16.12.2017 – Abschied von Bandit

Abschied von Bandit RossiDer war doch noch gar nicht dran, war unser erster Gedanke, als der Rote Bandit leblos in unseren Armen lag.

 

Am Donnerstag noch topfit und ohne jede Auffälligkeit, verweigert er am Freitagmorgen das Futter und zieht sich ins wohlig warme Bad zurück. Dort verbringt er den Freitag, verweigert die Nahrung, bleibt aber immer zugänglich und erwidert unsere Streicheleinheiten. Alarmierend ist höchstens seine gelegentlich schwere, rasselnde und tiefe Atmung. Nachts schließen wir die Badezimmertür, damit er Ruhe vor den Hunden hat. Gegen 5 Uhr morgens schreit er auf, die Hunde sind in höchster Alarmbereitschaft, und als wir ins Bad kommen, liegt er mit nur noch einem Jota Leben in der Badewanne. Einen schwachen Abschied haucht er uns noch entgegen, dann lässt er uns mit unseren Fragen und all unserer Hilflosigkeit zurück. Fianna scannt den toten Banditen einmal von der Nasen- bis zur Schwanzspitze und tapert, wie wir meinen, mit hängenden Schultern davon. Hedda kann nicht aufhören, den Kumpel zu untersuchen und unterstellt uns möglicherweise einen missratenen Morgenscherz. Immer wieder zieht es sie zu ihm in der Hoffnung, dass wieder Leben in ihn gekommen sein möge. Nachmittags legen wir ihn in unseren Garten neben Lorenzo und Jamie, und als er in seiner letzten Schlummerhöhle liegt, übernimmt Fianna die Erdbewegungen und schaufelt ihn mit ihrer Nase zu. Nach kaum einer Minute ist der Rote Bandit nur noch ein Schemen unter der nassen Wintererde. Den letzten Freundschaftsdienst leisten Freunde selbst.

Aus den gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wird uns die Diagnose Lungentumor nahegelegt. Alles weise darauf hin. Katzen sind Meister im stillen Leiden. Wenn es zum stillen Leiden nicht mehr reicht, ist es zu spät. Und wir sehen überall rote Gespenster. Fianna kontrolliert die Rückzugsorte des Roten Banditen. Und Hedda folgt ihr wie eine Marketenderin mit einem Schneuztüchelchen.

Der Rote fehlt einfach überall. Die Nachbarschaft fällt in kollektive Trauer und räumt Decken und Sessel weg. Nicht nur wir schauen uns ständig um, ob er nicht doch wieder vor der Tür sitzt, mit seinem weißen Latz vor der Brust, immer zu einer kleinen Zwischenmahlzeit bereit. Die Vagener Au hat ihren Stolz und größten Charmeur verloren.

Dabei war er doch wirklich noch nicht dran... Obwohl er selten seine Stimme erhob, dröhnt die Stille seiner Abwesenheit in unseren Herzen.