12./13.10.2019 - Bayer. Meisterschaft IGP-FH

0P8A8900 1 250Mit den beiden sehr guten Ergebnissen, die ihr die Quali zur Fährten-DM des RZV ebnete, durfte Fianna auch an der Bayer. Meisterschaft des Bayerischen Landesverbands für Hundesport (BLV) teilnehmen. Hatten wir ihre Quali für die RZV-DM in Tauberbischofsheim noch als Husarenritt bezeichnet, lieferte sie uns allen jetzt ein echtes Drama. Dieses fand am 12. und 13. Oktober im bayerischen Nordendorf statt.

 

Nordendorf, etwa 25 km nördlich von Augsburg gelegen, hat eine lange Tradition als Ausrichter von Fährtenqualis und -meisterschaften. Bei erfahrenen Hundeführern wird das Gelände als sehr selektiv eingestuft, weil hier häufig das Losglück über die Art der vergossenen Tränen entscheidet. Hier gibt es, wie nahezu überall in Bayern, keine großen, zusammenhängenden Flächen gleicher Beschaffenheit. Deshalb entscheidet das Los, ob man auf einem leeren Acker sucht, auf einem Maisstrohacker, auf einem Senf- oder Rapsacker, auf einem frischen Saatacker oder gar auf einer saftigen Wiese. Alles Zufall. Ein Hund, der hier antritt, sollte auf jedem Untergrund zurechtkommen.

0P8A8881 1 250Fährte 13 am Samstag in der Senfsaat0P8A8883 1 250Start der Fährte am Samstag bei sommerlichen Mittagstemperaturen17 Teams haben sich für diese Bayerische Meisterschaft qualifiziert und sollen auf diesem Gelände zwei FH-2-Fährten laufen, eine samstags und eine sonntags. Es ist viel Herbstsonne vorhergesagt. Damit kennt sich Fianna aus. Und auch mit dem Losglück kennt sie sich bestens aus: letzte Gruppe, nachmittags zwischen 14 Uhr und 15:30 Uhr. Passt. Alles, wie gehabt. Fiannas Hundeführerin erkundigt sich bei den anderen, ob irgendjemand weiß, wo es einen Kurs gibt, der unter „Wie lose ich erfolgreich?“ angeboten wird. Achselzucken. Kopfschütteln. Was Fianna jedoch noch nicht kennt, ist eine IGP-FH, also, wie bereits erwähnt, zwei lange und schwere Fährten an zwei aufeinander folgenden Tagen. Bisher musste sie immer nur eine Fährte für eine Prüfung bewältigen. Am Sonntagabend werden wir wissen, ob sie die Suchkondition und Ausdauer hat, diese Herausforderung zu bestehen.

0P8A8891 1 250Fährten mit GegenverkehrDie0P8A8897 1 250Mit tiefer Nase in den letzten Winkel erste gezeigte Fährte auf einem Strohacker endet nach wenigen Metern und 10 Punkten im anschließenden Rapsfeld. Die Eingeweihten raunen, dass diese erste Fährte schon immer die Todesfährte gewesen sei: Hat noch nie keiner nicht bestanden. Doch nicht ganz schlecht gelost! Die zweite Fährte bringt es auf gerade mal 37 Punkte und die dritte auf 42. Ist es das, was hier als selektiv bezeichnet wird? Könnte man so nennen. Zu unserer Erleichterung geht es so nicht weiter. Als Fianna nachmittags an der Reihe ist, wärmt uns eine fürsorgliche Herbstsonne und lässt die knöchel- bis wadenhohe Senfsaat auf Fiannas Fährte aus allen Poren duften. 0P8A8905 1 250Richterurteil: 96 PunkteNa prima! Doch Fianna lässt sich nicht beirren, geht die Fährte konzentriert an, bleibt nicht verunsichert stehen, wie noch in Tauberbischofsheim, und kämpft sich verbissen durch dieses wirklich schwere Gelände. Sie gibt nicht auf und kommt schließlich rechtschaffen erschöpft am Ziel an; nur ein Gegenstand ist ihr im tiefen Senf entgangen. Viel mehr hat Leistungsrichter Ottmar Schwentzek an Fiannas Auftritt auch nicht zu bemängeln, bescheinigt ihr stattdessen eine ganz besondere Leistung, die er mit 96 Punkten (vorzüglich) bewertet. Wow! Damit ist sie heute ganz vorne mit dabei. Was Fianna an diesem Tag geleistet hat, lässt sich auch daran ermessen, dass sie der einzige Hund ist, der die Senfsaat überlebt hat. Und dann gleich mit 96 Punkten!   

0P8A8918 1 250Sonntag Mittag im Schollenacker - und es ist noch wärmer als am SamstagDer 0P8A8915 1 250Fährte 18 am zweiten TagSonntag wird noch wärmer. Fianna zieht – wer hätte das gedacht? – die allerletzte Fährte. Das Gruppenlos beschert ihr einen Schollenacker. Auch heute sehen einige Teams das Ende der Fährte nicht. Um 13:45 Uhr, als Fianna sich bereit macht, den Acker durchzuarbeiten, liegen 25 °C in der Luft. Fianna sucht sehr intensiv und konzentriert, langsam, Schritt für Schritt: Es ist schwer heute, sehr schwer. Nach fünf Gegenständen, die sie alle ordnungsgemäß verweist, und über tausend Schritt, taucht sie in ihr ganz persönliches Bermuda-Dreieck ein. Fianna sucht links, sucht rechts, zieht Kreise, versucht es wieder und wieder, links, rechts, bittet ihre Hundeführerin um Hilfe, versucht es wieder und wieder, aber: nichts. Sie hat nichts Verwertbares mehr in der Nase. Draußen, am Feldrain, ist es seit Minuten totenstill. Hände werden vor Münder gehalten, es ist, als würde Fiannas Suchschmerz auf die Zuschauer überschlagen. Leistungsrichterin Christine Mauermeier bricht ab – und bietet eine Ersatzfährte in 30 Minuten an, weil dieser Acker nichts hergibt, wie sie sagt. Er sei erst gestern umgelegt worden und bietet für Hunde noch kaum verwertbare Duftspuren. Dazu kommt, dass sich durch Fiannas Kreiseln und Stöbern die Fährtenleine immer wieder an harten Schollen und Steinen verhängte, was jeder Hund als Korrektur interpretiert und ihn völlig verunsichern muss. Ersatzfährte also, nach einer so harten Nummer. In einer halben Stunde. Aber: Was für eine couragierte Entscheidung dieser Richterin! Eine Entscheidung für den Hund und gegen niemanden.

0P8A8930 1 250Ersatzfährte über WieseWir bringen Fianna in den Schatten hinter unser Womo, tupfen sie mit nassen Tüchern ab, damit sie schnell wieder auf Normaltemperatur kommt. Und was wir dann erleben dürfen, treibt uns noch heute die Tränen in die Augen: Alle, alle, die noch zusahen, kümmern sich um uns und Fianna. Kein Murren, kein Mäkeln! Es gilt nur eins: Fianna fit zu kriegen. So fair und schön kann Hundesport sein. Wir geben Fianna Wasser mit etwas Milch, damit sie es überhaupt in dieser Situation anrührt. Anna Lang, alte Freundin, erfahrene Hundeführerin und Zuschauerin eilt zu ihrem hunderte Meter entfernt parkenden Auto und kommt mit rotem Kopf und Powerbars und Iso-Drinks für Hunde zurück. Gerhard Mauermeier, Vater unserer Richterin und Urgestein des bayerischen Hundesports, prüft Fiannas Puls und Temperatur und gibt grünes Licht. Nach einer guten halben Stunde entscheidet Christine Mauermeier, dass Fianna nicht die ursprünglich angedachte Ersatzfährte, ebenfalls ein Acker, aber ein einigermaßen glimpflicher, absuchen soll, sondern eine ganz andere: Wiese, denn –  Originalton: Wer in Königsdorf gelernt hat und im Landkreis Rosenheim trainiert, kann Wiese! Und so sucht Fianna eine lange und schöne, wenn auch etwas hohe Wiese ab, was gerne zu Schlamperei verleitetet. Um es ihr nicht allzu einfach zu machen, ist die Wiese voller Wild und Katzenspuren. Beim vierten Gegenstand versucht sie, ihre Leinenführerin zu überzeugen, dass sie doch für heute schon genug gezeigt habe und schickt sich an, sich für eine kleine Kuscheleinheit zur Seite zu legen, was aber blitzschnell vereitelt wird. Am Ende, nach kleineren Fehlern, hat Christine Mauermeier 95 Punkte (sehr gut) auf ihrem Zettel stehen und verkündet, dass sie das nach einer solchen Riesenleistung am heutigen Tag so nicht stehenlassen könne, deswegen: 96 und vorzüglich! 0P8A8962 1 250Siegerehrung: 3. Platz für FiannaDas bedeutet den dritten Platz bei der Bayerischen Meisterschaft! Dass ausgerechnet Angelika Kanzler, die durch diese allerletzte und so dramatische Fährte von eben diesem dritten Platz verdrängt wurde, als erste und mit verheultem Gesicht zum Gratulieren kommt, zeigt, welch ein Sportsgeist ohne Neid und Missgunst auf dieser Meisterschaft Regie führte. Wir sind nur noch gerührt. Und wie glücklich!

0P8A8970 1 250Die Sieger, die sich auf die Deutsche Meisterschaft qualifiziert haben, gemeinsam mit Richtern und FährtenlegernWir danken Christine und Gerhard Mauermeier, Anna Lang, Ottmar Schwentzek und allen anderen für diese beiden unvergesslichen Tage und gratulieren Alfred Seiler und seinem dreijährigen Inko zur Bayerischen Meisterschaft mit sagenhaften 199 Punkten. Herzlichen Glückwunsch auch an Denise Plaschil für die Vizemeisterschaft und 193 Punkte. Dem HSV Nordendorf danken wir für seine Gastfreundschaft und versprechen, gerne wieder zu kommen.

Doch erst einmal geht es nun vom 18. bis 20. Oktober zur Deutschen Fährtenmeisterschaft des RZV nach Markranstädt und dann vom 1. bis 3. November ins sächsische Lutherstadt-Wittenberg zur Deutschen Meisterschaft des dhv, wofür sich Fianna mit ihren 192 Punkten und dem dritten Platz der Bayerischen Meisterschaft qualifiziert hat.