03.07.2018 – Fianna auf dem OP-Tisch

IMG 2590 1 250Fianna nach der OPEs begann alles ganz harmlos mit einem Hopsen der linken Hinterhand im Trab und endete am 3. Juli auf dem OP-Tisch.

 

In solchen Fällen von auffälligen Bewegungsmustern konsultieren wir grundsätzlich die Physiotherapeutin unseres Vertrauens, Frau Dr. Neff in Starnberg. Die diagnostizierte ein paar Unregelmäßigkeiten in der Wirbelsäule, wie sie bei sehr bewegungsfreudigen und durch unermüdliche Kinder bestrafte Hunde, aber auch bei Sporthunden häufig vorzufinden sind. Für Fianna trifft das alles zu und sie bekam die Schiefstellungen und Verlagerungen ausgearbeitet. Danach war wieder alles gut. Nach wenigen Wochen zeigte Fianna das gleiche "Pudelhüpfen" in der rechten Hinterhand. Nicht ungewöhnlich, dass die andere Hand nachzieht, wenn das eine Problem behoben ist, beruhigte uns Frau Doktor. Als das Problem wieder auftauchte, befand sie das als nicht mehr gewöhnlich und riet uns zu einer Diagnose.

Diagnose am Rücken heißt für uns immer Dr. Gödde in Piding, Spezialist für Rücken und alles, was mit Nerven zu tun hat. Er hat uns auch die DM bei Franzi zuverlässig diagnostiziert, was ihn eher zur persona non grata machte, wofür er aber nichts kann. Der Überbringer schlechter Nachrichten hat es halt schon seit alters her nicht leicht. Am 22. Juni wurde Fianna von Dr. Gödde mit Herz und Händen, von oben bis unten und von hinten bis vorn durchgearbeitet, Muskel für Muskel, Gelenk für Gelenk, Sehne für Sehne. Erster Befund: Der Oberschenkel des rechten Hinterbeins ist etwa 10% schwächer als der linke, was darauf schließen lässt, dass sie das rechte Bein schont, und die beiden Trizepssehnen der Vorderbeine sind erheblich empfindlicher als man es erwarten sollte, was daraufhin deutet, dass sie die meiste Arbeit über die Vorderhand abwickelt. Jetzt durfte Fianna den eventuell entgangenen Nachtschlaf in der CT-Röhre nachholen. Ergebnis: Eine Zyste an der Wirbelsäule kurz vor dem ISG und gleich dahinter ein mittlerer bis schwerer Bandscheibenvorfall. Die gute Nachricht: Außer diesen kleinen Unstimmigkeiten ist Fianna an der Wirbelsäule und allen Gelenken kerngesund, ohne jeden Befund. Immerhin.

Prognose: Die Zyste wächst zuverlässig weiter und führt zu weiteren Beeinträchtigungen und Beschwerden. Die Bandscheibe heilt nicht von selbst, sondern degeneriert weiter. Nerven werden auf Dauer beschädigt und die Kompensationsschäden an den Gliedmaßen durch Schonhaltung manifestieren sich. Beschluss: Nix wird von selber besser, hinwarten heilt nicht, OP.

Am 3. Juli lag Fianna unter Dr. Göddes Messer. Vier Stunden war er mit ihr beschäftigt. Wider Erwarten konnte er die Zyste wirklich komplett entfernen, was nur sehr selten gelingt, aber durch den Zugang von der Seite, hatte er es geschafft. Die Degeneration der Bandscheibe wurde entfernt, Fettgewebe unterlegt, das einerseits die Funktion teilweise übernehmen und andererseits verhindern soll, dass es Verwachsungen der Nerven mit dem Rest der Bandscheibe gibt. Die Operation war gelungen, aber so ein Gewebe wie diese angebliche Zyste hat auch Dr. Gödde noch nie gesehen. Es wurde eingeschickt, um letzte Klarheit zu bekommen.

0P8A9919 1 250Im Garten erholt es sich gleich doppelt gut von der OPAm 5. Juli durfte Fianna wieder nach Hause, den Umständen entsprechend fit. Nur das rechte Hinterbein konnte sie noch nicht richtig benutzen, weil sich die Zyste am Nerv festgehalten hatte, wodurch dieser bei der Ektomie etwas herzhaft angefasst werden musste.

Die ersten beiden Wochen stehen nun unter dem Motto: absolute Ruhe für die Wundheilung. Niemals im Haus und Garten unbeaufsichtigt lassen. Heddas herzhafte Liebesbezeigungen unterbinden. Maximal dreimal täglich fünf Minuten Geschäfteverrichtung. Box oder Laufstall sehr empfohlen. Weil sich Fianna in der alten Autobox nicht wohlfühlt und sich dort nicht entspannt hinlegen kann, haben wir einen Kinderlaufstall besorgt. Den nimmt sie gerne an, geht auch selbständig rein, eine Maßnahme, um überfallartige Bewegungen beim Klingeln oder bei Katzen an der Terrassentüre zu verhindern.

Anschließend sechs Wochen strikter Leinenzwang, täglich steigende Belastungen im Schritt und leichtem Trab, zum Schluss mit bis zu dreimal 30 Minuten. Sprünge vom Sofa oder ins Auto vermeiden, Rampe empfohlen (wir denken über einen Lifta nach). Dazu kommt Reha in Form Physiotherapie, was uns wieder regelmäßige Besuche in Starnberg bescheren wird.

Nach wenigen Tagen scheint Fianna bereits schmerzfrei, was ihre Einsicht in diese Therapiemaßnahmen schmälert. Die Erkenntnis, dass nach der Erledigung der Geschäfte umgehend der Heimweg angetreten wird, lässt sie diese mit Kalkül hinausziehen.

Hedda war anfangs etwas schockiert über ihre malade, halb nackte und rückengeschlitzte Mama, geht aber inzwischen großartig damit um.

Sportliche Perspektive: Unterordnung, außer Sprung und Schrägwand, alles. Schutzdienst, obwohl von Dr. Gödde nicht untersagt, nur noch Spaßanbisse, keine lange Flucht mehr. Fährten solange sie die Füße tragen und die Nase nicht verschnupft ist.  

Engadiner und alle anderen Berge bleiben für den Rest dieses Jahr von uns verschont. Und Fianna wird wohl auf ein paar Leckereien verzichten müssen, damit sich der Bewegungsmangel nicht in einen Mittelstandsbauch auswächst. Wir sind sehr zuversichtlich. Wird alles wieder gut.