19./20.10.2019 - RZV Deutsche Meisterschaft IGP-FH

0P8A9111 1 250Glücklich und zufrieden - 5. Platz auf der Deutschen Meisterschaft!Wer große Teile seiner Freizeit mit Fährtenlegen  und -suchen verbringt, darf seinen Fleiß bestätigt sehen, wenn er sich für eine Deutsche Meisterschaft qualifizieren kann. Fianna ist das mit der DM IGP-FH des RZV in Markranstädt bei Leipzig gelungen. Nach einem vorzüglichen Start kommt sie schließlich mit einem sehr guten 5. Platz nach Hause.

 

Eine solche Veranstaltung hat viele Väter, viele Helfer und Zuarbeiter. Die DM in Markranstädt hat aber noch mehr: Sie hat einen Mentor. Der Macher im Hintergrund und Organisator im Vordergrund ist Jürgen Michels. Wir stellen diese Personalie an den Beginn unseres Berichts, weil ohne Jürgen Michels die Veranstaltung nicht in dieser hochklassigen Form hätte stattfinden können, wie sie letztlich stattgefunden hat. Ein freundliches Dankeschön am Ende des Berichts wäre für seinen Beitrag zum Gelingen der DM zu wenig.

Die 16 Teams dieser DM müssen insgesamt 32 Fährten absuchen, jede mit mindestens 1800 Schritt und den vorgeschriebenen Schenkeln, Winkeln und Bögen. Das erfordert sehr viel Fläche, Fläche, die fast überall sonst fehlt. Jürgen Michels ist RZV-Mitglied, leidenschaftlicher Hundesportler und Großagrarier mit weit mehr Fläche als wir sie für die Veranstaltung brauchen. 150 ha stellt er uns für die Meisterschaft zur Verfügung, dazu 60 ha reine Trainingsfläche.

So können für jede Fährte 200 x 200 Meter zur Verfügung gestellt werden (4 ha). Das ergibt knapp 130 ha, verbleibt also noch genug Platz für die immer benötigten Ersatzfährten. Um die Rahmenbedingungen noch zu perfektionieren, weist jede dieser Fährten die absolut gleiche Beschaffenheit auf: feinkörniger Acker mit etwa 10 cm hoher Saat, allerdings jede einzelne mit reichlich Traktor- und Wildspuren durchzogen. Auf diesem Prüfungsgelände kann das Los nur über die Tageszeit und die Temperatur Einfluss nehmen, nicht jedoch über die Geländebedingungen. Andererseits fordern diese Rahmenbedingungen die Richter, denn wenn das Gelände nicht selektiert, müssen es die Richter richten.

0P8A8985 1 250Hedda als Double für FiannaFür diejenigen, die Fiannas Fährtengeschichte verfolgt haben, ist das Los ein vielsagendes Stichwort, zog sie doch zuverlässig immer die letzten und klimatisch herausforderndsten Lose. Diesmal wird ein anderer Plan erkennbar: Fianna zieht die Gruppe A1, was bedeutet, dass sie am Samstagvormittag und am Sonntagnachmittag suchen darf. In der Gruppenauslosung zieht sie dann die 1, also die erste Fährte des Tages. Bevor sie aber loslegen darf, muss ihre Leinenführerin noch schnell Hedda aus dem Womo holen und den Vertretern der Leipziger Volkszeitung Modell für ein Fährtenfoto stehen. Hedda schnüffelt sich durch eine morgendliche Leckerlifährte, begeistert die Reporter und wird anderntags in dem Artikel zur DM der LVZ als Fianna herhalten müssen und auf diese Weise ihren Teil zum großen Komplex „Lügenpresse“ beitragen. Für diese kleine, der Ahnungslosigkeit geschuldete Lüge würde allerdings sogar ein sehr erzürnter Herr beide Augen zudrücken.  

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 Dann ist Fianna endlich als Erste dran und zeigt, was sie kann. Sie arbeitet sich konzentriert, sicher und mit tiefer Nase durch den Bilderbuchacker. Viel hat Leistungsrichter Heinz Kraus an ihrer Arbeit nicht auszusetzen und bewertet sie mit vorzüglichen 97 Punkten. Am Ende des ersten Tages belegt sie damit den 3. Platz – und aus der Unbekümmertheit und Leichtigkeit, einfach nur dabei sein zu dürfen und die Meisterschaft zu genießen, wird plötzlich eine Bürde: die Bürde des Mitfavoriten.

 

 

0P8A9043 1 2500P8A9053 1 250Am Sonntag macht sich dann Fianna gegen 14 Uhr als Drittletzte auf den Weg aufs Treppchen. Doch heute stehen auf ihrer Fährte Mars und Jupiter in Konjunktion, und Fianna zeigt ihr launisches Fährtengesicht. Sie legt sich wieder einmal kurz nach dem Abgang hin, muss erneut angesetzt werden, verweist einen Gegenstand, der keiner ist und macht sich erst dann so an die Arbeit, wie man sie kennt, allerdings nicht mehr mit der unbedingten Sicherheit, die sie sonst zu zeigen in der Lage ist. Da muss dann Leitungsrichter Frank Heindorf deutlich mehr, allerdings nicht ganz so viel zusammenrechnen wie sein Kollege am Vortag: 86 Punkte (gut) gibt er zu Protokoll, insgesamt sehr gute 183 Punkte. Das Treppchen wäre damit nur noch durch schwere Unfälle der verbleibenden Konkurrenten zu besteigen. Am Ende wird es ein stolzer 5. Platz unter 16 Teilnehmern der Deutschen Meisterschaft, für eine Novizin auf diesem hohen Niveau eine wirklich beachtliche und sehr erfreuliche Leistung. Erst in diesem Jahr wurde Fianna mit dem Stress von IGP-FHs, also zwei langen Fährten an zwei aufeinander folgenden Tagen, konfrontiert, und das nun sogar im Wochenrhythmus. Dazu kommt die deutlich verdichtete Atmosphäre einer solchen Veranstaltung, die nichts mit der auf den gewöhnlichen Prüfungsfährten zu tun hat.

Wir sind richtig stolz auf unsere Fianna und freuen uns jetzt auf die dhv-DM vom 1. bis 3. November in Wittenberg-Mochau. Das soll der Höhepunkt und Abschluss eines sehr erfolgreichen Sportjahres für Fianna werden – falls sie dort nicht gewinnt oder Zweite wird. Dann würde nämlich noch die VDH-DM Mitte November auf dem Zettel stehen. Doch daran verschwenden wir ehrlich gesagt keinen Gedanken. Genug ist in diesem Fall wirklich genug. Die Freude ist bereits jetzt groß genug.

0P8A9034 1 250Alina mit Abasi von der Poloniusburg0P8A9038 1 1Bevor wir nun den Siegern gratulieren, müssen wir noch einen kleinen Abstecher zur Poloniusburg machen, genauer gesagt, zu Abasi von der Poloniusburg (Bazi), einem Enkel unserer Anouk. Der hat mit seiner Alina schon oft bewiesen, dass er ein exzellenter Fährtendechiffrierer ist und setzt auf dieser Veranstaltung den Schlussakkord mit Paukenschlag. Alina und Bazi sind in der gleichen Gruppe A1 mit Fianna und müssen am Sonntag direkt vor ihr antreten. Nach über tausend Schritten widerfährt ihm ein ähnliches Schicksal wie Fianna bei der Bayerischen Meisterschaft: Abbruch! Bazi verlässt nämlich zielstrebig die Fährte und lässt sich nicht mehr auf sie zurück bewegen. Nach dem Abbruch stellt sich heraus, dass nur wenige Schritte neben seiner Fährte ein Gegenstand liegt, der an dieser Stelle von wem und warum auch immer verloren wurde, dort aber definitiv nichts verloren hat. Den hatte Bazi in die Nase bekommen, und den hat er konsequenterweise aufgespürt. Folgerichtig ergeht nach dem Abbruch das Angebot einer Ersatzfährte für Bazi. Etwa eine Stunde später, nun definitiv als Letzter aller Teilnehmer, macht sich Bazi auf diese Fährte und arbeitet sie ab, als wenn er nicht schon fast zwei Fährten in der Nase hätte, langsam, konzentriert, aufmerksam und mit einem Nervenkostüm aus Drahtseilen (das sich Alina vermutlich auch gewünscht hätte). Nur einen kleinen Wackler und Kreisel am ersten spitzen Winkel leistet er sich, eine kleine Zögerlichkeit hier und ein Entlasten dort. Am Ende erschnüffelt sich Bazi 92 Punkte und belegt mit insgesamt 187 Punkten den 3. Platz! Eine echte Meisterleistung, eine Paukenschlag am Ende. Wir gratulieren Alina und Bazi von ganzem Herzen zu dieser Superleistung. Dieser Bazi-Enkel ist ein echter bayerischer Sauhund und mit allen Wassern gewaschen!  

0P8A9098 1 250Wir gratulieren Sabine Keßler und Escada vom Hohenloher Land zur dritten Meisterschaft in Folge und Sonja von Aschen mit Morro aus dem Emsland zur Vizemeisterschaft. Verdient ist verdient. Man sieht sich hoffentlich bald wieder.

Neben der bereits erwähnten Verdienste von Jürgen Michels um diese Meisterschaft, wollen wir neben dem ganzen Vorstandsteam der LG Süd vor allem die beiden Fährtenverantwortlichen Dr. Harald Claaßen und Dirk Höfer herausheben, die alles perfekt im Griff hatten. Die Fährteneinteilung funktionierte reibungslos, jeder Fährtenleger wusste, was er zu tun hatte und tat dies auch. Alle Teilnehmer bekamen Pläne des gesamten Geländes und aller Fährtenflächen. Alle wussten jederzeit über alles Bescheid. Es lief alles wie am Schnürchen. Und sobald ein Team den Fährtenabgang hinter sich hatte, konnten die Zuschauer den gesamten Fährtenverlauf auf einem Flipchart am Feldrand verfolgen. Ein Service wie aus dem Schlaraffenland (der von der brettebenen Landschaft natürlich ideal unterstützt wird).

So eine perfekt organisierte und durchgeführte Meisterschaft mit einem sehr zufriedenstellenden Ende macht Lust auf mehr und beflügelt die Anstrengungen, wieder dabei sein zu dürfen. Ach, Fianna, wir werden nur noch „Ackerurlaube“ machen …     

0P8A9086 1 250Die Teilnehmer der diesjährigen Deutschen Meisterschaft0P8A9105 1 250Die drei Starter der Landesgruppe Süd. von links: Jennifer Bröhl mit Carou vom Mirower Seeufer, Heike Schubert mit Fianna vom Bairischen Blues und Sonja von Aschen mit Morro aus dem Emsland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und natürlich wollen wir den Zeitungsartikel über Fianna mit ihrem Double Hedda nicht vorenthalten:

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