24.10.2018 – Abschied von Bertl und Cento

Bertl 2018 1c 250Bertl - ein Clown bis zum SchlussZwei IMG 4762 1 250Cento mit Vollgasschlimme Nachrichten erreichten uns in den vergangenen drei Wochen: Bertl und Cento haben ihre Lieben und uns zurückgelassen.

 Bertl war vom ersten Tag an eine Ausnahmeerscheinung, wie sie bestimmt nicht häufig in die Wurfkiste gelegt wird: Ein machtbewusster und vor Selbstgewissheit strotzender Bursche, der bereits mit gerade mal acht Wochen die Hand seines Ziehvaters schlitzte, weil er dessen Anweisungen als nicht bertl-gemäß erachtete. Er kann für sich in Anspruch nehmen, bis zum heutigen Tag der einzige Nachkomme des Blues geblieben zu sein, der sich zu einer solchen Bluttat ermannte. Bertl blieb sein ganzes Leben über Bertl, wie er leibte und lebte. Nur wenn sich seine Wege mit denen seiner Mama Anouk kreuzten, zog er sich wieder die Strampler an, gab den Baby-Bertl und buk die kleinsten Brötchen. In frühen Jahren wurde er in der Uni-Klinik München zur Sensation, als er es auf der Leopoldstraße frontal mit einem Pkw aufgenommen hatte und bei der Inspektion in der Klinik nur ein paar kleinere Prellungen vorzuweisen hatte. Das gesamte anwesende Personal wurde herbeigerufen, um sich einmal einen perfekt austrainierten und bemuskelten Hovawart live und in Farbe anzusehen. Dort schüttelt man vermutlich noch heute den Kopf über dieses dickschädelige Überlebenswunder.  

Bertl ausweis bigBertlSpäter hinterließ er seine Spuren in Wien und reiste mit seiner Katrin und dem WWF in entlegene Bärenregionen und zu wichtigen Sponsorengesprächen, wo er bald so selbstverständlich dazu gehörte wie der Keksteller auf dem Konferenztisch. Zuletzt residierte Bertl in Berlin, wo er als der einzige Hovawart bekannt wurde, der sich in einem Lastenfahrrad durch die Stadt chauffieren ließ. Und schließlich übernahm der große Bertl auch noch die Rolle als fürsorgender Kindergärtner und Eiapopeia-Kuschelbertl. Viele Rollen hat er gespielt, und allen war er so selbstverständlich gerecht geworden, als hätte man sie auf den Leib geschrieben.

Im Juli feierte Bertl seinen 13. Geburtstag, wobei ihm die Plagen des Alters schon reichlich zu schaffen machten. Als seine Familie ihn am Freitag, den 12. Oktober der Fürsorge von guten Freunden überließ, um übers Wochenende wegzufahren, nutzte er die Gelegenheit zu einer spontanen Abdankung. Ein Bertl nimmt auch seinen Abschied in die eigenen Pfoten. Ein ganz Großer des Bairischen Blues hat uns verlassen und ein riesiges Loch zurückgelassen.

Wir danken Katrin und ihrer Familie, die diesem Powerpaket 13 Jahre lang eine einzigartige Bühne zu seiner Entfaltung geboten haben. Ihr habt ihm seinen Stolz und seine Würde gelassen. Und mit diesem Stolz und dieser Würde ist er von der Bühne getreten. Wir werden ihn nicht vergessen, weil so einer einfach unvergesslich ist.   

Cento 2018 1 250Cento in den letzten TagenAm 23. Oktober hat dann Cento die Bühne verlassen, die er elf Jahre und neun Monate bespielt hatte. Centos Leben spielte auf drei Bühnen: seinem Stammhaus im Unterallgäu, seinem Wochenenddomizil in Unterfranken und auf den Laufstegen Europas.     

Cento war ein herrlich unkomplizierter und immer gutmütiger Bursche, aber auch ein liebenswerter Schelm und Charmeur. Doch seine größten Rollen waren die der Rampensau und des Gigolos. Vor die Wahl gestellt, ob er sich auf den Sportplätzen oder den Laufstegen einen Namen machen möchte, entschied er sich, mit kühlem Herzen kalkulierend, für die Laufstege. Schönheit, so fand er, hat man. Sportlichen Ruhm muss man sich hart erarbeiten. Und so nahm er die 100 Punkte auf den Laufstegen ins Visier, die ihm beträchtlich einfacher zu erkämpfen schienen als die 300 Punkte einer IPO-Prüfung, die er, nach eigenem Ermessen, sowieso nie erreichen würde. Und so eroberte er auf geschmeidigen Beinen mit seiner Ulla die Laufstege und wurde zum bejubelten Champion. Im unterfränkischen Wochenenddomizil fand er seine Ruhe und Mitte wieder und Abstand von den Eitelkeiten des Catwalk. Aber dort, zwischen den Basaltkegeln der Rhön, stählte er auch seinen Körper für die Schönheitskonkurrenzen, machte ihn fit, geschmeidig und ausdauernd – und schaffte es dabei ganz nebenbei bis zur IPO 3. Cento, ein bildschöner Athlet und ein durchtrainierter Adonis.

Anfang 2016 musste sich Cento einer sehr komplizierten OP an seinen verengten Harnleitern unterziehen.  Die anfänglichen Folgen waren ständige Katheterisierung, Bakterienbefälle, Spritzenkuren und alles, was man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Cento überstand diesen An- und Eingriff und fand wieder in seinen Alltag im Allgäu zurück, aber mit der Sportkarriere und den Laufstegen musste er seinen Frieden schließen. Letztlich schüttelt man eine solche Krankheit nicht aus dem Fell wie lästige Schneeflocken; sie nahm ihm viel von seiner Lebensenergie und richtig topfit wurde er nicht wieder. Zuletzt plagten ihn wieder Beschwerden beim Wasserlassen, er litt an Fieber und Appetitlosigkeit, und das Gehen und Aufstehen wurde ihm an manchen Tagen schwer. Die Tierarztbesuche häuften sich und die finsteren Vorzeichen verdichteten sich. Am Dienstag, den 23. Oktober schlossen sich die Vorhänge vor Centos Bühne. Cento hatte seinen Laufsteg für immer verlassen.

Wir sind unendlich traurig und drücken Ulla und Flori ans Herz. Ihr habt Cento wirklich alles gegeben, eine wunderbare Heimat und ein reiches Leben voller Höhepunkte. Und zuletzt habt ihr um sein Leben gekämpft und euch für ihn aufgeopfert. Der Lohn war ein wunderbarer Freund und fast drei geschenkte Jahre. Dafür danken wir euch von Herzen.