
Es regnet in Strömen, die Daugava fließt dahin wie ein Stahlabstich. Um halb Zwölf fahren wir nochmal zu Lāči, um uns mit Brot und Süßigkeiten einzudecken. Auf der Wiese vor dem Laden tanzen Kinder in lettischen Trachten und zwar mit so viel Ernst und Freude, dass wir trotz des Regens stehen bleiben und ihnen Beifall spenden. Heute am Sonntag ist der Laden proppenvoll, aber wir bekommen, was wir wollen und fahren wieder zurück. Wir lassen uns zuhause nieder und schwelgen in süßen Stückchen von Lāči, mehr ist heute nicht mehr auf der Agenda. Es regnet, die Hunde freuen sich übers Nichtstun und wir, ehrlich gesagt, auch.
Den Abend verbringen wir auf der Terrasse, was nur heißt, dass es nicht mehr regnet, aber kalt ist es trotzdem. Die zentrale Frage des Abends lautet: was machen wir morgen? Eigentlich wollten wir noch in den Westen, nach Kuldīga oder gar noch weiter, an die Küste, nach Ventspils oder Liepāja. Doch das sind immer zwischen 200 und 240 Kilometer, einfach. Sollen wir uns das antun? Sollen wir die Mädels 500 Kilometer herum schütteln, um vielleicht eine Stunde irgendwo aufs Meer zu blicken? Übermorgen ist Abreisetag, da werden sie wieder stundenlang durchgeschüttelt und müssen geduldig auf ein gnädiges Ende warten. Als wir um 24 Uhr die Decken über uns ziehen, ist noch kein endgültiger Entschluss gefasst, aber der Trend geht zu: nein.
