Um viertel nach 6 Uhr sind wir bereits aus den Federn, packen und frühstücken. Wir haben noch eine Strecke Weg vor uns – eventuell sogar unter erheblich erschwerten Umständen. Die katholischen Christen, und davon gibt es hier mehr als genug, feiern heute Fronleichnam und es besteht die Gefahr, dass wir in nicht nur einer Prozession stecken bleiben. Zudem haben wir beschlossen, auf der Rückfahrt die Strecke über Warschau und Posen zu meiden und somit den Autobahnstau vor der deutschen Grenze zu umgehen. Wir bleiben also weiter nördlich auf der 16, auf der wir gekommen sind, und steuern erst mal Olsztyn an. Von dort geht es immer noch auf der 16 weiter nach Grudziadz. Wir bedauern schon jetzt, dass wir diese Strecke nicht schon auf der Hinreise gewählt haben. Wir fahren durch herrliche, pastellige Landschaften mit kaum Verkehr, was sicher auch auf den Feiertag zurückzuführen ist. Es ist eine Art Schweben hier nördlich der Touristenroute, es ist als trüge einen die Luft. Auch der elende und herunter gekommene Eindruck von der Hinfahrt bleibt hier Mangelware. Nur einmal müssen wir einer Fronleichnamsprozession unseren Tribut zollen, nur wenige Minuten, die anderen lassen wir hinter oder vor uns. Irritierend ist nur, dass gelegentlich die Straße Ausmaße annimmt, gegen die sich die Startbahn eines Flughafens wie ein Feldweg ausnimmt, so breit wird sie dann auf einige Kilometer, dass mindestens vier Sattelzüge nebeneinander einen gemütlichen U-Turn machen könnten, ohne dass einer die Straße verlassen müsste. Das sind die Aufmarschtrassen des Warschauer-Pakts gewesen, hier also wären die polnischen und russischen Panzer und Raketenbasen gen Westen gerollt. Nun rollen also wir darauf gen Westen und fühlen uns zwar richtig winzig, aber dennoch fürchterlich bedeutend, denn wir sind hier der einzige Konvoi, der in den Westen will, aber auf dieser Piste so verloren wirkt, als hätte er seine Einheit verloren.

Bei Grudziadz queren wie die Weichsel und fahren auf ihrer Westseite flussauf in Richtung Bydgoszcz. Zirka 30 Kilometer vor Bydgoszcz machen wir kurz vor 12 Uhr Pause auf einem Rasthof. Dann geht es weiter auf der 10 in westlicher Richtung bis Piła, das wir auf der 10 nördlich umrunden und Wałcz ansteuern. Bei Wałcz wechseln wir auf die 22 nach Südwesten bis Gorzów Wielkopolski. Wir bleiben auf der 22 bis Wałdowice und weiter bis südlich von Kostrzyn, das auf der anderen Seite der Grenze schon Küstrin heißt. Hier biegen wir auf die 31 senkrecht in den Süden ab, immer entlang der Grenze bis Frankfurt/Oder. Um 17.05 Uhr betreten wir wieder deutschen Boden in der Gewissheit, dass diese Route die richtige Wahl war. Um 18:15 Uhr rollen wir auf den Hof der Klinkes in Rietzneuendorf. Der Kreis schließt sich – und die Salomons an den Füßen des Chronisten haben die zweiwöchige Reise auch ohne die Hilfe ihre Brüder und Schwestern bestens überstanden. 

Wir sitzen draußen und haben viel zu erzählen, wie Kinder nach einem Schulausflug in den Zirkus Roncalli. Fahrt rüber nach Masuren, legen wir ihnen ans Herz, es ist so nah für euch, wir kommen und hüten eure Hunde. Und dieses Angebot erneuern wir jetzt wieder. Wer große Landschaften liebt, der muss nach Masuren. Lettland ist für die Liebhaber von Details der passende Leckerbissen.

Für uns kommt abends ein Wildmenü auf den Tisch, das den genannten Leckerbissen in nichts nachsteht.