Es sind nun zwei Jahre vergangen, seit Bernd gestorben ist. Zwei Jahre, in denen ich Stück für Stück gelernt habe, zu akzeptieren, und in denen ich langsam meinen eigenen Weg weitergegangen bin.

Jetzt steht ein weiterer großer Schritt an: ein Urlaub mit dem Wohnmobil in unserer geliebten Region Bretagne. Wir waren schon einige Male dort und hatten noch lange nicht genug von diesem schönen Landstrich im Norden Frankreichs.

Die große Frage war also, ob ich es schaffen kann, ohne Bernd, aber mit den Hunden und dem Wohnmobil Nordfrankreich zu bereisen. Am 11. August 2025 brechen wir mit Karin und Leeloo im Schlepptau auf, um herauszufinden, ob Frankreich auch ohne Bernd für mich ein Traumziel bleibt.

11. August 2025

Bei der Abfahrt zeigt das Thermometer 33 °C, und ich bin froh, in dem klimatisierten Wohnmobil „Franz“ zu sitzen und Nordfrankreich mit gemäßigten Temperaturen als Ziel vor Augen zu haben. Gerade wegen Fianna habe ich mich für dieses Ziel entschieden, da ihre beginnende Kehlkopflähmung das Atmen immer anstrengender macht. Je wärmer es ist, desto schwieriger wird es für sie.

Unser erster Stellplatz

Wir brechen mittags auf, und unser heutiges Ziel ist Saarbrücken. Wenn es irgendwie geht, wollen wir unsere erste Übernachtung bereits in Frankreich verbringen. Trotz viel Verkehrs überqueren wir um 19 Uhr die Grenze nach Frankreich und stellen 30 Minuten später unsere Wohnmobile auf dem Campingcar-Park-Stellplatz in Saint-Avold ab. Es ist noch sehr warm, also drehen wir nur eine kleine Runde mit den Hunden und genießen danach unser erstes Abendessen in Frankreich bei Kerzenschein vor dem Wohnmobil.

12. August 2025

Morgenspaziergang mit der Bande
Markttag in Saint Avold

Juhu, Frankreich hat uns! Die erste Handlung am Morgen gehört den Hunden: Wir spazieren früh morgens bei noch erträglichen Temperaturen mit ihnen durch den angrenzenden Wald. Danach können die Vierbeiner gemütlich im Wohnmobil schlafen, während wir uns auf die Fahrräder schwingen und nach Saint Avold fahren, wo heute Markttag ist. Wir bummeln über den Markt, trinken einen Café au Lait in einem Straßencafé und genießen unseren ersten Urlaubstag.

Am späten Vormittag sind wir zurück an den Wohnmobilen, lassen die Hunde nochmal kurz raus und machen uns dann auf den Weg zur Autobahn. Zuvor füllen wir unsere Kühlschränke im französischen Supermarkt prall mit Lebensmitteln.

Die Temperaturen während der Fahrt steigen auf 36 °C. Ich hoffe sehr, dass es im Norden Frankreichs kühler wird, sonst könnte es Probleme mit Fianna geben.

Lyons-la-Forêt

Unser heutiges Ziel liegt zwischen Amiens und Rouen, im kleinen Ort Lyons-la-Forêt. Dort haben wir bereits einen Stellplatz an einem kleinen Fluss reserviert und kommen deshalb stressfrei am Abend an. Wir bummeln noch mit den Hunden durch das hübsche Dörfchen und lassen uns das Abendessen mit Köstlichkeiten vom Markt und aus dem Supermarkt schmecken.

13. August 2025

Heute geht es zum amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer an der Invasionsküste in der Normandie. Wir waren schon oft dort, sei es zu Pfingsten oder in den Sommerferien, ja sogar direkt am D-Day. Immer waren wir überrascht, wie leer der riesige Parkplatz ist. Doch diesmal ist alles anders: Der Parkplatz ist bis auf den letzten Platz zugeparkt, etliche Autos kreisen in der Hoffnung, einen freien Platz zu ergattern, und auch die gesamte nähere Umgebung ist hoffnungslos überfüllt. Da bleibt uns nur eines: flüchten!

Stellplatz in der Stadt
Endlich Meer!

In Grandcamp-Maisy gibt es einen großen Wohnmobilstellplatz von Campingcar-Park, den wir ansteuern. Wir haben Glück und bekommen noch einen der letzten freien Plätze. Die Menschenmassen müssen wir erst einmal verdauen, also spazieren wir mit den Hunden zum Strand. Leider ist der für Hunde erlaubte Bereich sehr felsig und kiesig, was es für Fianna schwierig macht. Doch wir finden eine kleine Sandstelle, und so können die Hunde zum ersten Mal im Urlaub ins Meer. Gut durchgewaschen geht es dann eine Stunde später zurück zu unseren Wohnmobilen.

Am Abend wollen wir das erste Mal essen gehen, was sich jedoch als gar nicht so einfach herausstellt: Viele Lokale sind ausgebucht, und wir müssen ein wenig suchen, bis wir einen Platz in einer netten Hafenbar ergattern und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

14. August 2025

Mittlerweile ist mir klar, dass Nordfrankreich deutlich stärker frequentiert ist, als Bernd und ich es noch erlebt haben. Karin und ich haben am vorherigen Abend genauer geplant. Schnell sind wir uns einig, dass die Hotspots wie Mont Saint Michel dieses Jahr nicht auf unserer Liste stehen – es sind einfach zu viele Besucher unterwegs. Unsere Hoffnung ist, dass es nach dem Feiertag am 15. August und dem darauffolgenden Wochenende ruhiger wird.

„Da unten ist der Strand!!
Menschenleerer Strand, soweit das Auge reicht

Heute Morgen geht es erst einmal an einen richtig tollen Strand: viel Sand, viel Platz, viel Meer und wenig Leute stehen auf dem Programm. Vor einigen Jahren haben wir einen solchen Strand auf der Westseite der Halbinsel Cotentin entdeckt: die Dünen von Hatainville.

100% Wasserspaß
Fianna voll dabei

Zwei Stunden oder länger sind wir bei schönstem Wetter hier unterwegs, fotografieren, spielen mit den Hunden, schlendern barfuß durch den Sand und das Meer und haben unser kleines Paradies gefunden.

Unser Picknickplatz

Zurück am Wohnmobil gibt es ein spätes Frühstück mit Blick auf das Meer und die Dünen, während die schlafenden Hunde zu unseren Füßen liegen. Bis zum Mittag treffen hier mehrere Franzosen ein, die wie wir ein Picknick mit grandioser Aussicht schätzen.

Wir wollen uns gar nicht trennen, doch irgendwann müssen wir los und zu unserem Stellplatz in Hirel fahren. Dieser ist mit 80 Plätzen noch größer als der in Grandcamp-Maisy, und wir wissen nicht, wie voll er bereits ist. Doch als wir dort ankommen, sind wir angenehm überrascht: Die Plätze sind auf Rasen und unter Bäumen, und es gibt noch genügend freie Stromplätze für uns. Hier lässt es sich die nächsten Tage aushalten.

15. / 16. August 2025

Leckere Austern

Hier in Hirel kommen wir zur Ruhe, genießen die Tage und das Nichtstun. Der Strand hier ist kein Badestrand, und so können wir mit den Hunden frei herumlaufen, so lange und so weit, wie wir wollen. Am 15. August bauen lokale Händler ihre Stände auf und verkaufen französische Spezialitäten. Ein Kinderkarussell dreht seine Runden, und französische Musik dröhnt über den Platz. Wir genießen unsere ersten Austern im Urlaub (12 Stück für 8 €) und lassen sie uns mit einem guten Weißwein auf dem Markt schmecken.

Lieber Besuch

Am nächsten Tag kommen Angela, Uwe und Lukas zu Besuch – sie haben zeitgleich Urlaub in der Normandie und eine Ferienwohnung in der Nähe bezogen. Leeloo ist schon läufig in den Urlaub gestartet, und Hedda hat sich da nicht lumpen lassen und ist seit gestern ebenfalls läufig, weshalb Hias in der Ferienwohnung bleiben muss und uns nicht besuchen kann.

Aber wir sitzen bei bester französischer Patisserie im Schatten der Bäume, tauschen Tipps für die Region aus und verbringen einen langen, geselligen Nachmittag zusammen.

Das Wetter meint es richtig gut mit uns: Angenehme Temperaturen um die 25 °C laden zum Verweilen ein. Wir haben ausreichend Zeit und viele Motive, um mit der Kamera zu fotografieren und zu experimentieren. Und täglich dürfen wir wunderbare Sonnenauf- und -untergänge genießen.

17. August 2025

„Zwei Jahre ist es nun genau her, dass du nicht mehr bei mir bist. Der 17. August hat seinen Schrecken verloren. Ich vermisse dich jeden Tag – da macht der Todestag keinen Unterschied mehr.“

Der Hafen von Tréguier
Die Basilika St-Tugdual

Es gibt Fügungen – und diese führt uns heute weiter nach Tréguier. Dieser Ort hat für Bernd und mich eine ganz besondere Bedeutung und ist ein Ort, den wir immer wieder besuchten, wenn wir in der Gegend waren. Anfang der 90er Jahre waren wir gemeinsam mit Freunden und zwei Segelbooten im Kanal segeln, und auch damals trieb es uns nach Tréguier. Wir haben den Hafen in der Nacht angesteuert, hoch konzentriert, da wir nicht wussten, wo genau die Fahrrinne war. Um 1 Uhr nachts kamen wir um die letzte Kurve, und das Hafenbecken lag vor uns, in dem sich die Basilika St-Tugdual vollflächig spiegelte. Dieses Bild ist uns beiden nie wieder aus dem Kopf und aus dem Herzen gegangen.

Wenn immer möglich, haben wir einen Halt in Tréguier gemacht und in der Basilika innegehalten – und so will ich es heute auch machen.

Der Stellplatz am Fluss
Abendstimmung vom Wohnmobil aus

Wir fahren vormittags los, aber diese Fahrt hat es emotional in sich. Die Straßen, die ich so gut kenne, ohne Bernd zu fahren, bringen mir die Tränen in die Augen, und ich vermisse ihn so sehr. Doch als wir an unserem kostenfreien Stellplatz am Fluss le Guindy ankommen, fühlt es sich gut und richtig an, wieder hier zu sein.

Leckeres Mittagessen

Wir schlendern in das kleine Örtchen, besuchen die Basilika und essen am Hafen leckere Muscheln. Es ist ein fauler und gemütlicher Tag, den wir hier verbringen.

18. August 2025

Die Côte de Granit Rose fehlt noch auf meiner Liste der besuchten Orte. Ein einziges Mal, im Sommer 2010, hatten wir einen Tagesausflug dorthin unternommen, aber das Wetter war schlecht, und irgendwie sprang der Funke nicht über.

La Maison de Gouffre

Doch das soll sich nun ändern. Wir haben einen Stellplatz in Tréguinec ergattert und starten nach einem Frühstück im Café La Place. Der erste Stopp ist eines der bekanntesten Bilder der Bretagne: das Haus zwischen den Felsen, La Maison de Gouffre. Wir lassen Fianna und Hedda im Wohnmobil und wandern mit Limba und Leeloo durch die faszinierende Felslandschaft, um natürlich auch das berühmte Haus zu fotografieren.

Der Strand von Tréguinec

Danach geht es weiter nach Tréguinec, wo wir auf dem Stellplatz von Campingcar-Park reserviert haben. Na ja, Stellplatz ist etwas übertrieben – es handelt sich vielmehr um einen einfachen, sandigen, abschüssigen Parkplatz ohne jeglichen Charme. Doch für einen Tag ist das in Ordnung.

Der Hauptstrand von Tréguinec ist für Hunde verboten, aber 20 Gehminuten entfernt gibt es einen weiteren Strand, wo Hunde erlaubt sind. Dort verbringen wir unseren Nachmittag.

Landschaftlich ist es wirklich schön, aber auch dieses Mal springt der Funke bei mir nicht über, und ich vermerke mir im Geiste, dass ich auch in Zukunft hier nicht mehr herkommen muss.

19. August 2025

Das Viadukt in Morlaix
Morlaix Altstadt

Unser heutiges Ziel ist Roscoff. Da Morlaix auf der Strecke liegt, legen wir dort zunächst einen Halt ein. Die Altstadt mit dem 50 Meter hohen und 258 Meter langen Viadukt ist so beeindruckend, dass wir uns gerne umsehen. Leider ist das Wetter ziemlich regnerisch, aber wir schaffen es, in den Regenpausen ein wenig die Altstadt zu erkunden. Bei den Regenschauern müssen wir halt shoppen gehen. 😊

Unser Strand in Roscoff

In Roscoff liegt der Stellplatz nahe am Strand, und hier profitieren wir vom regnerischen Wetter: Der Strand gehört uns alleine, und wir können die Hunde ordentlich sausen und spielen lassen.

20. August 2025

Die Altstadt von Roscoff
Lecker lecker

Morgens radeln Karin und ich nach Roscoff, denn dort ist großer Markttag. Was für ein Angebot! Wir kommen regelrecht in Kaufrausch und versorgen uns ausgiebig mit Lebensmitteln und allen möglichen Mitbringseln für die Daheimgebliebenen.

21. bis 25. August 2025

Der Strand direkt vor dem Campingplatz

Willkommen an meinem Traumplatz, dem Campingplatz Ode Vras bei Plouscat in den Dünen von Keremma. Hier an der Côte des Sables haben Bernd und ich uns vor 15 Jahren in die Bretagne verliebt, und es hat uns nicht mehr losgelassen. Mit einigen Freunden waren wir mittlerweile schon auf diesem Campingplatz und haben wundervolle Tage erlebt.

Häuslich eingerichtet
Blick von unserem Stellplatz

Wie ich gehofft habe, hat mit dem letzten Wochenende der Touristenstrom merklich nachgelassen, und der Campingplatz ist nur noch halb besetzt, während er die Woche davor ausgebucht war. Auch das Wetter spielt mit und hat für die nächsten Tage nur Sonne satt auf dem Programm. So beschließen wir schnell, hier länger als nur ein oder zwei Tage zu bleiben und von hier aus die Heimreise anzutreten. Die ganze Bretagne kann man sowieso nicht in einem Urlaub erleben.

Galette und Cidre – Bretagne pur

Wir verbringen die Tage mit schönen Strand- und Dünenspaziergängen, gehen baden, fahren mit dem Rad nach Plouscat zum Shoppen, kochen gemeinsam und lassen unseren Aufenthalt mit einem Galette-Essen ausklingen.

Hier ist die Bildauswahl nun richtig schwierig – ich habe hunderte von schönen Fotos…

26. August 2025

Der Abschied nach diesen erholsamen Tagen fällt schwer, und ich weiß jetzt schon, dass ich wiederkommen werde.

Nur ein Gang von mehreren

Über 1500 km ist die Strecke nach Hause, und wir entscheiden uns für die erste Übernachtung in Bracieux, in der Nähe der Loire-Schlösser. Dort haben wir schon einige Male auf dem Campingplatz übernachtet – und vor allem exzellent im Restaurant „Le Rendez-vous de Gourmets“ gegessen. Auch für diesen Abend haben wir dort reserviert und uns kulinarisch verwöhnen lassen. Es ist mittlerweile eine schöne Tradition, hier den Frankreichurlaub bei solch perfektem Essen ausklingen zu lassen.

27. / 28. August 2025

Unsere letzte Übernachtung in Bexbach

Die letzten zwei Tage sind reine Reisetage. Am 27. August kommen wir bis Bexbach, in der Nähe von Saarbrücken, wo wir auf einem bereits bekannten Stellplatz übernachten. Dort gibt es schöne Spazierwege, und die Hunde können sich nach der langen Autofahrt richtig austoben.

Am nächsten Tag steht die letzte Etappe zurück nach Hause an, wo wir am Donnerstag am späten Nachmittag wieder ankommen.

Es war ein wunderschöner Urlaub. Ich habe wieder Spaß am Reisen mit dem Wohnmobil, und Frankreich hat trotz Bernds Tod nichts von seinem Reiz für mich verloren. Karin und Leeloo sind – wie schon letztes Jahr auf Texel – tolle Reisebegleiterinnen. Wir haben ähnliche Interessen und Gewohnheiten, was das gemeinsame Reisen schön, einfach und unkompliziert macht. Danke euch beiden dafür!