Inkubation - die Brutzeit des I-Wurfs

Mittwoch, 26. Dezember 2018, 7. Tag n. E.

Die grauen Tage sind vorüber und jetzt strahlt das Christkind in seinem fadenscheinigen Engelskleidchen. Dafür treibt es dem Coca-Cola-Santa in seinem geschmacklosen Bademantel den Schweiß aus den Poren. Es hat zwar nachmittags immer noch nur 1 °C, aber in der Sonne dampft es wegen der Wasserlandschaft ringsum wie in einer Sauna.

Am zweiten Feiertag, wenn alle Welt auf Verwandtschaftspflege unterwegs ist, treidelt der Blues traditionell vor sich hin. Der Assi kocht auf, die Chefin hängt hinter ihrem Computer, im Bestreben der Blues-Webseite einen neuen Anstrich zu verpassen, Fianna verlässt ihr Schlafbett nur bei den Spaziergängen, wo sie immer noch ohne Not das Mangfalltal wässert, als ob ihr ein Bräutigam mindestens einer zu wenig wäre. Promisk nennt man so etwas. Vor allem aber unsolidarisch gegenüber Eddy. Hedda ist wie gewohnt auf Achse, zwar immer bei Fuß, aber deshalb laufend im Weg. Besonders beim Kochen. Kann mal irgendjemand diesen Hund wegschaffen?!

 

Donnerstag, 27. Dezember 2018, 8. Tag n. E.

Das wolkenlose Strahlewetter bei knapp über 0 °C setzt sich fort, und so sind schon morgens so viele Spaziergänger unterwegs wie sonst nur am Muttertag. Gesichter sieht man da, an die man sich nur noch mühsam erinnert. Und Hunde erst! Erstaunlich, wie viele Hunde hier an einem schönen Tag zu leben scheinen. Sind die sonst alle im Internat? Haben die an schlechten Tagen alle keinen Stuhlgang? Oder führt hier seit Weihnachten der Jakobsweg vorbei?

Fianna und Hedda beschäftigen sich mit dem, was einem Wachhund aufgetragen ist: Wachen und melden. Dieser Pflicht werden sie immer häufiger gerecht, weil die Nachbarskatzen seit dem Tod unseres Bandit vor einem Jahr, unseren Garten als Promenade, Thingplatz und Sonnenbank benutzen. Für Fianna und Hedda bedeutet das jedesmal einen Einsatz an der Terrassentür. Wenn dieser Erfüllung der Wachpflichten alle fünf Minuten nachgekommen wird, bleibt die häusliche Kommunikation auf der Strecke. Aber soll man es ihnen verdenken, wenn die Mietzen auf und ab patrouillieren wie beim Wachwechsel vor dem Buckingham Palace und sich dann auch noch ihren verfilzten Pelz auf unserer Terrasse lausen? Wir lieben Katzen, und Katzen sind herzlich willkommen. Aber wenn in nahezu jedem Haus der Nachbarschaft mindestens eine Katze lebt und am Nervenkostüm unserer Damen zerrt, lassen wir unser Wachpersonal zur Klärung der angespannten Lage von der Leine: Tür auf. Zwei Krawallschachteln fegen dann durch den Garten, randalieren die Luft rein, und die Welt ist bis auf weiteres wieder in Ordnung. Die Gespräche im Haus dringen wieder ans Empfängerohr. Die Zeit wird den Promenadekatzen schon beibringen, dass hier kein Catwalk ist, sondern eine Art Todesstreifen; Katzen sind zwar penetrant, aber auch gelehrig. Schon wegen der zu erwartenden Kinderschar müssen wir den Garten ein wenig tabuisieren, sonst fischen die sich noch während eines unbeobachteten Augenblicks den fettesten Kinderbraten heraus. So eine Kampfkatze hatten wir hier schon einmal, und mit der war nicht zu spaßen. Deshalb: Die nötigen Härten jetzt, damit die Spielregeln klar sind, wenn Igittigitt und Ibidumm durch den Garten wackeln.  

 

Freitag, 28. Dezember 2018, 9. Tag n. E.

Noch so ein Prachttag bei wolkenlosen Temperaturen knapp über 1 °C.

Fianna nimmt die bekannten Routinen wieder auf und besteht nachdrücklich auf ihren Ball, und zwar schon gleich zu Beginn der Spazierrunde, sofort nach der ersten Blasendrainage. Das lässt darauf schließen, dass die Werbewochen vorüber sind und vorerst der Alltag in die Hallen des Blues zurückkehrt. Fiannas wiedergewonnene Ballbegeisterung zaubert dem Begleiter ein entspanntes Lächeln auf die Wangen, das er allerdings mit eiskalten Finger bezahlen muss, weil diese sich ab sofort wieder im Dauereinsatz befinden. Dennoch ist ihm eine ballistische Fianna bedeutend vertrauter als ein hormonschweres Rüsselschwein.

Fianna und HeddaFianna und Hedda, noch mit Halsband Vom bestechend schönen Wetter angefixt, schnappt sich die Chefin ihre Dauerläuferinnen und die Kamera und macht sich am frühen Nachmittag auf zu einem Fotoshooting im Mangfalltal. Weniger geübte Fotografen schlagen sich mit den nicht oder nicht stillsitzenden und in die falsche Richtung laufenden Motiven herum. Damit gibt sich die Lichtbildnerin längst nicht mehr ab; sie stört sich an Halsbändern, welche die Komposition ruinieren. Anstatt diesen fotografischen Fehltritt einfach in die kompetenten Hände von Photoshop zu legen, nimmt sie den beiden die Halsbänder ab und verstaut sie in den Abgründen ihrer zahlreichen Fianna und HeddaFianna und Hedda, jetzt von allem Ballast befreitJackentaschen. Aber nicht gut genug! Denn als sie die Damen nach Beendigung des Shootings wieder einkleiden will, fehlt Heddas Premiumhalsung. Einfach aus der Tasche gesprungen und sich fortgemacht... GAU! Nein, ein verschusseltes Halsband pulverisiert nicht unsere Kreditwürdigkeit, aber es stellt eine Art Identitätsverlust dar: mein Bett, meine Box, mein Halsband. Also geht sie mit ihren beiden Fotomodellen die wenigen hundert Meter, die sie auf ihrer Fotostrecke zurückgelegt haben, nochmal ab – jedoch erfolglos. Sogar in dem zusammengesackten Wintergras gibt sich das Halsband keine Blöße. Sehr zerknirscht kehrt die Chefin heim, niedergeschlagener als wenn sie die rechte Hälfte unseres Familienfahrzeugs an einem Baum zurückgelassen hätte.

Nach einem Kurzbesuch von Freunden, die auf der Durchreise auf einen Kaffee und ein paar Worte bei uns hereinschauen, packen wir Hedda am späten Nachmittag, gerade noch vor der Dämmerung, nochmal ins Auto und starten einen neuen Suchversuch. Hedda darf nicht deswegen mit, weil wir uns von ihr eine große Hilfe erwarten, sondern, weil sie vorher keine Zeit gefunden hatte, ihr Nachmittagshäufchen zu machen, was bei dieser Gelegenheit nun doch noch erledigt werden könnte. Aber Hedda hat nur Ball im Kopf – und wir nur Halsband. Zwei Welten begegnen sich. Während wir die in Frage kommenden Flächen abwandern, tanzt sie mit ihrem Ball um uns und schiebt ihn uns bei Nichtbeachtung in die Kniekehlen oder rammt ihn uns in den Gluteus Maximus. Aber die Suche muss bei Einbruch der Dunkelheit wieder ohne Ergebnis abgebrochen werden und Hedda bis auf weiteres mit ihrem alten, halb verrosteten Halsband zurechtkommen. Da sie es sowieso meistens durch den Dreck zieht, wird ihr das auch ziemlich egal sein.

 

Samstag, 29. Dezember 2018, 10. Tag n. E.

Aber so schnell gibt man beim Blues nicht auf. Beim Morgenspaziergang setzt der Assi voll auf Fianna, die mit ihm zusammen das verlorene Halsband finden soll. Fianna findet jeden Ball, sogar noch nach zwei Tagen im Uferbewuchs eines Bachs. Grund genug, auf ihre Kernkompetenz Nase zu setzen. Aber das Kommando "Such den Ball" oder "Hol den Ball" ist nicht ohne weiteres durch das Kommando "Such das Halsband" zu ersetzen. Dieses Kommando kennt sie nicht, und folgerichtig sucht sie auch nicht. Beim Kommando "Such den Ball" sucht sie den Ball, der aber gar nicht verloren ist und somit auch nicht gefunden werden kann. Alternativ interpretiert sie das Kommando um in "Her mit dem Ball", was einen gänzlich falschen Zungenschlag in diese ernsthafte Sucharbeit bringt. Und weil der Ball nicht fliegt, begleitet sie ihren Assi aufmerksam und durchaus lernbegierig bei seiner Suche und lässt keine Gelegenheit aus, ihm unentwegt den Ball aus der Tasche zu zupfen. Was ihr auch gelingt. Nur suchen tut sie nicht. Aber um Punkt 9 Uhr liegt dem Assi das gute Stück (das Halsband, nicht Fianna) zu Füßen, dort, wo wir gestern Abend wie vergiftet gesucht hatten und vermutlich nur wenige Schritte daneben vorbeigeschnürt sind. Fianna können wir für ihren Beitrag zum Erfolg allerdings kein Goldenes Schnüffelabzeichen verleihen, sie war schlicht ein Totalausfall, eine Schmach, die sie in der Folge durch besonders engagiertes Ballspiel zu überspielen sucht.

Abgesehen davon hat sich Fianna in ihrer wahrscheinlich hoffnungsfrohen Situation zurechtgefunden und ist eine nicht zu bremsende Knutschkugel. Keine Streicheleinheit, die sie nicht fordern und annehmen würde. Hedda ist dagegen in ihrem dritten Pubertätsschub und eigentlich zu nichts zu gebrauchen. Sie ist immer noch lustig, spielsüchtig und bestens drauf, sieht aber überall Gespenster und Bedrohungen, denen sie erst eine gesträubte Nackenbürste und dann die Stirn bieten muss. Und auch sozial betrachtet, nimmt sie partiell die Form eines Kotzbrockens an. Die Erziehung der Chefin steht aktuell, so stellt es sich uns jedenfalls dar, kurz vor einem Scherbenhaufen. Auch hundesportlich ist sie dementsprechend unkonzentriert und oberflächlich. Wir stellen deshalb die Arbeit mit ihr weitgehend ein, weil man in dieser Phase mehr kaputtmacht als aufbaut. Aus dieser Phase wird sie stärker und besser hervorgehen als je zuvor. Amen. Jedes Ding braucht seine Zeit zu reifen. Nochmals Amen. Aber vielleicht ist ja doch schon Hopfen und Malz verloren. Was uns tröstet, sind die Meldungen aus den Amtsstuben ihrer Geschwister, die sehr vergleichbare Geisteszustände protokollieren.

Wir wenden uns zukunftsträchtigeren Aufgaben zu und vermessen Fianna, um solide Referenzwerte zu haben, bevor sie an ihren Körpermaßen und ihrem Gewicht arbeiten wird. Die alten Hasen wissen Bescheid, aber den Frischlingen sei gesagt, dass wir während der Tragezeit sehr regelmäßig das Gewicht und die Körpermaße der werdenden Mutter dokumentieren, die letzteren werden direkt hinter den Vorderbeinen, in der Mitte und vor den Hinterbeinen vermessen.

Für heute ergibt sich: Vorne 75 cm Körperumfang, Mitte 71 cm und hinten 62 cm bei 30 kg.

Nachmittags kommt Fine, Fiannas Schwester, die auf der Durchreise zu ihrem Feriendomizil im Chiemgau ist, auf einen Kurzbesuch vorbei und kriegt sich nicht ein vor Freude. Wir haben dem nichts als Gegenfreude entgegenzusetzen und uns den vielfältigen Spielarten ihrer Zuneigung zu erwehren; die eindrücklichste ist ein zwei Meter langer und zehn Zentimeter dicker Knüppel, den sie uns in einer grazilen Drehbewegung in die Kniekehlen schleudert.

Abends, nachdem Fine mit ihren Chauffeuren weitergereist ist, setzt, nachdem es den ganzen Tag über trüb und hochneblig war, starker Regen und Sturm bei knapp über 2 °C ein. Das Jahr scheint sich sehr übellaunig verabschieden zu wollen.

 

Sonntag, 30. Dezember 2018, 11. Tag n. E.

Genau so geht es auch heute weiter: Regen, Schneeregen und Wind bei 1 - 3 °C.

Während Hedda unausgelastet und sich selbst im Weg stehend hauptsächlich Unruhe stiftet, ruht Fianna in ihrem Bett und singt leise Wiegenlieder. So ganz langsam beginnt die Zeit, in der sich die Feten in Fiannas Gebärmutterhörnern einnisten sollten. Bis jetzt schwimmen sie ja nur in großer Zahl in der mütterlichen Ursuppe herum, aber so viel Lebensanwärter kann keine Hündin der Welt zur Welt bringen. Deshalb beginnt jetzt langsam der Kampf ums Bleiben oder Gehen. Wenn man möchte, kann man sich das wie auf einer alten Galeere vorstellen, die ein paar hundert Ruderern Platz bietet. Und nur wer rudert überlebt. Die anderen gehen über Bord. Wenn Tausende sich um die Plätze auf der Ruderbank bewerben, ist das Gemetzel groß und die Verlustrate tragisch. Am Ende des Runs auf die Ruderbänke werden alle Plätze besetzt sein, der große Rest geht über Bord und taucht ab ins Dunkel der Ozeane. Chance gehabt, Chance vertan. Such is life. Und das Schiff macht sich emsig und wohlbestückt auf den Weg. Willkommen beim Blues, Mitte Februar. Aber bis dahin heißt es, sich ordentlich in die Riemen zu legen.

 

Montag, 31. Dezember 2018, Silvester und 12. Tag n. E.

Es bleibt beim Schmuddelwetter und Regen bei knapp über 0 °C.

Gestern haben wir noch unseren Franz II aus dem Lager geholt und für die heutige Silvesterausfahrt einsatzbereit gemacht. Es geht nämlich zu Nando (Hallodri) ins Erdinger Hinterland. Und es regnet, was  die Himmelsschläuche hergeben. Das fordert doch einen Blick in die allseits beliebten Bauernregeln heraus:

Silvesternacht düster oder klar sagt an ein gutes Jahr. Das hätten wir uns ja denken können! Wer, außer dem Stammitaliener, traut sich schon, der Kundschaft, sauren Wein einzuschenken? Noch besser sind die Boulevard-Prophezeiungen von dieser Sorte:
Wenn’s Silvester stürmt und schneit, ist Neujahr nicht mehr weit oder
Ist’s an Silvester hell und klar, ist am nächsten Tag Neujahr. Tusch, Schenkelklopfen, Tusch...
Aber es geht doch ein wenig seriöser:
Silvester wenig Wind und Morgensonn’, gibt viel Hoffnung auf Wein und Korn. Diese Hoffnung hätte sich mit dem heutigen Silvestertag dann auch erledigt. Und wer's nicht glauben mag, bekommt auch noch den Gegenbeweis:
Silvesterwind und warme Sonn’ verdirbt die Hoffnung auf Wein und Korn.

Kurz nach 15 Uhr kommen wir bei Nando im Erdinger Outback an und latschen alle zusammen geduckt und verdrossen durch den Regenwald. Der anschließende Glühweinempfang auf Nandos Balkon, aber gottlob unter Dach und Fach, stimmt die Gemüter wieder froh. Und dann fressen und picheln wir uns mittels eines vielgängigen und exklusiven Menüs dem Jahreswechsel entgegen.

Einen gesellschaftlichen Schnitzer erlaubt sich Fianna auf dem Weg zum neuen Jahr: Sie pinkelt auf Nandos Wohnzimmerteppich. SOWAS HAT SIE NOCH NIE GEMACHT! Wir schwören! Nandos Haushälter meinen zwar, das sei der Platz, an dem er für gewöhnlich seine Abendcracker zu sich nimmt, aber das kann ja kaum ein hinreichender Grund sein, ausgerechnet dort Dominanzansprüche zu manifestieren. Man stelle sich vor, wie es auf unserer Silvestertafel zuginge, wenn das zu den gängigen Umgangsformen gehörte. Die Chefin ist jedenfalls reichlich erbost und geigt der werdenden Mutter die Meinung so unmissverständlich, dass die ans nahe Ende der Welt glaubt und eine sehr finstere Wolke durchs Nandomizil wabern sieht. Aber das Ende der Welt ist es nicht, nur das Ende dieses Jahres, und Frauchen ist schon wenige Minuten nach dem Einlauf wieder beste Freundin mit ihrer Vertrauten im kleinen Schwarzen. So viel Harmonie um Jahreswechsel! Fast kommen einem die Tränen.

Der Protokollant jedoch fragt sich beim andächtigen Kauen die gleiche Frage, die ihn alle Jahre wieder beschäftigt: Warum bürden wir dieses Jahreswechselritual zwanghaft immer dem armen Silvester auf? Ausgerechnet jenem Silvester, dessen Name übersetzt Waldmann bedeutet, und der, weiß der gnädige Himmel warum, auch noch zum Schutzpatron der Haustiere ernannt wurde. Nichts wünscht sich diesen Silvester so sehr zum Teufel wie die von der Böllerei genervten Haustiere und auch die schutzlosen Kreaturen in Wald und Flur, die Waldmänner und Waldfrauen eben. Zynischer geht's ja kaum. Dabei fand der Jahreswechsel doch bis 1691, als Papst Innozenz XII der Kalenderanpassung  folgte, Neujahr am 6. Januar statt. Diesem Tag haben wir seither die Migranten aus dem Morgenland an den Hals gehängt, damit er nicht plötzlich wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern dasteht. Denkt man die Frage weiter, darf man auch mal nachhaken, warum der 31. Dezember / 1. Januar auch dann den Jahreswechsel einläutet, wenn wir ein Schaltjahr feiern? Dann passt das Datum doch schon wieder nicht. Der Assi spült ein kleines Stückchen Lammfilet mit einem samtigen Roten über die Zunge und plädiert für einen täglich zu feiernden Jahreswechsel, was nie falsch wäre und die Menschen von Unsinnigerem abhalten würde. Fröhlich angeturnt metzelt man nicht. Nur um die Lämmerpopulation wäre es bald schlecht bestellt. Aber schön wäre es trotzdem, und für alles muss man sich auch nicht rechtfertigen. Wir könnten uns ja beispielsweise auch am thailändischen Neujahr vom 13. bis 15. April beteiligen oder am 11. September mit den Kopten und den Rastafari feiern. Wir könnten aber auch mit den Bahai am 20. oder 21. März feiern, die, Silvesterfeuerwerkschlauer als wir, zwischen Gemein- und Schaltjahren unterscheiden. Anstatt mit Halloween wären wir auch mit dem keltischen Neujahr am 31. Oktober besser bedient. Es gäbe genug Tage im Jahr, die sich als traditionelle Neujahrstage bewährt haben. Packen wir's an, weil es eh wurscht ist; morgen ist sowieso wieder Mord und Totschlag, Stau und Steinschlag, Trump und Trottel, egal, wann wir den Jahresschnitt feiern. Also, denn: Schampus auf uns alle! Schließlich gibt es ja auch rund ums Jahr Wein, Weib und Gesang sowie Bier, Mann und Gegröl, denen wir unsere Wertschätzung entgegenprosten können. Cheerio 2019!

Nando ist zwar genauso bekloppt wie seine Schwester Hedda, aber er verzichtet dennoch auf ein Feuerwerk, stellt uns dafür um Mitternacht zwei Montgolfieren, jene kleinen Heißluftballons aus Papier, bereit, die lautlos unsere Wünsche in den Himmel tragen sollen. Heiße Luft für Höhenflüge, herrje, welch eine Metapher! Unser Heißluftballon erleidet wegen der berüchtigten Feinmotorik der Chefin allerdings schon beim Entfalten eine Verwundung, von der er sich nicht mehr erholt, weshalb er, entfacht, keinen Millimeter abheben will und im Wassereimer gelöscht werden muss, bevor er das Nandomizil in Schutt und Asche legen kann. Nandos Montgolfiere hebt zwar ab, aber gerade noch haarscharf über das Balkongeländer, von wo er, vom Wind zerzaust und vom Regen geweicht und gewindelt, auf direktem Weg im Garten sein kurzes Leben aushaucht. Ist das nun ein schlechtes Omen? Keine Höhenflüge 2019? Keine Wünsche in den Himmel gebracht, so wie die Wünsche der bayerischen Regierung an die Himmelsleitung zusammen mit dem Alois Hingerl im Hofbräuhaus verhockt sind? Was das für uns bedeuten wird, muss abgewartet werden, für die bayerische Regierung bedeutet das, dass sie bis heute auf die himmlischen Eingebungen wartet und die Zeit mit Aufhängen von Kreuzen in den Amtsstuben überbrückt. Oder ist es gar ein gutes Omen, wenn viel heiße Luft nicht zwingend den Weg nach oben bedeutet? Wir überlassen die Antwort dem neuen Jahr.

Fianna, Hedda und Nando sind natürlich ganz aufgeregt ob all der ungewohnten Ereignisse um sie herum. Das heißt: Der Nachwuchs ist hibbelig und unter Strom und trotzdem irgendwie entspannt und gelassen, und Fianna schmust sich durch die fröhliche und somit freigiebige Gesellschaft und bettelt ihr die Taschen leer. So viel Hunger kann ein einziger, zumal bereits reichlich abgespeister Hund nicht haben. Der Doku-Assi vermerkt in seinem Tagebuch: Wer so viel isst, hat einen Wurm – oder viele.

 

Dienstag, 1. Januar 2019, Neujahr und 13. Tag n. E.

Das neue Jahr legt schon nach zweieinhalb Stunden die erste Pause ein, als wir uns um 2:30 Uhr zur Ruhe begeben, sehr zufrieden und mit uns und dem alten Jahr im Reinen. Dem neuen Jahr geben wir ab sofort jede Menge Kredit. Was sonst, sollen wir uns schon jetzt mit ihm anlegen?

Nachdem im Laufe des Vormittags die Hunde ihre Morgenrunde absolvieren dürfen, jetzt bei schon merklich erschöpftem Regen, versammeln wir uns bei einem sehr gemütlichen und, gemessen am Silvestermenü, natürlich zu üppigen Frühstück. Dann verabschieden wir uns von den Nandos, danken ihnen von ganzem Herzen für die Gastfreundschaft, wünschen ihnen – und allen, die das lesen – ein unbeschwertes Jahr voller Glücksmomente. Und machen uns davon.

Um 12:30 Uhr sind wir wieder zuhause und schaffen den denkbar geschmeidigsten Übergang zum Extremcouching für den Rest des Tages.

Und der Regen singt auch kein Lied mehr.