26.-30.07.2018 – Ein Wochenende zu Füßen der Julischen Alpen

0P8A0396 1 250Blick aus dem Womo - so wacht man gerne aufMit Freunden, den Besitzern unseres Hallodris, der sich jetzt Nando rufen lässt, hatten wir lange vereinbart, ein Womo-Wochenende zusammen zu verbringen, eine Art Outback-Wochenende zu viert plus drei: vier Menschen und drei Hovawarte. Es geht nach Norditalien, nach Friaul-Julisch Venetien.

 

0P8A0440 1 250Schöner kann man fast nicht stehenDie "Nandos" sind seit vielen Jahren stolze Besitzer eines zehntonnigen Expeditions-Trucks namens Hannibal und wir seit zwei Jahren Besitzer eines dreieinhalbtonnigen, schmalbrüstigen Reisemobils von der Stange namens Franz II. Neben Hannibal macht sich Franz aus wie ein Dalmatiner neben einem Mastif, und der Mastif hat schon die Sahara bereist, Marokko, den Senegal, den Iran und den Irak, dazu vieles mehr und natürlich so ziemlich alles, was ihm in Europa vor die Achsen kam. Der Dalmatiner-Franz sah sich gerade mal im südlichen Teil Schwedens, in Frankreich, im Engadin,  in Slowenien und Kroatien um; eine sehr ungleiche Ausgangslage, die jedoch auch ihre positiven Seiten hat, weil die "Nandos" auf ihren vielen Reisen immer wieder Flecken ausfindig machten, die man gerne übersieht, wenn man vorbeischnurrt. Und so ein verstecktes Fleckchen Erde wollen wir nun gemeinsam aufsuchen. Ein ganz langes Wochenende wollen wir dort verbringen und nichts tun als Nichtstun.

Am Donnerstag, den 26. Juli fahren wir gegen 15 Uhr los, treffen uns eine Viertelstunde später mit den "Nandos" und einem ungeduldig schwurbelnden Hannibal am Irschenberg und rollen gemeinsam gen Süden, erst bis Kufstein (singen dort nicht das Kufsteinlied, sondern ein Spottlied auf die österreichische Regierung, die uns wegen ein paar Kilometern Maut abknöpft, weil wir ihren Landsleuten abseits der Autobahn nicht noch mehr Verkehr zumuten wollen), überfahren den Pass Thurn, danach die Felbertauern, klettern über den Gailbergsattel und überqueren am Plöckenpass die Grenze nach Italien. Für Motorradfahrer ist diese Strecke ein Taufbecken der Glücksgefühle, Wohnmobilisten kurbeln sich die Schultern aus den Halterungen. Aber Spaß macht’s.

Hier enden dann auch unsere geografischen Aufzeichnungen, weil wir bald nach dem Plöckenpass unser Ziel erreichen, ein weites Busch- und Waldland am Fuße der Julischen Alpen, links und rechts eines brabbelnden Bächleins, das keinen Zweifel lässt, dass es zu anderen Jahreszeiten ein reißender Fluss sein kann. Wir wollen, dass dieses Refugium auch eines bleibt, dass der Geheimtipp kein Gemeintipp wird, nicht in Reiseführern beschrieben, in Foren diskutiert und im „Reisemobil“ eine Extraseite als Tipp des Monats bekommt. Hier gibt es nur Gelände, das zu beiden Seiten des Baches genutzt werden kann, eine elementare Ver- und Entsorgung, auch die Toilette kann entsorgt werden und Wasser bekommt man auch. Und sogar eine kleine Bar gibt es für die Kommunikationsbedürftigen. Die Nandos waren hier früher meist völlig alleine, und heute bekommen sie fast einen Kulturschock, weil sie drei Wohnmobile zählen. Drei...! Beinahe hätte sie der Fluchtreflex wegen Überfüllung wieder den Plöckenpass hinauf getrieben. Dabei gibt es hier Platz ohne Ende. Und so soll es bleiben. Deswegen keine näheren Angaben zu Position. Sorry, aber irgendwo endet die Solidarität mit den Einsamkeit suchenden Wohnmobilisten. Die suchen wir nämlich auch und finden sie immer weniger.

0P8A0446 1 250Fianna im Glück - langsam darf sie sich wieder kontrolliert bewegen. Sohn Nando ist voller Stolz dabeiGegen 0P8A0467 1 250Nando und Hedda im Vollgas durch den Fluss20 Uhr haben wir einen passenden Platz gefunden und richten uns ein, nur wenige Schritte abseits des Baches. Es hat 19° C und ist ein wenig wolkig. Die folgenden Tage verbringen wir mit Hundespaziergängen, Badegängen im kniehohen Bach, mit langen Gesprächen und ebenso langen Siestas bei angenehmen Temperaturen und trockenem Wetter. Wir kochen und wir genießen, wir lassen uns die Haare schön machen, nein, einen Friseursalon gibt es hier nicht, aber Frau Nando.

0P8A0488 1 250Ballspiel der GeschwisterEinziger 0P8A0506 1 250Wer gewinnt? - Hedda oder Nando?Wermutstropfen dieses wildromantischen Platzes sind die Wanderer, ohne die es eben in den Alpen, auch den Julischen, nicht geht, und die zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Gruppenstärken unsere Wagenburg passieren. Wir haben wirklich nichts gegen Wanderer – aber wir haben Hovawarte. Ein Hovawart ist ein Wachhund und erklärt das Gelände, das er betreten hat, spätestens eine Viertelstunde später zu seinem Revier und  misstraut fortan grundsätzlich jedem, der es auch nur tangential streift. Und er sagt ihm das auch deutlich, mit kraftvoller Stimme und verteidigungsbereiter Körperhaltung, auch wenn er sicher an der Leine hängt. Ein Pilgerstrom von 500 Passanten in der Stunde lässt ihn kalt und vielleicht auch resignieren, aber Wandervögel im Zehnminutentakt lassen ihn nicht ruhen und befeuern seinen Wacheifer. Dazu zählen auch Jogger, die eifrig schwitzend und prustend sein Revier durchhasten, das Brücklein überqueren, die andere Bachseite hinabhecheln, ein weiteres Brücklein überqueren und wieder zu uns hochkeuchen, immer wieder die gleiche Runde, immer im Sechs-Minuten-Takt, auch sie finden keinen Gnade vor den Augen eines richtigen Hovawarts, und an sie will er sich auch nicht gewöhnen: sollen sie doch woanders schwitzen und keuchen, aber nicht vor seiner Haustür. Wir haben drei richtige Hovawarte, denen ihr neues Refugium ebenso wertvoll ist wie uns.

0P8A0494 1 250NandoUnd 0P8A0535 1 250Fianna - mit ihrem Ball ist die Welt in Ordnungso verfliegt die Zeit mit all dem Kleinteiligen und Langatmigen langsamen Schrittes und doch viel zu schnell. Am Montag, den 30. Juli, gegen 11 Uhr, sagen wir dem Bächlein adieu und dankeschön. Wir dampfen und keuchen wieder den Plöckenpass hoch, immer die Jogger im Sinn, über den Gailbergsattel, die Felbertauern und den Pass Thurn. Und um 15:30 Uhr sind wir wieder zu Hause. Hier messen wir jetzt 32° C und wünschen uns an den kühlen friulischen Bach zurück. Wir waren nicht das letzte Mal dort, mit oder ohne unsere Mentoren, denen wir auch herzlichen Dank sagen, am liebsten jedoch wieder mit ihnen.