Dienstag, 29. Juni 2021

Mit kräftigen Wolken, die sich auch schnell mit einem elementaren Platsch entleeren, startet dieser Dienstag in die neue Lebenswoche der Jays. Geht ja schon gut los… Immerhin wird es bald besser und schließlich sogar schön, bei 25 °C nachmittags.

An Dienstagen hat die Chefin halbtägig Dienst in München, weshalb sie vom Assi um 7 Uhr zur Bahn gefahren wird. Bei Regenwetter sind die Zwerge in dieser Zeit im Haus. Als der Assi nach einer knappen halben Stunde wieder zurückkommt, findet er unter seinem Essplatz am Tisch ein noch fast dampfendes Häuflein. Das Verursacher (maximal gegendert!) ist nirgendwo zu sehen und ruht gewissenlos zwischen seinen pennenden Geschwistern. Wie kam der Haufen unter den Esstisch? Die naheliegende Antwort: Via Transit in einem Hund. Nächste Frage: Wo ist die Passage, auf welcher der Hund mit dem Häuflein im Darm den Transit verlassen und das Esszimmer betreten konnte? Das Schlupfloch findet sich ganz am Ende des Transits, wo das Gitter hinter der Terrassentür verschwindet. Genau dort ist ein ausreichend großer Spalt zwischen ihm und der Wand. Sicher hat das Hündli das Gitter nicht von der Wand weggezogen. Die Logik von Elementen, die untereinander mit Stäben verbunden und wie eine Art Ziehharmonika aufgestellt sind, damit sie nicht kippen, ist, dass sich die Kraft, die man an einer Stelle der Ziehharmonika ansetzt, in unterschiedlicher Weise auf die anderen Elemente auswirkt. Anders gesagt: Wenn man an einer Stelle gegen ein Element drückt und Glück hat, kann es sein, dass sich an anderer Stelle das Sesam öffnet. So wird es gewesen sein: Irgendwo dagegen gedrückt oder geblödelt und das letzte Element hinter der Terrassentür löst sich von der Wand. Wenn die Terrassentür geöffnet ist, kommt niemand an diese Öffnung, ist sie aber geschlossen, wie in dieser halben Stunde unserer Abwesenheit, ist der Spalt nicht von der Tür abgedeckt und lädt zu neuen Ufern ein.

Was lehrt JacklJackluns diese kleine Schandtat? Erstens, dass manche (!) unserer Kinder jede Gelegenheit nutzen, sich abseits der Verkehrswege zu erleichtern, auch wenn sie dabei Abwege beschreiten müssen. Das ist eine hygienepolitisch löbliche Leistung. Noch beeindruckender aber ist, dass das Täter (wieder maximal gegendert) auch schnurstracks den Ausgang aus dem Neuland wiedergefunden hat. Es deutet nichts darauf hin, dass das Untier lamentierend durch unser Esszimmer mäanderte und zwar ein Ein, aber kein Aus mehr gefunden hat. Nein, wir sind sicher, der Täter oder die Täterin hat erledigt, was zu erledigen war und sich auf direktem Weg wieder durch den Spalt aus dem Staub gemacht. Das wäre dann allerdings eine kognitive Spitzenleistung, vergleichbar mit jemandem, der Rubiks Würfel einmal durch Zufall richtig zusammenkurbelt und es dann im Anschluss gleich wieder hinbekommt, ohne die Logik verstanden zu haben. Beim Nachdenken, wem diese Leistung zuzutrauen wäre, kommt der Assi zu dem Schluss: Allen. Leider. Andererseits: Bingo! Wer wünscht sich schon doofe Kinder? Und die Klügsten sind eben fast immer die Unberechenbarsten. Ein ganzes Glück gibt es nicht, auch wenn man den Täter oder die Täterin in unserem Fall jetzt zu Recht als Klugscheißer bezeichnen muss (oder darf). Diese kleine Episode zeigt, dass man auch aus Scheiß eine Geschichte machen kann und lässt vermuten, dass sich der Verfasser mit ihr für ein Volontariat bei der Zeitung mit den vier großen Buchstaben bewerben möchte.

Die Geschichte liefert jedoch eine willkommene Brücke zu einem verwandten Thema: die Konsistenz der Darmendprodukte unserer Schützlinge. Die des heimlichen Entsorgers war von überwältigender Stabilität und Formschönheit. Schon aus diesem Grund hätten wir gerne gewusst, wer es war, denn die Mehrzahl der Häuflein werden jetzt immer mehr zu Breilein. Das ist zwar erwartbar, hätte aber auf unserem Dielenboden im Esszimmer der Freude über die kognitive Höchstleistung einen schweren Dämpfer verpasst. Die Erklärung für die Moussierung der Würstlein liegt einerseits im schnellen Wechsel und der ständigen Erweiterung des Nahrungsangebots, womit die jungfräulichen Därmchen erst klarkommen müssen. Dabei gibt es Anpassungsprozesse, die lieber wir in Kauf nehmen und uns damit herumschlagen, als sie unseren Auserwählten aufzubürden. Das gehört nach unserem Züchterverständnis zum Geschäft. Ein anderer Grund ist das Grünzeug im Paradies, an dem sie sich ständig vergreifen. Es ist zwar nichts Giftiges darunter, aber der Darm eines kleinen Karnivoren braucht ein wenig Zeit, sich von Milch auf Fleischliches umzustellen, wobei Vegetarisches in ursprünglicher Form nicht vorgesehen ist. In verdauter Form, etwa aus dem Magen oder Darm eines Beutetiers, ist es höchst willkommen und verträglich, aber mit Kriechendem Günzel muss er sich erst noch anfreunden. Wichtig ist für uns, dass derzeit nichts auf von außen eingetragene Infekte hinweist, wie wir sie Ende letzter Woche kurz erwähnt haben. Wir bleiben dabei, erst und nur darüber zu sprechen, wenn es notwendig wird.

Es dürfte unsere treuen Leser nicht überraschen, dass die Beschäftigung mit dem Ende des Nahrungszyklus‘ einen direkten Blick auf dessen Beginn und seine Folgen anbietet.

Der Menüplan gestern sah so aus: morgens gegen 5:30 Uhr dreiJazzJazz Portionen Welpenmilch, mittags (ca. 11 Uhr) 400 g Belcando Trockenfutter (eingeweicht), nachmittags (ca. 15 Uhr) 500 g Hühnchen mit Kartoffelbrei und Möhren, abends (flexibel) wieder 400 g Trofu. Das Ergebnis auf der Waage sieht heute Morgen folgendermaßen aus:

Jazz 4030 (+280, erste Achtpfünderin), Jackl 3910 (+300), Joschi 3890 (+110), Janitschek 3470 (+110), Judica 3410 (+210), Jeannie 3280 (+170), Jasna 3230 (+220) und Jule 2710 (+90), das summiert sich auf 1490 g und ein Durchschnittsgewicht von 3491,25 g.

Die Jays sind, wie alle Kinder, nicht nur dauerhungrig, sondern lernen allmählich, die Anzeichen einer nahen Mahlzeit richtig zu interpretieren. Ob es die stereotypen Geräusche sind, die in immer etwa der gleichen Reihenfolge und Verbindung ablaufen – Dosenklappen, Napfscheppern, Wassergaben, etc. –, sie kommen jetzt immer häufiger herbeigelaufen und lungern in der Küche herum, um den großen Augenblick nicht zu verpassen. Möglicherweise identifizieren sie jetzt immer sicherer die einschlägigen Düfte, die olfaktorisch auf ein Highlight des Tages hindeuten. Kurz: Wir haben es inzwischen nicht mehr mit gerade aufgewachten Traumtänzern, sondern mit äußerst aufgeweckten Schiebern und Dränglern zu tun.

JasnaJasnaViel mehr ist über diesen Dienstag kaum zu berichten. Die Kinder sind im Puppy Paradies, spielen und schlafen, rasen und ruhen, kneifen und keifen, und wenn die Oma meint, sie könnten wieder einmal eine neue Herausforderung vertragen, versucht sie hartnäckig, ihnen das Schlafgewand der Chefin ins Paradies zu liefern, was der Assi, der eigentlich längst einen Status-Upgrade verdient hätte, zu verhindern weiß, weil es sonst schnell so aussehen würde wie der Heilige Rock zu Trier.

Gegen 17 Uhr ist es dann vorbei mit der Idylle, und zwar so fix, dass der ganze Blues knapp an einen unheilgen Schock vorbeigeschrammt wäre: Ein schweres Wetter zieht übers Land, gerade, dass es nicht zum Hagelunwetter reicht. Aber es hat gereicht, sogar einem unserer Flugdruiden, Hagelfliegix oder Magihagelix, einen Landescheinwerfer zu zerteppern. Diesem Wetter ist wirklich nix mehr heilig.

Nachdem sich die Wolkenberge aJule im RegenJule im Regenusgetobt haben, prasseln sie nur noch satten Regen auf uns herab – und unsere Zwerge machen Rabatz, weil sie wieder ins Freie wollen. Also: raus mit ihnen. Nun spüren sie erstmals nicht nur nasses Gras unter den Pfoten, sondern richtigen Ganzkörperregen. Aber glaubt einer, dass die sich angewidert abwenden und wieder ins Trockene abhauen? Nee, die tollen sich nass und dämlich vor Freude. Leider müssen wir ihnen diesen Spaß doch schneller als ihnen lieb ist verderben, denn wir haben nichts gegen ernährungsbedingte Durchfälle, aber gegen Verkühlungs- und Durchnässungsdurchfälle und Blasenentzündungen haben wir sehr viel. Einschluss. Und Schluss.

Zum diesem Schluss noch zwei Gedanken zum Tag. Heute feiert die Christenheit den Feiertag Peter und Paul, bei den katholischen hat er sogar den Status eines Hochfestes. Dem Bauernpropheten, obwohl mehrheitlich katholisch, zumindest in Bayern, fällt dazu nicht mehr ein als: Regnet es an Peter und Paul, wird die Ernte faul. Eine äußerst bescheidene Würdigung! Im Allgäu, wo der Assi aufgewachsen ist und von dessen doch gelegentlich recht robuster Lebenseinstellung er sich einfach nicht ganz freimachen kann, lernte er: Peter und Paul hauen einander aufs Maul. Und das fordert doch eine zauberhafte Analogie zu unseren Kindern heraus: Jule und Joschi hauen einander aufs Goschi. Ein echtes Hochfest unter dem Titel: Gewalttätige Piratin macht Publikumsliebling platt. Und schon wären wir wieder bei dem Blatt mit den vier Buchstaben.   

Aufs Goschi gehauen, das soll der zweite und letzte Gedanke zum Tag sein, haben die Engländer die Deutschen, und zwar im Fußball. Die singen jetzt wieder „Rule Britannia, rule the waves!“ und Die Mannschaft versenkt ihre Euro-Karriere an den Ufern der Themse. Im Achtelfinale! Ein Österreicher könnte sich noch mit dem Lebensmotto Ein Achterl in Ehren… trösten, aber einem Deutschen ist ein Achterl so gut wie nichts, eine Halbe sollte es schon mindestens sein. Nun hat es noch nicht einmal zu einem Vierterl gereicht. Versenkt wurde das deutsche Flaggschiff von zwei Herren namens Sterling und Kane, und deshalb wendet sich der Chronist hiermit direkt an den Imageblasenpuster und Großillusionisten des DFB, Oliver Bierhoff, mit der Bitte um die Produktion zweier neuer und wirkmächtiger Imagefilmchen. Eine Vorschlag wäre etwa, sich Clint Eastwoods Klassiker Million Dollar Baby zu bedienen, etwa unter dem Titel Million Sterling Bubi. Besser noch fände er ein Remake des Orson Welles-Klassikers Citizen Kane, zeitgemäß adaptiert unter dem Titel Shitizen Kane. Mal sehen, ob dem Image-Oli dazu etwas einfällt.

Wenn ihm nichts einfällt, haben wir mit diesem Gedanken jedenfalls wieder zu den besch…eidenen Anfängen dieses Tage zurückgefunden. Gute Nacht. Noch ein verschmitzter Gedanke, bevor der Schlaf das Hirn verdunkelt: Heißt der Trainer der Engländer, der den Deutschen die Pearly Gates geöffnet hat, nicht zufällig Southgate? Es gibt keine Zufälle.

 

Mittwoch, 30. Juni 2021

Heute gewähren uns die Kinder eine Morgenruhe bis 5:30 Uhr, bis sie sich zu Wort melden. Das freut den Schläfer, nicht aber den Putzmeister, denn nun haben sie schon all das abgeliefert, was an anderen Tagen im Garten landet.

Im Garten landen die Zwerge heute eher seltener, denn nach den vielen heißen TagenJoschi und Jeannie putzen die FutterschüsselJoschi und Jeannie putzen die Futterschüssel liegt eine stramme Westlage, immer wieder mal mit Regen und frischem Wind, über dem Mangfalltal. Unter diesen Umständen können wir die Jays sich nicht draußen selbst überlassen, sondern müssen sie immer wieder ins Haus holen. Zwischendrin geht es dann wieder raus zum Toben und Kuscheln in der Deckenburg.

Aus diesem Grund muss der Assi heute eine völlig neue Putzvariante implementieren: das Intervallputzen, das genaugenommen ein Eternalputzen ist, weil es immer dann und dort stattfindet, wo gerade nicht gespielt oder geschlafen wird (Intervall). Da aber die geputzten Flächen sofort wieder eingesaut werden, und zwar nicht nur von nassen Pfoten, sondern auch von undichten Blasen und Därmen, muss regelmäßig nachgearbeitet werden (eternal), weil sonst selbst ein Herkules diesem Augiasstall nicht mehr Herr würde. Der Wahrheit zuliebe müssen wir sowieso einräumen, dass die Zwerge ihre Neigung zum Innenklo in den letzten Tagen wiedergefunden haben, was der Tatsache geschuldet ist, dass sie sich durch die andauernde Freilandhaltung ihrer Behausung entfremdet haben. Das hat zur Folge, dass sie draußen als ihren Lebensraum begreifen, der auch einige Bedürfnisstellen kennt, aber das Haus immer mehr zum Rückzugsort und zur Toilette wird.

Jasna und Joschi im ReifenkinoJasna und Joschi im ReifenkinoAn solchen Tagen lässt sich das beispielhaft beobachten, wenn sie nach kurzer Zeit drinnen Rabatz machen und an der Terrassentür randalieren, weil sie raus wollen, egal wie es dort zugeht. Nichts wie raus! Und dann, nach einer kurzen Kontroll- und Toberunde, zurück in die Höhle und ab in die Betten. Mit zwei Ausnahmen: Jazz und Judica. Jazz, weil sie generell Solo-Ansprüche pflegt und niemals auf Dauer ein gemeinschaftliches Schlafzimmer beziehen würde und Judica, weil sie immer unsere Nähe sucht, den Kontakt nicht verlieren und uns selbst aus verschlafenen Augen heraus noch im Blick behalten möchte. Wo du hingehst…       

Damit erschöpft sich schon der Inhalt dieses Mittwochs: nachmittags immer wieder Regen, die Jays mal drinnen, mal draußen. Ihnen ist es offenbar wurscht. Und dem Assi und seiner Chefin notgedungen auch.

Dieser 30. Juni ist so geräuscharm, dass wir uns heute nur noch der Gewichte annehmen und dann Feierabend machen. An dieser Front könnte der Tag doch noch in die Annalen des Blues eingehen: 1960 g Zuwachs sind eine Ansage, wenn auch letztlich dem Vortag anzurechnen.

Jazz 4310 (+280), Joschi 4200 (+310), Jackl 4110 (+200), Janitschek 3780 (+310), Judica 3600 (+190), Jeannie 3530 (+250), Jasna 3450 (+220) und Jule 2910 (+200), die damit ein Durchschnittsgewicht von 3736,25 g auf die Waage bringen.

Um die ganze Tagesration im Blick zu haben, vervollständigen wir hier den gestrigen Menüplan: morgens drei Portionen Welpenmilch mit zwei zermatschten Bananen, vormittags 400 g Trofu (Belcando), nachmittags 500 g Kopffleisch mit Reis, abends 400 g Trofu (Belcando) und nachts noch zwei Hände Platinum-Puppy-Bröckchen („Hühnerfutter“). Die waren es bestimmt, quasi das Betthupferl, das unsere Zwerge zu Schwergewichten aufpumpte.

Mal sehen, was der Juli bringt. Nichts ist sicher, nur der Abschied.

 

Donnerstag, 1. Juli 2021

Jasna und Jeannie trainieren an der SchaukelwippeJasna und Jeannie trainieren an der SchaukelwippeDer Juli beginnt, wie der Juni endete: trüb, grau, stark bewölkt und regnerisch – wirklich alles andere als ein wünschenswertes Welpenwetter. Aber beklagen dürfen wir uns natürlich nicht, bisher waren wir eher überversorgt als vernachlässigt. Aber die Aussichten sind schon mehr besorgniserregend als beruhigend: Fängt der Juli mit Tröpfeln an, wird man lange Regen hab’n. Konkreter wird der Bauernprophet morgen: Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter sich 40 Tage hält. Ob heute oder morgen, es sieht nicht gut aus. Nur dieser andauernde 40-Tage-Rhythmus geht einem langsam auf den Zeiger; dauernd hält sich das Wetter genau 40 Tage gemäß der jeweiligen Vorlage. Was soll der Quatsch? Jeder weiß, dass es noch nie so war und nie so sein wird. Also: Was hat es mit dieser 40 auf sich?

Schon weit ins Altertum reicht dieser 40-Tage-Mythos. Ursächlich geht er vermutlich darauf zurück, dass 40 Jahre ein vollkommenes Alter zu sein schien, was besonders in Zeiten erstrebenswert war, in denen kaum jemand auf eine Lebenserwartung von 40 Jahren hoffen durfte. Darauf ist es zurückzuführen, dass viele frühgeschichtlichen Herrscher 40 Jahre geherrscht haben sollen (z.B. Salomon und David), eine Hervorhebung der Elite gegenüber dem kurzlebigen Volk. Aber das kann noch gesteigert werden, indem man das ideale Heiratsalter auf das 40. Lebensjahr festlegt, so war Isaak 40 Jahre alt, als er seine Rifka heiratete. Und auch Esau heiratete mit 40. Das sollte wohl signalisieren: Wer erst mit 40 heiratet, hat noch ein bisschen Leben vor sich. Aber auch der Regen in der Sintflut ergoss sich 40 Tage und Nächte über Noah und seine Arche. Mose verbringt 40 Tage auf dem Berg Sinai, bis er mit dem Allmächtigen die Gesetzestafeln ausgehandelt hatte und sie seinem Volk vorlegen konnte. Auch das Volk Israel verbringt 40 Jahre in der Wüste, eine erstaunlich Zeit, wenn man es dabei nur vom Sinai bis ins Westjordanland schafft. Eine solche Völkerwanderung kann nur einer wie Mose anführen, dessen Leben gewöhnlich in dreimal 40 Jahre eingeteilt wird: 40 Jahre lang hat er seine Ruhe, 40 Jahre lang wird er auf seine Aufgabe vorbereitet und 40 Jahre lang übt er dann seinen Dienst am Herrn und seinem Volk aus (an eine Rente mit 67 durfte der damals wirklich nicht denken). Und das alles zu Zeiten, in denen schon 30 Jahre ein ganzes Leben waren. 40 Tage und Nächte fastete Jesus in der Wüste, bis er endlich Hunger bekam (kein Wort davon dem Intervallfaster Janitschek!) und deshalb dauert auch die christliche Fastenzeit 40 Tage (außer den Sonntagen, die keine Fastentage sind). Es gäbe noch mehr solcher Beispiele, aber wir sollten es bei diesen belassen und nur noch darauf hinweisen, dass sich diese Zahl bis in unsere Zeit durchgemurmelt hat, nicht nur im Bauernkalender, nein auch die leidige Quarantäne, von der wir inzwischen alle die Nase so voll haben, ist darauf zurückzuführen. Das französische quarantaine beschreibt die 40-tägige Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen. Wie vollkommen ein Lebensalter von 40 Jahren sein muss, lehrt uns unsere Verfassung: 40 Jahre muss eine Person sein, die zum Bundespräsidenten gewählt werden will. Warum ausgerechnet 40? Dazu zuckt das Bundespräsidialamt nur mit den Schultern; die wissen es auch nicht. Ist eben so, seinerzeit auf Herrenchiemsee von lauter alten Männern, weit jenseits der 40, festgelegt, auch sie gefangen in einer Zahlenmystik wie die ganze Welt rundumadum…  Zurück in die Welt der Jays und ihres Personals.

Frei vJeannieJeannie hat einen Schuhtickon jeder Mystik Jeannieist dieser Donnerstag, an dem die Chefin wieder aushäusig ist und der Assi die Kindern hudern und pudern muss. Zuerst aber, gleich am frühen Morgen, kümmert er sich um sein ramponiertes Knie mit ein wenig Sport im Studio. Bei seiner Rückkehr aus dem Training findet er vier (4, nicht 40) sehr unschöne Breigebilde in der Küche vor, die ihm den an sich angenehmen Morgen ein wenig verderben. Das sieht nach mehr aus als nach Unpässlichkeiten wegen der Darmanpassungen und vegetarischer Zusatzernährung im Garten. Jetzt üben sich beim Assi die Alarmglocken doch schon mal mit Probeläuten.

Es scheint also nun doch die Zeit gekommen zu sein, über das zu sprechen, worüber wir nur bei Bedarf sprechen wollten: Bakterielle Durchfälle. Die aktuelle Phase der Welpenentwicklung ist dadurch geprägt, dass die Mutter nicht mehr oder nur noch sporadisch stillt. Damit entfällt für die Welpen der Immunschutz, der über die Muttermilch geliefert wird. Sie selbst konnten bislang nur einen sehr rudimentären Immunschutz aufbauen. Den bekommen sie erst mit der Impfung in der achten Woche. Aus diesem Grund spricht man in der sechsten bis achten Woche von einer Immunlücke. Wenn die Welpen in dieser Zeit angegriffen werden, haben sie dem wenig entgegenzusetzen, und in der Regel gehen sie dann alle einmal durch die Durchfallhölle (und wir auch). Meist dauert die einen Tag, an dem sie mehr tot als lebendig scheinen, und dann stehen sie auf wie Phönix aus der Kacke und sind wieder putzmunter – und der nächste legt sich hin und ist platt wie eine Flunder. In schlimmen Fällen ist der Infekt so massiv, dass der Stuhl blutig wird und das Kind ernsthaft in Gefahr gerät. Wir haben das einmal erlebt und wünschen uns das kein zweites Mal. Damals ging letztlich alles gut, aber wer weiß. Diese Infektionsgefahr ist der Grund, warum wir gerne Winterwürfe haben, weil dann die Bedingungen für Erreger und Keime aller Art deutlich ungünstiger sind.

Jetzt also vier Breie in der Küche, Erzeuger unbekannt. Die erste Maßnahme ist Vital Moor ins Futter, ein Moorextrakt, das den Darm reguliert (ist zwar erst für Hunde ab sieben Monaten, funktioniert aber auch bei den Zwergen, wie die Vergangenheit bescheinigt). Außerdem geben wir noch die Moro-Suppe dazu. Das hilft, wenn der Durchfall allgemeiner Art ist, also von einer Unverträglichkeit kommt. Der Moor kommt also gleich ins aufgeweichte Trockenfutter um 11 Uhr, in der Hoffnung, dass er seine Schuldigkeit tut. Nun heißt es: warten und die Augen offenhalten. Das ist allerdings einigermaßen komplex, weil es heute immer wieder regnet, weshalb die Jays heute einen Pendelverkehr zwischen drinnen und draußen praktizieren, was die Verfolgung der kleinen Ärsche kompliziert. Die einen finden es anständig, draußen zu machen, die anderen halten drinnen für komfortabler. Und der Assi wandert zwischen den Welten, in der frustrierenden Gewissheit, nie den Tätern auf der Spur zu sein, sondern nur ihre Tat registrieren zu können. Drinnen ist draußen, wie wir wissen, alles Kacke wie Blase. Egal.

So mäandert dieser Donnerstag dahin, und der Assi legt wahrscheinlich auf seiner Spurensuche mehr Kilometer zurück als die acht zusammen.

Janitschek ruhtJanitschek ruht...Doch es geht noch meJule hat was dagegenJule hat etwas dagegen...hr heute. Dieser 1. Juli ist ganz und gar von Kulinarischem geprägt. Das beginnt schon am frühen Morgen, als die Chefin Reis fürs Nachmittagsmahl aufsetzt, aber, kurz bevor sie das Haus verlässt, befindet, dass das etwas zu wenig sein könnte und deshalb noch eine Handvoll Natureis nachlegt und dem Assi den Auftrag gibt, den Reis schön weich zu kochen und nicht anbrennen zu lassen. Der Assi lässt den Reis daraufhin auf homöopathischer Flamme vor sich hin simmern. Als er nach nicht mehr nachprüfbarer Zeit seinen erfahrenen Finger tief in den Welpenreis bohrt, ist der wunderbar schlonzig und überhaupt nicht angebrannt. So soll er sein. Nachmittags serviert jJanitschek schmollt...Janitschek schmollt...er ihn zusammen mit zwei Gläsern Hühnchen, Moro-Suppe und dem Moor. Ein Fest für die Feinschmecker. Doch er staunt nicht schlecht, als im weiteren Verlauf des Nachmittags der Welpenoutput aussieht, als ob sie alle Würmer hätten, lauter kleine, weiße Pünktchen in den Gaben. Eingeweihte wissen jetzt Bescheid: Der Naturreis, der viel länger braucht, bis er weich ist, als der Standardreis, war noch nicht durch. Aber jetzt ist er durch, und zwar durch die Jays, allerdings ohne seine segensreiche Wirkung entfalten zu können. Immerhin war der Großteil der Reisgabe in einem verwertbaren Zustand, was gerade jetzt, bei einem etwaigen Beginn einer Durchfallpassage von unschätzbarem Wert sein könnte: Hühnchen mit Reis, das Zaubermahl für dünnen Stuhl.

Als die Chefin abends nach Hause kommt und sieht, was die Knirpse so abliefern, wird die Beförderung vom Putzmeister zum Futtermeister vorübergehend auf Eis gelegt. Doch – Triumph! – Hochmut zahlt sich meistens selbst zurück. Hört, hört…  

Wie berichtet, war es diese Woche wieder einmal zu einer Hähnchenaktion beim Blues gekommen. Die Knorpelstücke legen wir dabei für die Großen weg, weil sie für die Zwerge noch zu klobig sind, um sie zu verarbeiten. Abends legt also die Chefin diese Knorpel den Großen als Schmackofatz mit ins Futter. Doch kaum haben die beiden ihre Näpfe leer, marschiert Hedda schnurstracks in den Garten und würgt den Zwergen das ganze Zeug vor. Was für ein Fest! In der Natur ist das die normale Art, Welpen Fleisch und Ähnliches zur Verfügung zu stellen, was sie selbst noch nicht klein kriegen. Vor allem sind es die Milchsäurebakterien, die bei dem Vorverdauungsprozess mitgeliefert werden, von besonderem Wert, weil sie die Speisen erst richtig bekömmlich machen. Nur liegt in unserem Fall nicht eine matschige Fleischmasse vor den Welpen, sondern Hühnerknorpel, noch genauso hart und sperrig wie zuvor. Aber bevor wir eingreifen können, machen sie sich alle wie ausgehungerte Fastenprediger über das Zeug her und hauen es weg. Und sie lehren uns, dass auch gerade mal fünfeinhalb Wochen alte Hundekinder damit klarkommen. Zu Kreuze kriecht die Chefin deswegen nicht, aber vom harten Reis ist vorerst keine Rede mehr.

So neigt sich ein sehr spezieller Tag dem Ende zu, der vorwiegend vom Ein-, Durch- und Ausgang von Nährstoffen geprägt war und morgens mit der Waage begann, die uns vom Segen des Vortags in Kenntnis setzte:JoschiJoschi

Jazz 4470 (+160), Jackl 4460 (+350, der hat sich offenbar etwas vorgenommen), Joschi 4200 (0), Janitschek 3870 (+90), Judica 3720 (+120), Jasna 3600 (+150), Jeannie 3600 (+70) und Jule 3020 (+110, und damit auch sechspfundig!). Das war heute Morgen ein deutlicher gedämpfter Aufschwung von nur 1050 g. Aber wenigstens löste sich im Laufe des Tages das Fragezeichen über Joschis 0 auf: Er ist der „unbekannte“ Lachenproduzent. Aber so lange er nicht in einer Ecke liegt wie ein totes Hühnchen und lachen kann, wie es nur Joschi eigen ist und weil er eigentlich immer lacht, können wir uns die Sorgenfalten schenken.

Bevor der Assi sich in die Waagerechte begibt, macht er gegen 23:30 Uhr noch einen Kontrollgang im Schlafsaal – und würde am liebsten gleich wieder vergessen, was er hier wollte: Es sieht aus wie bei Schweins, nein, nicht wie bei Frau Esther Schweins, sondern wie bei Familie Sau! Überall Teiche und Würste, teils feste, teils weiche und dazwischen erbrochene Hähnchenknorpel. Jetzt ist aber eine Rückerstattung der Vorwürfe fällig. Sein Büßergang hält ihn noch fast 45 Minuten in Atem, währenddessen die braunmelierten Schwarzkittel alle wach werden und die Gelegenheit nutzen, ihm praktischerweise gleich noch einen Nachschlag vor die Füße zu legen. Immerhin – ohne Trost kann der Gepeinigte nicht leben – wächst so die Hoffnung auf einen nahezu rückstandfreien Morgen. Der käme aber dummerweise der Chefin zugute.

 

Freitag, 2. Juli 2021

Heute ist uns alles egal, heute lassen wir uns bis 6JazzCool Jazz:30 Uhr nicht aus den Betten treiben; heute ist ja Schlaraffia im Küchenstudio. Die dicke Luft, die aus dem Erdgeschoss bis ins Schlafzimmer nach oben zieht, als die Chefin die Kinderstube öffnet, und dabei dem dösenden Assi mit dem Odeur sehrsehrsehr alter Unterhosen in die Nase beißt, lässt auch einen Berufsträumer erwachen. Er hat sich ehrlich bemüht heute Nacht, aber die kleinen Ärsche haben ihn zum Narren gemacht. Man ist versucht, solche Zustände fotografisch festzuhalten, sieht dann aus nachvollziehbaren Gründen doch davon ab. Wir wollen den Morgen mann- und frauhaft anpacken und auch keine Erbsen zählen, sondern uns aufs Wesentliche konzentrieren: Es sieht schlimm aus, aber es ist nicht schlimm, alarmierende Stuhlproben sind nicht darunter, dünne schon. Reichlich. Und da die Meute putzmunter unterwegs ist, müssen wir uns derzeit auch um keine(n) Sorgen machen.

Nun denn, wohlauf, wir werfen einen morgendlichen Blick auf die kleinen Saubären.

Jazz hat Jackls Attacke abgeschmettert: 4620 (+150). Das war nicht allzu schwer, denn Jackl hat gelost [gelu’hst] und nur 40 g zugenommen (4500). Das könnte ein Hinweis sein, dass er zu den Teichwirten in unserer Küche gehört. Joschi hat dagegen seinen Magen-Darm-Blues überwunden und seine Nullrunde von gestern wettgemacht: 4450 (+250). Zielstrebig zeigte sich auch Janitschek am Büffet, der nun als Vierter ein Achtpfünder ist: 4040 (+170). Die Riege von Jazz‘ Ehrenjungfrauen führt Judica an: 3860 (+140). Ihr folgt Jeannie mit 3800 (+200), die damit Jasna in die vorletzte Reihe abservierte, weil man mit 20 g plus (3620) eben keine Lorbeeren gewinnen kann. Jule macht sich keinen Stress, reiht sich kameradschaftlich neben Jasna ein, indem auch sie sich mit 20 g begnügt und den Reigen mit 3040 g beschließt. Üppig war das nicht: 990 g und heute ein Durchschnittsgewicht von 3991,25 g. Die Magenverstimmung, vielleicht auch der kernige Naturreis und sicher JasnaJasnadie erbrochenen Hühnerknorpel tragen die Hauptverantwortung für die aktuelle Baisse. Das regelt sich wieder.

Hedda können wir dazu jedoch nicht mehr einspannen, die hat ihr Brutgeschäft abgeschlossen, ist nur noch mütterliche Freundin und Spielkameradin. In dieser Rolle zeigt sie mindestens so viel Talent wie als Bardame. Nur wenn Gäste zugegen sind und mit ihr spielen, zerren, werfen und rangeln, dann vergisst sie, dass sie Kinder hat und ist selbst der größte Kindskopf. Es wird Zeit, dass der Alltag ohne Verantwortung und Verpflichtungen wieder Einzug hält, einfach wieder Hund sein, einfach wieder Hedda sein. Wir versprechen es ihr, und sie tobt gleich doppelt los.

Solche Gäste erwartet sie heute: Rosita und Achim, die Züchter des Zwingers von Acro Bado, kurz: die Windelwickler unseres Papas Lando. Sie werden heute die Zuordnung unserer Jabberwockys beschließen, weil die beiden sich für eine unserer Mädels entscheiden werden, die dann die Zucht bei Acro Bado fortsetzen soll. Jazz, die Großwesirin der Jays ist schon vergeben, die war schon länger nicht mehr im Schaufenster, und Jule kommt mit ihrem Einauge für die Zucht nicht in Frage und ist auch schon bestens JudicaJudicauntergekommen. Auf dem Laufsteg stehen demnach Jasna, Jeannie und Judica. Die beiden tun uns ehrlich ein wenig leid, aber abgesehen davon, dass wir uns für Jazz entschieden hätten, wenn wir uns hätten entscheiden müssen, würden wir bei den dreien auch ins Schleudern kommen. Jasna, das schelmische Temperamentsbündel, Jeannie, die unermüdliche und herzliche Spielmaus oder Judica, die Menschenfreundin mit dem strammen Kieferschluss. Wie soll man sich da entscheiden? Nach mehreren Stunden der inneren Kämpfe, der Beobachtung und des Vergleichens, fällt die Entscheidung: Es wird Judica sein, die hoffentlich den Acrobaden noch ein paar Landos und Lindas schenken wird. Das Zeug dazu könnte sie haben, aber der Weg dahin ist weit. Good Luck, Baby! Unseren Segen hast du.  

Während sich die einen mit der Wahl quälen, genießen die anderen den Tag. Unter Sonne, Wind und Wolken lässt es sich völlig unbefangen toben (und dabei, sofern man zu den Kandidatinnen gehört, noch ein paar Punkte sammeln). JanitschekJanitschekInzwischen ist das Bewegungsrepertoire der Jays sehr variantenreich. Sich durchs Paradies jagen ist die Basisübung, schnell sind sie inzwischen und wieselflink in ihren Wendungen. Aber natürlich sind es all die Stoffspielzeuge, die man herumschleppen und zernagen kann, anderen abjagen oder wieder erobern muss. Dazwischen stehen Gleichgewichtsübungen auf dem Programm, schon deshalb, weil man in diesem Paradies sich kaum eine größere Strecke, noch dazu auf möglichst direktem Weg, zurücklegen kann, ohne über irgendetwas Schaukeliges oder Wackeliges zu müssen. Ihnen ist das bereits alles völlig Banane. Auch Gitter, die im Weg liegen, hindern sie nicht. Und dann gibt es ja auch noch Menschen, die einen zur Erholung auf den Schoß liften und küssen und dabei Gurrlaute absondern wie die Tauben. Man kann sich nicht beschweren, wenn man in diesen Tagen Welpe beim Blues ist.     

Außer, wenn man Joschi heißt und heute wieder einmal einen Männerschnupfen hat. Dann klagt er sich die Stimmritzel wund, lamentiert, weil er entweder nicht genug JazzJazzBeachtung findet oder weil er ins Haus will oder weil gerade der Schoß nicht frei ist, den er sich auserkoren hat. Und wenn das auch nicht Grund genug zum Plappern ist, erzählt er uns und seinen Geschwistern, dass er eigentlich in die Küche möchte oder sein Kackplatz schon von einem anderen Haufen belegt ist oder die Tunnelröhre beim Betreten dunkel und hinten wieder hell ist. Was für ein Komödiant; der Gottschalk Thomas hat wahrscheinlich auch mal so angefangen.

Abends legt sich der Tag, der so anders als erwartet begonnen hat, genau so schlafen, wie man es sich wünscht. Die Kinder sind bester Dinge und müde, alle haben seit heute einen sicheren Hafen, auf den sie sich freuen dürfen, ihr Kot ist wieder fest – außer bei Jazz, die güllt und erbricht sich. Aber hinfällig scheint sie nicht zu sein. Wir sind bester Hoffnung, dass auch sie nur einen Streifschuss bekommen hat wie Joschi und morgen wieder unauffällig ist.  

Und nun also, Vorhang auf für die Zuteilung unserer Jays. Was uns besonders freut, ist, dass doch einige in erreichbarer oder gar großer Nähe bleiben. Nun denn:

Jackl wird ein Chiemgauner und zieht nach Schnaitsee, in die Nähe von Wasserburg /Inn.
Jazz zieht in den Bayerischen Wald nach Rohrmünz bei Deggendorf.
Janitschek geht nach Fischamend in Niederösterreich, wenige Kilometer südöstlich von Wien.
Jeannie zieht ins baden-württembergische Ispringen bei Pforzheim,
Joschi bleibt uns treu und richtet sich ein Studio nur ein paar Kilometer weiter in Ostermünchen ein.
Auch Jule hat von ihrem neuen Zuhause in Sauerlach nur 30 Minuten zu uns,
Jasna braucht von Taufkirchen bei München auch kaum länger.
Judica, das haben wir schon ausgeführt, hat ihr zukünftiges Zuhause im Zwinger von Acro Bado, im hessischen Rödermark.

Hier tobt für die Jays in Zukunft das LebenDorthin verschlägt es unseren J-Wurf

Uns ist es egal, wo sie landen, uns interessiert nur, wie sie landen. Bei all unseren Käufer haben wir keinen Zweifel, dass unsere Kinder sehr weich landen werden und bestens aufgehoben sind. Unter diesen Umständen stellt sich der Schlaf fast von selbst ein.

 

Samstag, 3. Juli 2021

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Um 4:45 Uhr versuchen wir, die Schläfrigkeit von gestern wettzumachen und die Jays noch vor ihrem Morgengeschäft aus dem Schlaf zu holen. Das gelingt auch sehr gut, nur vier sehr ordentliche Häufchen duften uns entgegen, einer davon ist kein Haufen, sondern ein Teich und stammt nachweislich von Jazz. Der scheint es trotzdem nicht an Lebensfreude zu mangeln; ihr geht es gut.

JoschiJoschiSchauen wir also gleich mal auf die Gewichte, ob die einen Rückschluss auf den Fitnesszustand der Knirpse haben, denn letztlich ist das der Grund, warum wir täglich wiegen, nicht der, dass wir den Kleinen Hühnerfutter als Bestecherli anbieten können. Und schnell gibt es keinen Zweifel mehr, dass Jazz durch ein kleines Tief geht, denn heute muss sie den Bürgermeister und den Quatschkopf vorbeiziehen lassen.

Jackl 4840 (+340), Joschi 4670 (+220), Jazz 4530 (-90), Janitschek 4310 (+270), Judica 4040 (+180, jetzt auch Achtpfünderin), Jeannie 3900 (+100), Jasna 3880 (+260) und Jule 3230 (+190). Das sind 1470 g mehr als gestern und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 4175 g. Solche Bewegungen in der Spitzengruppe befeuern immer die Neugier des Chronisten, ob es Jazz jemals wieder schaffen wird, ihren alten Stammplatz an der Spitze zurückzuholen. Die Vermutung neigt zum Zweifel, denn gerade zum Ende der acht Wochen legen die Rüden meist so kräftig zu, dass sie die weiblichen Kraftwerke kurzerhand überrennen.

Janitschek schläft auf Girgls RuteJanitschek schläft auf Girgls RuteAuf uns und die Jays wartet heute ein schöner weiß-blauer Bayerntag mit 25 °C am Nachmittag (den Regen am späten Abend unterschlagen wir, weil er nicht ins Klischee passen will).    

Klar, dass sich an einem Samstag viel Besuch einstellt und klar, dass die Knirpse von hinten bis vorn und von oben bis unten gehätschelt und getätschelt werden. Das ist ja der Grund für die Besucher und zu beehren. Wegen uns allein bewegt sie doch niemand hierher. Mit Kindchenschema können wir eben nicht mehr dienen.

Einer der Besucher ist Girgl, der Frontmann und Fanfarenbläser aus unserem G-Wurf. So mächtig er ist, so beeindruckend er für die Welpen sein muss, so handfest und bayerisch hemdsärmelig er sein kann, für die Jays ist er einfach nur ein unendlich geduldiger und sanfter Buddy. Er strolcht zwischen ihnen herum, begrüßt sie und wird begrüßt, sollte eine(r) zu aufdringlich werden, macht er Platz und beschäftigt sich mit einem anderen. Die Zwerge dürfen JacklJacklihn in die Fersen kneifen, an den Ohren ziehen, wenn sie ihm ein Küsschen geben, knutscht er zurück und wenn er sich hinsetzt oder -legt, hat er auch nichts dagegen, dass seine Rute einem müden Haupt als Ruhekissen dienen soll. Dann sitzt oder liegt er und hält still. Fehlt nur, dass er Eiapopeia singt.

So viel an Wochenende los ist, so wenig ist zum Berichten los. Die Großen geben sich Kaffee und Kuchen hin, gelegentlich mit einem Welpen auf dem Schoß, die Zwerge geben sich sich selbst hin und gehen völlig in ihrem kleinen Leben auf. Und so verstreicht der Tag und liefert viele glückliche Gesichter. Hunde und Menschen strahlen und sind zufrieden, Jazz und Joschi sind auch wieder dicht – dann löst Jackl um 23 Uhr in der Küche die Darmschleusen. OK, der nächste. Möge er so glimpflich davonkommen wie die beiden anderen.

 

Sonntag, 4. Juli 2021

Recht trüb und ein wenig regnerisch erhebt sich der 4. Juli aus der Asche der Nacht, gerade so als wollte er seine historische Größe verschleiern, den Maßanzug gegen einen Rupfensack tauschen, um im Dunklen unterzutauchen. Oder ist es gar das Büßerhemd, das er sich heute übergezogen hat?

VJoschi mit seiner MamaJoschi mit seiner Mamaermutlich hat wieder Niemand keine Ahnung nicht wovon wir sprechen. Am 4. Juli 1776 erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit vom britischen Empire. Das war sicher keine schlechte Idee. Aber eine gute Idee muss nicht zwangsläufig zu einem guten Ende führen, wie uns in jüngster Vergangenheit bewiesen wurde. Dennoch ist es nicht verkehrt, heute mit den Amis ihren Unabhängigkeitstag zu feiern, gerade weil es dabei genug Gründe gibt, sich zu besaufen. Es muss ja nicht Bourbon sein, bestimmt hat niemand etwas dagegen, wenn wir zu einem feinrauchigen Scotch oder einem Gaumenschmeichler aus Irland greifen.

Egal, ob man die Manifestation der USA als Fluch oder Segen betrachtet, auch über das Ereignis hinaus trägt dieser Tag Historisches im Gefieder. Gespenstisches geschieht genau 50 Jahre nach dem Independence Day, am 4. Juli 1826, als der erste und zweite Präsident der Vereinigten Staaten, John Adams und Thomas Jefferson, wie nach Absprache, gemeinsam sterben. Hat der Himmel uns dabei mit einem Zaunpfahl gewunken? Das kam irgendwie verstrahlt daher, wie später Marie Cure, die am 4. Juli 1934 an den Folgen ihrer Forscherleidenschaft verstirbt. Dabei hätte es der Himmel dann auch belassen können, aber am 4. Juli 1949 schickt er uns Horst Seehofer auf die Welt; vielleicht infolge exzessiven Bourbonkonsums. Fünf Jahre später hatte er, der Himmel, nicht Seehofer, dann offenbar das Bedürfnis, uns dafür Abbitte leisten zu müssen und bescherte uns das Wunder von Bern mit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Von beiden haben wir bis zum heutigen Tag nicht erholt.

DJudicaJudicaiese Überleitung können wir uns nicht entgehen lassen und kehren zum 4. Juli 2021 zurück, indem wir freudig protokollieren, dass Jackl sich offenbar über Nacht erholt hat. Zwar rechnen wir damit, dass weitere Jays in den folgenden Tagen die Flügel strecken werden, wenn das aber so abläuft wie bei den ersten drei, sollen sie strecken. Morgens finden wir jedenfalls keinen Durchfall mehr, sondern nur noch Stabiles und Festes. Das ist auch deswegen erwähnenswert, weil wir gestern erstmals zu der zermanschten Banane einen Apfel in die Morgenmilch gerieben haben, der den kleinen Därmchen anscheinend einen zusätzlich positiven Kick gegeben hat.

Aber Jackls Unpässlichkeit lässt sich in der Gewichtstabelle nicht verheimlichen, die lügt nämlich nicht, auch wenn one apple a day kept the doctor away. Das rettet dem Bürgermeister seine Spitzenposition auch nicht. Jetzt hat Joschi – sogar ganz offiziell – das Sagen. Und Jazz kommt trotz eifrigen Bemühens nicht an den beiden vorbei.

Joschi 4940 (+270), Jackl 4790 (-50), Jazz 4760 (+230), Janitschek 4530 (+220), Judica 4150 (+110), Jeannie 4110 (+210, jetzt auch achtpfundig), Jasna 4000 (+120, und ebenfalls im Vier-Kilo-Klub), den nun nur noch Jule als großes Ziel vor dem Auge hat: 3340 (+110). Die Jays haben gestern 1220 g zugenommen und melden ein Durchschnittsgewicht von 4327,5 g.  

Jeannie und GismoGismo könnte Jeannies Lieblingsonkel werdenIm Verlauf des Tages bekommen die Herzensbrecher noch zwei prominente Besucher, zuerst ist das Isi aus unserem I-Wurf, die aus dem österreichischen Thalgau vorbeischaut, sich dann aber doch mit Augenkontakt aus gebührender Distanz begnügt; das Gewusel ist ihr nicht ganz geheuer. Anders zeigt sich Gismo (Gosh) aus dem G-Wurf, der ein ähnlich entspannter Buddy ist wie sein Bruder Girgl. Wer die beiden Kindergärtner bei der Arbeit beobachtet, wird nie mehr behaupten, dass Schutzdienst aus Hunden enthemmte Einzelkämpfer macht. Nie hätten sie leichteres Spiel als mit diesen Pimpfen. Aber selten sind sie sanfter.

Das soll er dann auch gewesen sein, der Independence Sunday, der nachmittags den trüben Morgen vergessen macht, sich dann aber doch noch auf seine schlechten Anlagen besinnt: Regen und verhuschte Gewitter rundum. Aber: Kein neuer Patient! Das macht uns mindestens so viel Hoffnung, wie den Amis die Unabhängigkeitserklärung vor 245 Jahren…  

 

Montag, 5. Juli 2021

An der Darmfront ist gespenstische Ruhe. Die Jays halten dicht, das Personal hält eine kleine Dankandacht. Und doch hat auch dieser Morgen etwas Belastendes. Die sechste Woche geht zu Ende und wir haben den Eindruck, da draußen steht schon einer und poliert die Sense. Wie bedrohlich doch das Banale sein kann. Hannah Arendt prägte den Begriff von der „Banalität des Bösen“, als sie Adolf Eichmann in seinem Prozess in Jerusalem erlebte. Wir schließen uns dem Gedanken an und nennen es die „Bedrohlichkeit des Banalen“.     

Dann bleiben wir eben weiter beim Banalen und erledigen unsere Morgenroutine: JuleJuleHunde ab ins Paradies, Hedda hinterher, Küche von Tretminen befreien, Welpenmilch komponieren, die heute drei Portionen groß wird und nur sechs Eier schwer ist, weil wir nun langsam die Eier abbauen, bis sie bei der Abgabe keine Rolle mehr spielen. Aber drei Bananen und sechs Löffel Distelöl machen den Shake zu einem echten Booster. Dann steigen alle auf die Waage, was vermutlich keine Welpenschar so geduldig mitgemacht hat wie diese, jede(r) mit ein paar kleinen Leckereien beruhigt. Dann wird es Zeit für einen morgendlichen Schönheitsschlaf, während drinnen der Pi-Pa-Putzemann tanzt.  

Die Waage gibt kund und zu wissen: Alle sind wieder auf dem Wachstumspfad, nur Judica fällt ein wenig ab, was aber eher eine Nachlässigkeit zu sein scheint als ein Alarmsignal, denn sie war zu keiner Zeit auffällig.

Joschi 5160 (+220, sechs Tage hat er vom Achtpfünder zum Zehnpfünder gebraucht), Jazz 5060 (+300, hello again…und auch im Zehnerklub), Jackl 4920 (+130), Janitschek 4630 (+100), Jasna 4240 (+240), Jeannie 4230 (+120), Judica 4180 (+30, ganz schön abgeschmiert) und Jule 3520 (+180), gesamt 1320 g und ein Durchschnitt von 4492,5 g.

So ein Montag nach einemJacklJackl geschäftigen Wochenende ist beim Blues kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen; hier herrscht Zirkusluft: Eine Sensation jagt die nächste. Dabei konzentriert sich viel auf die Futtervarianten. Heute konfrontieren wir sie gleich mit zwei Neuerungen. Vormittags servieren wir Platinum Trockenfutter, ein wenig eingeweicht, was bei diesem Futter sonst nicht nötig ist, aber dafür kommt es auch als Bröckchen in den Ring. Die Zwerge fremdeln damit überhaupt nicht und inhalieren das Zeug schneller als der Futtermeister, der offiziell immer noch Assi und Putzmeister ist, weil seine Beförderung zum Futtermeister nach dem Reisdesaster ausgesetzt wurde, mitzählen konnte. Hau weg. Eine(r) hat wohl doch zu eifrig weggehauen, weil sich bald danach in der Küche erbrochene Futterbröckchen auftauchen, Verursacher(in) unbekannt.  

Am frühen Abend begeistern wir die Jays (aber vor allem uns) mit drei getrockneten Hühnerbeinen, die wir den acht vorwerfen. Jetzt geht die Post ab! Jede(r) will haben, aber drei sind fünf zu wenig.

Jasna mit HühnerkralleJasna mit HühnerkralleAlso schauen, wie man zu seinem Recht am Hühnerhax kommt. Joschi und Jazz setzen sich kraft Masse und Autorität durch, und Jasna, auch nicht mehr zierlich, vor allem aber nicht auf den Kopf gefallen, findet ziemlich fix ein lauschiges Plätzchen, an dem sie unentdeckt bleibt. Vorerst. Nicht lange, denn doof sind die anderen auch nicht. Dann muss auch sie teilen, was auch den beiden anderen widerfährt. So machen die drei dürren Hühnerbeinchen mal alle Mäulchen durch, werden herumgezerrt, geklaut und versteckt. Doch am Ende landen sie zerwirkt und zerraspelt in acht Kindermägen, nur die Klauen werden verschmäht. Heikles Pack! Im Klauen große Klasse, aber Klauen auf die Rote Liste setzen.  

Zwischen diesen Mahlzeiten (die Hühnebeine sind natürlich nur ein Snack außer Konkurrenz) beehrt uns noch Gamba, die Schwester von Girgl und Gismo, die ebenso unkompliziert mit den Knirpsen umgeht wie diese. Sie bleibt mitten unter ihnen und sehr gelassen, obwohl sie sich nicht zum Spielpartner machen lässt. Das sollen sie, bitteschön, unter sich ausmachen.  

JanitschekJanitschekWas sich an diesem Montag eher relaxed anhört, war letztlich doch ziemlich viel Neues und Ermüdendes. Offensichtlich war es so ereignisreich, dass der Assi nachts um 23:30 Uhr bei seinem Kontrollgang nur tief schlafende Kinder und eine blitzblanke Küche vorfindet. Die sind wirklich platt. Die Ernte wartet morgen Früh auf die Chefin.

Die Zeit, die Zeit kennt keine Gnade. Zwei Wochen noch bis Buffalo (was übrigens bei der Unabhängigkeitserklärung noch nicht dabei war). Was antwortete Woody Allen einmal auf die Frage eines Reportes nach Tod und Sterben? „Ich habe nichts dagegen, aber ich will nicht dabei sein.“