Inkubation - die Brutzeit des I-Wurfs

Freitag, 15. Februar 2019, 58. Tag n. E.

Die Temperaturmessungen bei Fianna bleiben heute stabil auf dem Niveau von gestern:

6:30 Uhr: 37,3 °C und 19:00 Uhr: 37,5 °C. So gesehen, steht uns derzeit noch keine Überraschung ins Haus.

Allerdings beobachten wir, dass Fiannas Wirbelsäule langsam hervortritt und die Flanken schon etwas eingefallen sind. Das bedeutet, dass nun das Relaxin (genauer: Relaxin-1 und -2) gebildet wird und beginnt, seine Wirkung zu entfalten, mit der die Bänder der Gebärmutter und des Gebärmutterhalses entspannt werden (und mit ihm auch der gesamte Bänder- und Sehnenapparat), damit die Zwerge einigermaßen geschmeidig durch die Geburtswege gleiten können. Dabei senkt sich der Bauch und lässt die Wirbelsäule hervortreten. Wir unterstützen diesen Vorgang, indem wir Fianna zweimal täglich zehn Tropfen (oder fünf Kügelchen) Pulsatilla geben, was sich zur Geburts- und Wehenvorbereitung bisher bestens bewährt hat. Pulsatilla ist ein homöopathisches Mittel, das aus der Küchenschelle (auch Kuhschelle) gewonnen wird.

Für die Mittagsmahlzeit steigen wir bei Fianna nun auf die nahrhafte Welpenmilch um, die wir später auch den Zwergen füttern werden, weil ihr Magen und der gesamte Verdauungsapparat nun schon ziemlich unter Druck steht und sie sich so mit der Verarbeitung und Verdauung leichter tut. Die Welpenmilch bereiten wir nach einem bewährten Rezept der LMU München selber zu und haben damit beste Erfahrungen gemacht: 125 g Magerquark, 150 ml Ziegen-H-Milch, 3 Eigelb, 3 EL Distelöl. Damit zieht die LMU alle Welpen auf, und wir haben unsere letzten Würfe auch sehr erfolgreich damit großgezogen. Warum teure Industriemilch, wenn das Gute gleich um die Ecke zu haben ist? Und: Fianna steht auf diesen Power-Shake.

 

Samstag, 16. Februar 2019, 59. Tag n. E.

Wir erleben einen weiteren Vorfrühlingstag mit -5 °C morgens und im Tagesverlauf bis zu 10 °C ohne eine Wolke.

An Fiannas allgemeiner Befindlichkeit ändert sich heute wenig: Sie bekommt noch mehr Schnappatmung und hat zum Ausgleich auch immer weniger Lust, sich zu bewegen. Die Spaziergänge gestaltet sie kurz und schleppend, muss ihren Hintern allerdings bewegen, weil es dem Kreislauf nicht zuträglich ist, wenn sie sich nur von der linken auf die rechte Bauchseite verlagert. Apropos Bauch: Die Zwerge machen sich jetzt schon sehr bemerkbar; egal, wohin man die Hand legt, überall knufft und strampelt es, und Fianna genießt es, wenn wir ihre Zwerge tätscheln und begutachten. Die einzige Veränderung ihres Zustands ist etwas Ausfluss, den wir heute erstmals zur Kenntnis nehmen.

Heute bekommt sie auch schon mal eine Ampulle Frubiase Calcium. Bis vor kurzem waren sich die Experten einig, dass man vor der Geburt unter keinen Umständen Kalzium zuführen sollte, weil dadurch die körpereigene Kalziumproduktion eingestellt oder zumindest deutlich reduziert würde. Heute ist die gängige Lehrmeinung, dass man Kalzium auch vor der Geburt dosiert zufüttern sollte, vor allem, weil ein zu geringer Kalziumstand für Wehenschwäche verantwortlich sein kann. Da die werdende Mutter einiges Kalzium für die Entwicklung ihrer Kinder abzweigen muss, kann durchaus ein zu niedriger Kalziumspiegel eintreten. Eine Ampulle morgens sollte den Anforderungen genügen und auch nicht kontraproduktiv sein.     

Bezüglich der Körpertemperatur tut sich auch noch nichts: 6:30 Uhr 37,3 °C und 22:00 Uhr 37,7 °C.

 

Sonntag, 17. Februar 2019, 60. Tag n. E.

Nachts wird Fianna einmal sehr unruhig, atmet schwer, wie es die Mühseligen und Beladenen tun oder solche, die dafür gehalten werden wollen. Eine längere Streicheleinheit durch den Assi bringt ihre Not wieder ins Lot. Aber morgens riecht sie nach Welpen. Es ist, als ob man aus dem Fenster schaut und feststellt: Es riecht nach Schnee. Man riecht es, es liegt in der Luft, obwohl weit und breit nichts als Sonne zu sehen ist.

Und heute Morgen um 7 Uhr ist im Mangfalltal ebenfalls nichts als Sonne zu erkennen (-5 °C), aber es liegt etwas in der Luft. Jedenfalls beim Blues. Noch nicht heute, aber bald.

Die morgendliche Temperaturmessung mit Leberwurstbrot ergibt 37,1 °C. Da lohnt es sich schon, in den nächsten Stunden etwas genauer hinzusehen, um die Entwicklung zu verfolgen.

Und dann entschließt sich die Chefin, die werdende Mutter und ihre Tochter gemeinsam auszuführen, begleitet von deren gemeinsamer Freundin Krümel. Und was passiert, wenn Frauen sich zusammenrotten? Es zieht sich. Es will kein Ende nehmen. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Und so zieht sich dieser Morgenspaziergang, keinesfalls gegen den Willen der werdenden Mutter, sondern sogar von ihr befeuert. Das beginnt damit, dass sie sich weigert, ihr Morgenhäufchen zu platzieren, was aber alternativlos ist. Und so zieht sich die Promenade, an der alle Beteiligten offenbar immer mehr Gefallen finden. Langsam bewegt sich der vom Assi gerne so bezeichnete "Krümel-Konvoi" durch die frische Morgensonne, wobei die beiden Zweibeinerinnen und die dicke Vierbeinerin das Tempo verschleppen, was den beiden fidelen jüngeren Damen ausreichend Gelegenheit bietet sich auszutoben. Erst spät bemüht die Schwangere ihren Darmausgang, so spät, dass es eh schon egal ist, wie lange sich die Promenade Nach dem MorgenspaziergangNach dem langen Morgenspaziergangnoch hinzieht. Fianna ist ein Ausbund an Fröhlichkeit und Tatendrang, fordert unentwegt ihren Ball, bettelt um Zuneigung und Leckereien und beschwert sich keine Sekunde über diese Morgenprozession. Zwei Stunden währt diese. Zwei lange Stunden, während derer der Assi schon mal das Auto für einen Noteinsatz bereitmacht. Doch kein Hilferuf ereilt ihn. Nach zwei Stunden kommen alle unbeschadet und mit einem gesegneten Appetit zurück. Wir unterstellen Fianna, dass ihr manche Vorzeichen in ihrem Bauch zu verstehen gaben, dass sie diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte, weil sie möglicherweise bis auf weiteres die letzte sein könnte. Abwarten und beobachten.  

Mittags sinkt FiannasTemperatur weiter: 12:30 Uhr 36,9 °C, ihr Mittagsmenü nimmt Fianna aber weiterhin anstandslos.

Nachmittags geht die Chefin mit Fianna "einmal kurz um die Wiese". Die Wiese muss sich im Laufe des Vormittags zu einer mächtigen Prärie ausgewachsen haben, denn die beiden sind erst nach weit über einer Stunde wieder zurück. Der Ausgang beinhaltet, wie zu erfahren ist, eine Kaffeepause bei Krümel, aber 45 Minuten Wanderung kommen doch zusammen. Die anschließende Temperaturmessung ergibt: 16 Uhr 37,1 °C; die 0,2 Grad mehr seit heute Mittag, sind vermutlich dem Spaziergang in den Frühlingstemperaturen anzurechnen. Fianna steht noch immer bestens drauf, wenn auch etwas schwerfällig, ist weiterhin sehr gelassen und verspeist ihr Abendmenü mit großem Appetit. Allerdings hat sie erheblich mehr Durst als wir von ihr gewohnt sind.

Temperatur 22 Uhr: 37,4 °C. Wir vermuten, dass Irmentraut um Aufschub gebeten hat, um sich noch ein bisschen schön zu machen.