Während viele Gebrauchshunde mit über neun Jahren den Ruhesessel bevorzugen, wollen Hedda und ich es noch einmal wissen: wir melden uns zur IGP2 an. Diese Prüfung laufe ich vor allem für Bernd — er hat sich das so sehr gewünscht.

Bevor ich zur eigentlichen Prüfung komme, muss ich noch ein klein wenig ausholen:

Bernd und die kleine Hedda

Seit 25 Jahren bin ich mit meinen Hunden im Gebrauchshundesport aktiv — immer im Team mit Bernd. Er war nicht derjenige, der einen Hund selbst führte, aber er war der weltbeste Trainer, Begleiter, Fahrer, Berater, Spaziergänger und Ratgeber. Mit ganzer Leidenschaft hat er mir den Rücken freigehalten, damit ich den Sport ausüben konnte. Auf Hedda war er besonders stolz und schon der Junghundeaufbau war vielversprechend. Dann aber kam vieles anders: unser Schutzdiensthelfer fiel weg, mehrere Ersatzhelfer passten nicht so recht, Corona legte das Training lahm, Hedda hatte zwei Würfe (jeweils knapp fünf Monate Pause) und wir unternahmen ein halbjähriges Sabbatical durch Teile Europas.

So war Hedda 2023 bereits sechs Jahre alt, hatte „nur“ die IGP1 und wir immer noch keinen passenden Schutzdiensthelfer. Das machte Bernd sehr traurig — doch uns war klar: ohne Helfer ist Schutzdiensttraining und damit die vollständige Prüfung nicht möglich. 

Und dann starb Bernd im August 2023. Danach ging es für mich erst einmal ums Überleben, an Hundesport war nicht zu denken.

Hedda und Sigi beim Training

Ganz überraschend bot sich Ende 2024 die Chance, mit Sigi Schmalhofer wieder Schutzdienst zu trainieren — für mich ein Glück und etwas, das Bernd sicher sehr gefreut hätte. Sigi hatte schon unsere Anouk und Franzi hervorragend gearbeitet; er nahm sich auch für die inzwischen 7,5-jährige Hedda viel Zeit und baute sie wieder solide auf. Zwar ließ sich die verlorene Trainingszeit nicht vollständig aufholen, aber bei mir keimte die Hoffnung: vielleicht noch einmal eine IGP-Prüfung — nur für Bernd.

Osterkurs in Bühren mit Hedda und Carsten

Für die Herbstprüfung 2025 war die Zeit zu knapp; Hedda war bei den Gehorsamsteilen im Schutzdienst noch wackelig, daher startete ich an der Prüfung nur in Fährte und Unterordnung.
Ein harter Winter brachte weitere Trainingsausfälle, doch plötzlich ergab sich ein Kurs an Ostern in Bühren — und ein dortiger Prüfungstermin in den Pfingstferien. Nach Rücksprache mit Sigi entschieden wir: wir versuchen es!

Vier Tage vor der Prüfung reisen wir an, um letzte Feinheiten zu üben und Hedda an Platz und Helfer zu gewöhnen. Mein Vertrauen schwankt, denn die Fährte soll über einen Rübenacker gehen — ungewohnt für uns — und beim Probetraining treffen wir auf harten Boden und starken Rübengeruch. Im Schutzdienst üben wir noch täglich das Revieren auf dem fremden Platz sowie das Herausrufen aus dem Versteck; besonders letzteres quittiert Hedda durchgängig mit der Einstellung „das ist doch unnötig“. Ich werde unsicher, ob wir bestehen können.

Der Prüfungstag

In der Nacht gibt es ein kleines Gewitter. Beim Legen der Fährte am Prüfungstag sind die Rüben noch leicht feucht und der Boden angeweicht. Kurz vor dem Suchen verschwindet die Bewölkung und die Sonne verstärkt nun den Geruch der feuchten Rüben.

Start der Fährte

Wir sind die ersten Starter in der Fährte. Hedda nimmt den Abgang gut auf, sucht ordentlich die erste Gerade, aber lässt den ersten Gegenstand liegen (ein Ausbildungsfehler meinerseits).

Glücklich am Fährtenende angekommen

Und dann kommt die Ziterpartie beim ersten Winkel, den sie partout nicht findet. Ich rechne schon mit Abbruch, als sie plötzlich links anzieht und wieder auf der Fährte ist. Danach läuft es überwiegend gut: der zweite Gegenstand wird sicher verwiesen, der zweite Winkel etwas überlaufen, dann aber gefunden, und auch der letzte Gegenstand wird ordendlich, wenn auch etwas langsam, verwiesen.

Insgesamt gibt es für die Fährte 79 Punkte — ich bin  überglücklich, dass wir es geschafft haben.

Zurück auf dem Hundeplatz geht es direkt weiter mit den Unterordnungen. Vor uns starten vier Hunde und es wird immer wärmer.
Doch alle Sorgen sind unbegründet: Hedda läuft die Unterordnung ihres Lebens!

Paradedisziplin Fussgehen

Sie zeigt sie eine bestechende Fußarbeit — gerade, nah, exakt in der Position und mit tollem Ausdruck. Die Richterin Sonja von Aschen hebt das in der Besprechung ausdrücklich lobend hervor, was mich ein paar Tränen vor Stolz verdrücken lässt.

Auch das Apportieren über die Hürde klappt noch – trotz ihres Alters

Abzüge gibt es für eine kleine Führerhilfe bei Sitz, ein Doppelkommando bei Platz und etwas „tonale Unruhe“ (ein amüsantes Bellen) bei den Apportierübungen — über das ich ehrlich gesagt schmunzle. Die Unterordnung bringt uns 91 Punkte und ist die beste des Tages.

Revieren

Nach der Mittagspause steht der Schutzdienst an. Wie befürchtet habe ich Mühe, Hedda zum Revieren zu bewegen; ein Versteck kürzt sie dann auch ab. Doch bei der für uns so wichtigen Übung, dem Herausrufen aus dem Versteck, zeigt sie genau das, was wir lange geübt hatten: sie dreht schnell um, kommt und setzt sich neben mich — etwas, das im Training nicht  klappte, in der Prüfung aber funktioniert.

Die Griffe sind teils etwas spitz, aber stets fest. Die Führigkeit im Schutzdienst ist anstrengend, aber es funktioniert — am Ende 88 Punkte.

Insgesamt erreichen wir 258 Punkte — ein Ergebnis, das mich sehr glücklich macht!

Mein herzlicher Dank geht an alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben:

  • meine Trainingspartner in der Übungsgruppe Forstinning
  • Sigi Schmalhofer für seinen unermüdlichen Einsatz im Schutzdienst
  • die Übungsgruppe in Bühren für die tolle Gastfreundschaft
  • Carsten Fuchs fürs Feilen und Trainieren im Schutzdienst vor Ort
  • Claudia und Oskar fürs gemeinsame Fährtentraining auf Rübenacker
  • Ilke und Andreas für ihre Gastfreundschaft
  • Richterin Sonja von Aschen für das faire Richten und die ausführlichen Besprechungen
  • Karin und Leeloo, die uns begleitet und angefeuert haben und für die Fotos zuständig sind
Beide sind wir stolz wie Bolle

Die größte Anerkennung gehört aber meiner Hedda: mit 9 Jahren und 3 Monaten hat sie noch einmal in einer Prüfung gezeigt, was in ihr steckt. Du bist einfach eine Wucht!

Lieber Bernd, das haben wir nur für dich gemacht. Ich bin so froh, dass es geklappt hat — und hoffe, dass du irgendwo da oben zugeschaut hast, stolz warst und erzählst: „Das ist meine Hedda.“