich nassgemacht, dringen von unten schon wieder Töne nach oben, die alles signalisieren, nur keine fröhliche Kinderschar: Dort ist etwas im Gange! Und zwar nichts Gutes. Raus aus der Dusche, rein in die Unterbüx und runter. Hedda steht mit drei Fragezeichen über ihrem besorgten Mutterhaupt und starrt die Kellertreppe hinunter, und als der Assi ihrem Blick folgt, erstarrt auch er. Was er vor sich hat, ist fast so geschichtsträchtig wie der Prager Fenstersturz aus dem Jahre 1618, nur handelt es sich hier um den Vagener Kellersturz. Jazz wimmert zusammengekauert kurz vor dem Treppenabsatz im Keller, die mutige Jazz, auf das Format eines Tröpfleins Spucke eingedampft. Direkt auf der Stufe unter dem Treppenabsatz jammert Jackl, der Bürgermeister und fast ganz unten im Keller zittert Jasna wie Espenlaub und winselt. Lecko! Jazz und Jackl scheinen außer einem kräftigen Dämpfer unbeschadet davongekommen zu sein, aber Jasna hat irgendetwas abgekriegt. Der erste und schrecklichste Gedanke ist, dass sie vom Erdgeschoss durch den Geländerspalt direkt nach unten gestürzt ist. Dagegen spricht, dass dort unten einige große Kartons lagern, die als Spielkartons für die Kinder dort vorgehalten werden, und dass sie in sie hätte stürzen müssen. Dann wäre es aber sehr unwahrscheinlich, dass sie auf einer Treppe gelandet wäre. Sie muss also irgendwie von oben bis fast nach ganz unten gekugelt sein. Für Häme über die Strafe für die ewige Ausbrecherei ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Jasna muss eine orthopädische Generalinspektion über sich ergehen lassen, alle vier Beinchen werden von ganz oben bis ganz unten durchgeknetet, gedehnt, verdreht, verknotet, massiert, geknickt und abgewinkelt, aber sie zeigt nirgendwo Schmerzreaktionen, ist nur völlig verschüchtert. Als sie wieder auf bekanntem Gelände in der Küche abgesetzt wird, trägt sie ihr Schwänzchen am Bauch und hinkt vorne links. Aber auch weitere Inspektionen kommen zu keinem anderen Ergebnis: Sie scheint grundsätzlich in Ordnung, allerdings in einer ungewissen Unordnung zu sein. Abwarten und beobachten.

In Stresssituation feuern die Synapsen besonders Die Deckenstütze Die Deckenstütze ist die Lösungeifrig und erfolgreich, weil ein Überleben sonst zur Lotterie würde, und so hat der Assi in Folge dieses Schocks endlich die Idee, wie die Sicherheitslücke im Flur versiegelt werden kann (ohne Löcher in die Wand zu bohren!). Vom Umbau vor vielen Jahren stehen im Keller noch zwei Deckenstützen untätig herum: Die müssen nun ran. Eigentlich müsste sogar eine reichen, also raus aus dem Keller, direkt an der Wand vor dem Welpengitter aufgespannt und eingespannt – und nichts kann mehr verschoben werden. Diese Position ist jetzt definitiv sicher (totsicher wäre unter den aktuellen Umständen der falsche Begriff).

Dafür hat es erst ein solches Malheur gebraucht, um auf die einfachste und wirksamste Idee zu kommen. Jasna bekommt gegen ihre Zerrungdehnungquetschung (?) mehrmals am Tag etwas Arnika, hinkt zwar weiter, gesellt sich aber wieder zu ihren Geschwistern, wenn auch sehr reserviert und auf Abstand bedacht. Die Lust an der großen Bühne ist ihr heute vergangen. Dass manche Feuerköpfe immer erst einen ganzen Löschzug brauchen, bis sie sich runterkühlen… Wohl ist uns heute nicht mehr, so etwas hängt in den Kleidern wie der Kaugummi am Schuh. Aber Jasna hat keinen bleibenden Schaden, so viel scheint schon sicher. Trotzdem!

Das ZirkuszeltUm diese Tag wenigstens einen kleinen freudigen Touch zu verleihen, bauen wir unser kleines Zirkuszelt auf, das seit Generationen der Blickfang im Paradies, sonst aber völlig nutzlos ist, weil es nur sich selbst genügt, kaum Besuch empfangen darf, höchstens einen, der in ihm unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Geschäft verrichten möchte. Aber es gehört eben dazu und bringt Farbe ins Stillleben.

Ein weiteres, Janitschek mit Onkel IltschiJanitschek mit Onkel Iltschiwenn auch bedeutend erfreuliches Highlight des Tages ist der Besuch von Heddas Halbbruder Iltschi aus dem Unterallgäu. Der hat sofort viel Freude an seinen neuen Halbneffen und -nichten, zeigt keinerlei Distanzbedürfnis zu ihnen, wie es erwachsene Rüden häufig haben, sondern tobt mit ihnen in gebotenem Rahmen herum und lässt sich als willkommenes Spielgerät instrumentalisieren. Das macht auch Hedda viel Freude, weil er ihr die Plagen ein wenig abnimmt.

Nachmittags setzen wir erstmal kleine Futterstückchen von Platinum-Puppy ein, um die Schar aus dem Garten in die Küche zu locken. Der grundsätzliche Nutzen dieser Methode ist der, dass die Zwerge dann mit dem Futter beschäftigt sind und den Transit freigeben, sodass wir die Terrassentür schließen können. Ohne Futtereinsatz flitzen immer einige hin und her wie der berühmte Sack Flöhe, und wenn man eine drin hat, ist der andere schon wieder draußen. Deshalb das „Hühnerfutter“, wie wir das nennen. Auf den Matze-Matze-Matze-Ruf stürmen alle ins Haus und in die Küche und sind beschäftigt. Das funktioniert natürlich heute noch nicht richtig, weil sie das Programm und Futterbröckchen noch nicht kennen. Deswegen müssen wir ihnen erst einmal die Nasen ein wenig draufstoßen, damit sie merken, was da auf sie wartet, aber dann sind sie echte Schnellspanner und nicht mehr abzulenken. So solls sein. Außerdem sind sie heut noch ausgiebig mit Kauen beschäftigt, was sie bisher auch nicht mussten, denn bislang war alles, was sie bekommen haben weich und breiig. Keine Frage: Der Ernst des Lebens schreitet von Tag zu Tag entschiedener auf sie zu.

Wenn wir schon gerade bei Ernährungsthemen sind, bietet es sich an, dass wir uns kurz mit deren heutigen Folgen auseinandersetzen:

Joschi, der HerzensbrecherJoschi, der HerzensbrecherJazz 3270 (+110), Jackl 3170 (+140), Joschi 3150 (+130), Janitschek 2860 (+60), Judica 2750 (+130), Jeannie 2650 (+110), Jasna 2620 (+90) und Jule 2250 (+40). Nach dem Top-Ergebnis mit 1680 g plus vorgestern und den 960 g gestern, reduzieren die Jays weiter und begnügen sich mit 810 g. Das Durchschnittsgewicht liegt heute bei 2840 g. Die Enthaltsamkeit kann natürlich von der gestern verabreichten ersten Portion der zweiten Entwurmung herrühren, deren zweiten Teil wir gleich anschließen. Morgen werden wir sehen, was die Waage dazu sagt.

Und zu guter Letzt bauen wir abends die Schlummerkiste ab. Bei vielen Züchtern bleibt sie bis zum letzten Tag stehen, bei uns nicht. Die Kinder sind de facto ausgezogen, treiben sich im Garten oder in der Küche und dem Transit herum, und nachts ist die Box verwaist. Sie fristet nur noch ein trauriges Dasein als Toilette, weil es sich in ihr so kuschelig verrichten lässt. Fehlen nur noch ein paar Magazine zum Zeitvertreib. Außerdem fließt immer wieder Urin unter die Box, den man bei den täglichen Reinigungen nicht rauskriegt. Also: weg damit. Anschließend stellen wir die Standardmöblierung wieder her und können uns in der Küche wieder bewegen. Jetzt ist auch der Pissgeruch aus der Bude, der sich unter der Kiste entwickelt hat; frische Luft für Mensch und Hund.

Damit lässt es sich mit freiem Kopf in eine klare Nacht gehen. Jasna hinkt zwar immer noch, aber sonst ist sie wieder fröhlich. Ob ihr der Sinn weiterhin nach Extratouren steht, verrät sie uns nicht.

 

Samstag, 26. Juni 2021

Dieser Samstag wird ein schöner Sommertag mit nichts als Warmluftdusche und Freilandtummeln. Natürlich gönnen wir dieses Glück nicht nur uns und unseren Welpen, sondern auch einer Reihe von Besuchern, die sich naturgemäß an Wochenenden in größerer Zahl als unter der Woche auf den Weg ins Mangfalltal machen. Und so ist dieser Samstag ein turbulenter mit viel Kinderbespaßung. Damit die nicht trotzdem nur auf Schößen herumhängen und sich langweilen, liefern wir ihnen noch ein bisschen neues Equipment, das ihre Neugier und ihren Eifer beflügeln soll.

Allzu viel, das klingt schon an, ist über diesen Samstag Jackl und JanitschekJackl und Janitscheknicht zu berichten. Interessant könnte sein, dass wir ab heute den Magerquark in der Welpenmilch durch körnigen Frischkäse ersetzen, weil die Knirpse nun mit der bröckeligen Konsistenz gut umgehen können. Und der Frischkäse ist von seinen Nährwerten noch etwas besser als der Quark. Auch die Tatsache, dass wir uns mit Quark beschäftigen, sagt alles über diesen Samstag aus.

Damit wir uns wenigstens mit etwas Handfestem beschäftigen und dabei gleich den offiziellen Teil hinter uns bringen, sehen wir uns gleich mal die Gewichte an:

Jazz 3300 (+60,) – das lässt schon ahnen, dass es auch heute nicht sehr üppig wird, Joschi 3270 (+120), Jackl 3270 (+100), Janitschek 3030 (+170 und auch über die Drei-Kilo-Marke), Judica 2840 (+90), Jeannie 2740 (+90), Jasna 2660 (+40) und Jule 2300 (+50). Wer sagt es denn: 720 g, macht im Schnitt 90 g für jede(n), ist kaum der Rede wert, aber dennoch wertvoll und ergibt ein Gesamtdurchschnittsgewicht von 2930 g. 

Jasna ist JasnaJasna hinkt nicht mehrfast wieder die alte, obwohl sie noch immer links vorne ein wenig tickt, aber sie ist nach altem Muster immer am Ereignishorizont und lässt nichts anbrennen. Jazz und Jackl merkt man ihr Schockerlebnis längst nicht mehr an, was eigentlich schade ist, weil man dadurch wieder mit allem denkbaren Blödsinn rechnen muss, den die beiden aushecken könnten.

Dafür kommt heute Jule unter die Räder, und zwar so saublöd, wie es nicht blöder, aber immer passieren kann: Sie lungert um Hedda herum, die springt von ihr und anderen genervt auf und tritt ihr mit ihren 30 kg auf Calico JuleCalico Juleden Hax – Aua! Von nun an hinkt auch Jule, und wenn ihr infolgedessen das Bein abfault, schnitzen wir ihr ein hübsches Holzbeinchen und JuleJule übt für die schwere Seeverkaufen sie als erste, echte vierbeinige Piratin. Mit den berühmtesten Korsarinnen Anne Bonny oder Mary Read kann sie bestimmt mithalten, zumal die beiden kein Holzbein und vermutlich zwei Augen hatten und sich deswegen nicht mit richtigen Piraten wie Long John Silver vergleichen können. Aber die beiden machten zusammen mit Jack Rackham, auch als Calico Jack bekannt, die Karibik unsicher und hatten einen mordsmäßigen Ruf. Als Schwester des bayerischen Calico Jackls erlauben wir uns, sie zur Calico Jule ehrenhalber zu ernennen.

Nachdem wir den Zwergen den dritten Teil der zweiten Entwurmung appliziert haben, sitzen wir mit unserer Kreißsaal-Assistentin Alexandra und deren Familie bis spät in die laue Nacht auf der Terrasse und spüren die Gewissheit, dass selbst hinkende Kinder kein Grund sein müssen, den Tag nicht zu genießen und einen Toast auf die Zukunft auszubringen.

 

Sonntag, 27. Juni 2021

Wir gratulieren den Dauerpennern und Saumseeligen, den Schnarchnasen und Narkoleptikern unter unseren Followern zu ihrem Jubeltag: Heute ist Siebenschläfer und der soll ja bekanntlich für das Wetter der nächsten sieben Wochen verantwortlich sein: Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt. Da es uns in einem hinreichend langen Leben nicht gelungen ist, dieser Weissagung eine auch nur zweitrangige Berechtigung zu bescheinigen, führen wir diese Prophetie auf die Vermutung zurück, dass ihr Dauerpenner und Narkoleptiker einfach eingeschlafen und nach sieben Wochen zufällig beim gleichen Wetter wieder aufgewacht seid. Dazwischen schnarchschwarzer Blackout – und so entsteht eine Wetterregel. Für euch alle und jene, die euch followen, notieren wir für den heutigen Siebenschläfer ausschließlich sonniges Wetter mit gelegentlichen Wolkenschiffchen, die wie Calico Jules kleine Schaluppe über den blauen Bayernhimmel segeln. Wir sind sehr gespannt, was der Bauer von diesen Aussichten halten wird.      

Jackl JacklJacklist manchmal auch so eine bräsige Schlafratz. Bekanntlich hat er sich seinen Lieblingsschlafplatz in der Küche unter dem Küchenblock ausgesucht (den er sich seit einiger Zeit mit Judica teilen muss). Nach all den kalorienreiche Futtergaben widerfährt es ihm heute unversehens, dass er den Schlupf unter den Küchenblock noch gerade so hinbekommt, dann aber, nach einer ausgiebigen Schnarchrunde, seine Bürgermeisterwampe nicht mehr herausquetschen kann. Jetzt steckt er fest, der Jackl, Gefangener des eigenen Wohlstandsbauchs, in nur einer einzigen klitzekleinen Schlafrunde. Jetzt hat er gar nichts Bürgermeisterliches mehr, der Jackl, sondern nur noch etwas sehr Beklagenswertes. Jammern muss er, der stolze Jackl, und herausfummeln muss man ihn, der daraufhin maulend abzieht und möglicherweise seinen Schlafplatz für immer Judica allein überlassen muss. Bis auch die an ihren Maßen scheitern wird.     

JanitschekJanitschekWir nehmen die Gelegenheit wahr und widmen uns der Waage und stellen erfreut fest, dass trotz der dritten Wurmgabe das Wurmloch überwunden ist und die Stoffwechselkurve steil nach oben zeigt – außer bei Janitschek, der wieder einmal eine Runde Intervall-Fasten einlegt. Außerdem begrüßen wir heute, neben Jackl, Jazz, Janitschek und Joschi, Judica als neue Sechspfünderin.

Jazz 3650 (+320), Jackl 3520 (+250), Joschi 3460 (+190), Janitschek 3030 (0), Judica 3000 (+160), Jeannie 2990 (+250), Jasna 2790 (+130) und Jule 2450 (+150). Das ergibt eine Auflastung von 1450 g und ein Durchschnittsgewicht von 3111,25 g.

JeannieJeannieDiese Zahlen sind so schön und erfreulich, dass es wenig Gründe gibt, diesen ebenfalls schönen und sehr erfreulichen Sonntag ausgiebiger zu kommentieren; er ist einfach nur schön, ohne zusätzliche Werte.

Eine Kleinigkeit wollen wir aber dennoch kurz anfügen: Wir schließen nachts die Rollläden in der Küche, weil wir sehen wollen, ob die verlängerte morgendliche Finsternis eine positive Auswirkung auf unsere Morgenruhe hat.

 

Montag, 28. Juni 2021

Reden wir nicht lange drum herum: Die Rollläden nützen nichts, die Nacht ist um 4:45 Uhr zu Ende. Ein Versuch war es wert, aber er war ein Irrtum. Unsere Kinder haben eine innere Uhr und keine Rollläden vor den Lidern.

Jazz und JacklJazz und JacklHeute neigt sich die fünfte Lebenswoche der Jays dem Ende entgegen. Vor allem das enorme Körperwachstum ist es, was sie ausmacht. Selbst wir, die wir sie täglich um uns haben, staunen immer wieder, welchen Schub die Zwerge machen. Das geht so zügig, dass der Fotograf und Tagesbildner kaum noch eine Chance hat, bei der Auswahl der Bilder mehr als einen Tag zu beschummeln. Zumindest sehr aufmerksame Betrachter könnten dann schon Zweifel anbringen. Aber auch die Spielfreude und die Auseinandersetzung mit den Gerätschaften im Welpenparcours macht jetzt enormen Sprünge.  

Einen Sprung macht heute auch wieder die Gewichtsentwicklung – und Joschi, der aus dem Nichts mit einem mächtigen Satz die Tabellenführung übernimmt. Vor diesem Hintergrund ist die Sechspfündigkeit von Jasna nur eine Randnotiz.

Joschi 3780 (+320), Jazz 3750 (+100), Jackl 3610 (+90), Janitschek 3360 (+330, Fastenmodus beendet), Judica 3200 (+200), Jeannie 3110 (+120), Jasna 3010 (+220) und Jule 2620 (+170). Die gestrige Fressorgie manifestiert sich in 1550 g plus und einem neuen Durchschnittsgewicht von 3305 g.   

JanitschekJanitschek auf AbwegenWie wir immer wieder feststellen, dass Janitschek gelegentlich in eine Art Futter-Apnoe verfällt und dann wieder reinhaut, bis er platzt, so ergeben sich manchmal überraschende Hinweise auf mögliche Gründe dieser Achterbahnfahrt. Heute Morgen gibt Hedda ihren Kindern ein „Milchständchen“ auf der Terrasse, nur Jani kommt, aus welchen Gründen auch immer, nicht zum Zug und verarbeitet diese zügige Ausgrenzung, indem er sich zügig an Mamas Rute zu schaffen macht. Er hängt sich rein und zerrt, rüttelt und reißt, als ob er glaubte, Milch aus ihren Schwanzhaaren zuzeln zu können. Ein solches Ernährungsverhalten kann nur zu unbefriedigenden Ergebnissen führen. Eine andere Frage ist, ob er weiß, dass Mama ihm mit sieben Geschwistern am Bauch keine Watschn geben kann? Das wäre nach seiner endgültig abgeklungenen Gesichtsschwellung von erheblichem Vorteil. Gut, dass Hedda nicht nur eine lange Rute, sondern auch eine ziemlich lange Lunte hat.  

JasnaJasna, wieder topfitHeute ist wieder einmal Hähnchenaktionstag, weil unsere Vorräte langsam zur Neige gehen und gekochtes Hähnchen ein fester Bestandteil unseres Diätplans ist. Und das ist für alle Beteiligten ein Fest- und Feiertag, wie der Schlachttag für den Michel aus Lönneberga. Die Chefin kocht, der Assi zerlegt und die Chefin kocht ein. Das wäre so weit keine Erwähnung wert. Anders verhält es sich, wenn die Chefin dem zerlegenden Assi jene Knirpse ans Herz legt, oder besser: ans Bein legt, die soeben der Mittagshitze in die Küche entflohen sind und nun mit zugespitzten Nasen herumstreifen: Hier durchzieht doch etwas Fulminantes das vertraute Schlafgemach. Die Hitzerückzügler, Jackl, Jasna und Jule, werden unverzüglich – auf Anweisung der Chefin! – vom Assi mit frischem Hühnchen aus der Hand versorgt. So werden beim Bairischen Blues Welpen auf lebenslange Küchenbesetzung konditioniert. In diesem Fall sind es nur drei, die anderen verbrennen derweil in der Sonne Fett. Von der Küchenkonditionierung abgesehen, kann man verfolgen, wie sich inzwischen der Geruchssinn entwickelt hat und auch messerscharf interpretiert, dass dieser Hühnchenduft positiv einzustufen ist und verfolgt werden muss. Wir nehmen an, dass der Duft einer reifen Wassermelone nicht eine einzige Nase gen Himmel gezogen hätte.

FutterbatterieIm Anschluss an diese Zeremonie gibt es tatsächlich frisches Hähnchen, und zwar erstmals aus der Futterbatterie mit acht Einzelnäpfen. Jetzt ist die Zeit gekommen, einmal gemeinsam im Ring und einzeln zu füttern. Die Zwerge sollen am Ring lernen, keinen Futterneid zu entwickeln, aber dennoch zu ihrem Recht zu kommen. Im Einzelnapf sollen sie Respekt vor dem Napf des anderen lernen. Wenn eine(r) übergriffig wird, was laufend passiert, greifen wir ein und stellen die alte Ordnung wieder her. Uns bieten die Einzelnäpfe auch die einzige sichere Kontrollmöglichkeit über die Rationen; wir können sehen, wenn ein Napf nicht aufgegessen wird, dann ist meist Gefahr im Verzug, wir können die Rationen besser steuern und haben die Möglichkeit, im Notfall mit dem Futter ein Medikament gezielt zu verabreichen. All das ist im Ring nicht möglich. Die Jays verhalten sich fast so unheimlich vorbildlich, wie sie die Wurmpaste akzeptierten, und kontrollieren Nachbars Napf erst, wenn der eigene (fast) geleert ist. Das kennen wir durchaus anders, etwa dass die Welpen sich ähnlich wie bei einem dieser archaisch anmutenden Rittermahle verhalten haben: alles und alle drunter und drüber, und am Ende trägt jeder einen Helm aus Cromargan.

Noch eine Beobachtung belegt die Reife der Jays am heutigen Montag. Während die Mama sich wegen der Hitze tief ins Haus verzogen hat und ihre Kinder im Schatten des Apfelbaums spielen oder dösen, kommt Jack vorbei, nein, nicht Calico Jack, sondern Franzbulli Jack aus der nächsten Nachbarschaft. Jack ist eine Französische Bulldogge und ein guter Freund unserer Mädels. Der gibt nun vor unserem Garten Laut, weil er mitteilen möchte, dass er da ist und nichts gegen ein Pläuschchen hätte. Unsere Mädels denken aber nicht daran, ihr Höhle zu verlassen, und lassen den Ruf unbeantwortet. Aber die Jays haben ihn selbstverständlich nicht überhört, können ihn aber nicht einordnen, weil sie Jack nicht kennen und außerdem wegen unseres mächtigen Hochbeets, das wie ein Hünengrab zwischen dem Paradies und der Welt liegt, nicht sehen können. Und diese Situation ist bedrohlich: Mama nicht da, Feind ante portas – und wie die Lemminge huscht der ganze CJudicaJudicalan auf die Terrasse und schmiegt sich ans Haus. Bingo, Überlebensstrategie funktioniert auch.

Schön langsam sehen wir – ja was? Das Licht am Ende des Tunnels? Oder die Wand, auf die wir ungebremst zurasen? Diese Woche hatte mehr Aufreger im Gepäck als wir gebraucht hätten, aber wir, die Mädels und Jays haben sie gemeistert. Die nächsten Wochen werden kaum einfacher werden, denn jetzt machen sich Erreger aller Art bereit, uns in die Suppe zu spucken; es kommt die Zeit der drohenden Infekte. Darüber sprechen wir jedoch erst, wenn wir darüber sprechen müssen.  Drei Wochen noch bis Buffalo…