Inkubation - die Brutzeit des I-Wurfs

Wenn die ersten Tage nach dem großen Ereignis in Schrobenhausen mit den letzten Tagen vor Weihnachten zusammenfallen, kommen beide ein bisschen zu kurz, was aber eben auch bedeutet, dass weder das Eine noch das Andere eine größere Aufmerksamkeit erfährt als ihm zusteht. So einen Zustand nennt man wohl Alltag. Da fährt man am Tag nach Fiannas Hochzeit mit Eddy schon wieder mit Hedda die gleichen Autobahnen in die gleiche Gegend, um bei immer noch anhaltendem Regen mit Hedda zu trainieren; kein Grund für Hedda, sich auf die faule Haut zu legen, nur weil sie demnächst wahrscheinlich vielfache Tante wird. Das Leben geht weiter. Vorerst jedenfalls noch. Die Zwangspausen stellen sich bald automatisch ein. Die Aufzeichnungen von Fiannas Hochzeitsanbahnung müssen auch fertiggestellt und dem erwartungshungrigen Publikum im Internet zur Verfügung gestellt werden; auch das ist nichts vorweihnachtlich Romantisches, sondern Schreibtischarbeit. Ein Restaurantbesuch mit Freunden, der Besuch anderer Freunde bei uns, dazu ein paar Hundespaziergänge – und ehe wir uns versehen, ist schon das Christkind da.

 

Montag, 24. Dezember 2018, Heiligabend und 5. Tag n. E.

Also, bitte sehr, so weit kommt es noch! Nein, wir singen nicht "Ihr Kinderlein kommet" unterm Christbaum. Erstens haben wir ein solches Accessoire nicht und zweitens glauben wir nicht an Schamanengesänge. Die Kinderlein kommen oder sie kommen nicht, egal wie inbrünstig oder beiläufig wir ihre Ankunft herbeiflehen. Oder glaubt jemand etwa ernsthaft, dass irgendein außer Kontrolle geratener Regentänzer für die Sintflut verantwortlich ist, die heute über das Bayernland schwappt und dafür verantwortlich ist, dass wir seit jenseits unseres Erinnerungsvermögens erstmals unseren Termin im Tierpark Hellabrunn ausfallen lassen? Gefühlsmäßig seit jener fernen Zeit, vor der die Keilschrift erfunden wurde, führen wir unsere Damen (und vorher wir uns gegenseitig ohne Damen) zusammen mit Freunden am Heiligen Abend durch Hellabrunn, und seit Jahren schon konnten wir uns anschließend sogar im Biergarten der "Harlachinger Einkehr" auf ein Bier und eine Leberknödelsuppe niederlassen, so entgegenkommend zeigte sich der Wettergott. Aber heute revanchiert er sich für alle die Güte, mit der er uns in der Vergangenheit verwöhnte. Sintflut! Am härtesten dürfte es aber die Wölfe, Hyänen und andere Caniden treffen, die nicht erst seit Fianna süchtig nach Heiligabend sind, weil wir ihnen fast immer eine hochläufige Hündin vorführen und eine Weihnachtsfreude der besonderen Art bereiten konnten. Wie die Junkies haben sie alljährlich unser Erscheinen herbeigesehnt, wie Weihrauch haben sie die Düfte unserer Damen durch ihre lüsternen Nüstern gezogen, getanzt, gesteppt und gekreiselt haben sie wie der an allem schuldige Regenmacher, und unsere Mädels haben keine Gemeinheit ausgelassen, den Herrschaften jenseits der Absperrungen die Prostatas anschwellen zu lassen. Und heute? Nichts. Kalter Entzug in Hellabrunn. Für uns und die Caniden ist es, als ob Weihnachten nicht nur ins Wasser, sondern gar ganz ausfiele.

Fianna nimmt die außer Kontrolle geratene Situation zur Kenntnis und zieht den einzig richtigen Schluss daraus: Sie stellt ihre Blutung ein.

Aber aufs Christkind ist Verlass (der Santa und andere Werbe-Ikonen haben bei uns Hausverbot), und so schaut es auch an diesem irgendwie kastrierten Heiligen Abend bei uns herein. Und was es alles herbeischleppt! Es ist wie im richtigen Leben: Die armen Mädels müssen in unseren Zeiten die zentnerschweren Packerl herbeischleppen, bei der Post, bei DHL und eben auch bei der Himmelspost. Früher gab es dafür noch Paketfahrer, tätowierte Kleiderschränke mit Kommunikationsfehlern. Heute sind die Engerl auch tätowiert, aber nur eine Viertelportion und kommunikationsgestört aus Atemnot. Wir haben für sie immer ein nettes Wort, nehmen ihnen ab, was geht und versüßen ihnen die Tortour mit einem Handschlag mit Handout. Nur das Christkind, das ewig unsichtbare, muss darauf verzichten.

Schöne BescherungSchöne BescherungAber nun hat es sich der Last entledigt, das Christkind, und dem Blues-Assi fällt, bevor ihm die Luft wegbleibt, die antike Parole ein: Viel Feind, viel Ehr. Auf weihnachtlich übersetzt heißt das: Viel Freund, viel Bescher! Danke allen, denen euch unser Wohlergehen so am Herzen liegt. Aber – ihr habt nicht mit uns gerechnet! Dem Assi ist nämlich eine ganz heimtückische Drohne ins Haus geflogen, begleitet vom christkindlichen Rat, mit deren Hilfe doch gelegentlich hinter die Hecken und Mauern unseres Nachwuchses zu spionieren, ob dort auch alles so ordnungsgemäß zugeht, wie immer versichert. Also Achtung: Wenn es über eurem Garten hochtourig summt, könnte es der Blues-Assi mit seiner einäugigen Flügeladjutantin sein.

Für Hedda ist dieser, in vieler Hinsicht, besondere Tag, einer zum Streichen. Schon beim Morgenspaziergang geht es ihr, nicht nur wegen der Sintflut, nass 'nei: Beim Toben mit ihrer Mama bleibt die offenbar in Heddas Halsband hängen und findet keinen schnellen Ausgang, was bei ihr eine kleine Hysterie auslöst, mit allen Versuchen, sich ihrer Tochter zu entledigen. Hedda kann das nicht einordnen und meint, Mama sei böse mit ihr und geht ihr für den Rest des Morgens aus dem Weg, nachdem die Chefin die Situation geklärt hatte. Damit aber noch nicht genug. Beim Zerlegen und Ausräumen einer Geschenkbox will Hedda wissen, was die Mama denn so bekommen hat, und die meint, Hedda will ihr an die zutage geförderte Kaustange. Da setzt es den zweiten Anschiss des unheiligen Tages, und Hedda ist ein zweites Mal durch den Wind. Diese Reaktion Fiannas ist in der Tat etwas völlig Neues, weil sie Vieles ist, ganz bestimmt aber nicht eifersüchtig und futterneidisch. Wir schreiben in unser Tagebuch: Vermutlich doch mit Leibesfrüchten gebenedeit. Claim beizeiten abstecken, das erspart später viel Ärger. Hedda ist für heute bedient und verzieht sich in dem Augenblick ins Schlafzimmer, als dieses vom Assi zum Zwecke des Kleiderwechsels geöffnet wird. Das hat sie auch noch nie gemacht. Soll einer sagen, der Heilige Abend sei ein Tag wie jeder andere. O Watschenbaum, o Watschenbaum ...

 

Dienstag, 25. Dezember 2018, 6. Tag n. E.

Der Assi sieht sich morgens nach der unauffindbaren Fianna um und findet sie unter seinem Bett. Er eilt zu seinem Tagebuch und diktiert: Fianna zieht sich bereits in ihre Höhle zum Brüten zurück.

Hedda ist wieder der gewohnte Kobold und hat ihrer Mama und uns alles verziehen. Singt sie nicht tatsächlich "Lasst uns froh und munter sein". Aber das ist doch ein Nikolauslied! Zu Zeiten eines Santa geht vermutlich auch so etwas durch.